Die 2021 kanthari Teilnehmer und das kanthari Team wünschen Ihnen alles Gute für 2022

Quartalsbericht 4 - 2021

„Zu jedem Zeitpunkt hast du die Macht zu sagen: So geht es nicht aus: So wird die Geschichte nicht enden.“ – Christine Mason Miller

Der Campus ist leer, fast ein wenig gespenstisch, denn noch vor wenigen Tagen waren hier alle in Hochstimmung. Hier und da hörte man Teilnehmer, die ihre Reden den eher gleichgültigen Fischen und unseren verdutzten Hühnern vortrugen. Im Amphi -Theater wurde das Zelt für die letzte Party aufgebaut und überall roch es so gut nach frisch gebackenem Kuchen, und gesundem Essen.
Und dann der Tag der kanthari Talks. Wir haben selten so gutgelaunte und freudig erregte Redner erlebt. Sie konnten es kaum abwarten, selbst auf der Bühne zu stehen, aber alle waren auch voll Vorfreude auf die Reden der anderen Teilnehmer, die sie zum Großteil noch gar nicht kannten.
In jedem Jahr arbeiten wir in der Vorbereitung für den kanthari Talk mit allen Teilnehmern einzeln. Das ist sehr intensiv, aber es hilft ihnen, das große Lampenfieber und die Angst vor Auftritten zu überwinden.
In diesem Jahr gab es einen Livestream, der immer noch online ist. Es gab viele Zuschauer auf der ganzen Welt, die ihre Unterstützung anboten und Kommentare darüber hinterließen, wie sehr sie sich von den Reden ermutigt fühlen, weiterzumachen. 

Liebe Unterstützer und Unterstützerinnen, liebe Freunde und Freundinnen

wir hatten in diesem zweiten Covid Jahr das große Privileg, unser Programm mit Präsenz-Unterricht durchführen zu dürfen. Es gab nur wenige Institute in Indien mit dieser Genehmigung und wir sind der Regierung in Kerala dafür sehr dankbar.
Covidbedingt hatten wir nur 17 Teilnehmer. Von einem indischen Teilnehmer mussten wir uns leider verabschieden. Aber die 16 übriggebliebenen aus 8 unterschiedlichen Ländern haben unser Team sehr viel Freude bereitet. Hier finden Sie drei Beispiele der vielen außergewöhnlichen Projektideen.

kanthari-Teilnehmer 2021

Niwas Kumar - Anantmool - Bihar, Indien

Er war 7 Jahre alt, als er mit seiner Mutter im Zug einer Transfrau begegnete. Niwas war fasziniert

von ihrem Gelbgrünen Sari und der sehr männlichen Stimme. Und plötzlich hielt seine Mutter ihre Hände vor seine Augen, als solle er etwas nicht sehen.
“Von da an hatte ich Vorurteile gegenüber Männern, die sich für Frauen ausgeben”. Erst später änderte sich seine Einstellung, und aus Vorurteilen wurde Engagement. Er informierte sich und fand heraus, dass es auch Kinder und Jugendliche gibt, die sich mit einem anderen Geschlecht identifizieren oder sich gar keinem Geschlecht zuordnen können und wollen. Viele dieser Kinder werden aus ihren Familien geworfen und landen auf der Straße. Niwas möchte eine Schule gründen, nicht nur für die ausgestoßenen Transkinder, sondern auch für solche Kinder, die nicht mit irgendeiner Zuordnung aufwachsen wollen. Er nennt sie Genderfree und verweigert damit jeglichen Stempel. Wenn Sie mehr wissen möchten, sehen Sie hier seinen kanthari Talk (Tag Eins, startet 02:29)

Frank Ekow - Fair Shea - Ghana

Frank wuchs in einem Slum auf, in dem jeder Junge einen großen Traum verfolgt: Gangleiter in einem der Viertel zu werden. Seine Mutter sorgte allerdings dafür, dass ihre drei Söhne nicht in die Fänge der Bandenkriminalität gerieten. Durch Ernte und Verkauf von Shea Nüssen ernährte sie die gesamte Familie und brachte ihre Kinder sicher durch die verschiedenen Bildungsangebote bis zur Universität. Die Shea Nuss ist in ganz West Afrika eine nachgefragte Frucht. Aus den Kernen wird Sheabutter gewonnen, ein wichtiges Element für Hautcremes, Seifen und Schokolade.
Die Frauen von Ghana sind für die Ernte zuständig und werden oft von Mittelsmännern kräftig übers Ohr gehauen. Dagegen will Frank etwas tun. Mit seiner Organisation Fair Shea möchte er die Mittelsmänner umgehen und Kooperativen bilden, in denen Frauen direkten Kontakt zum Fair Trade Markt haben und ihre eigenen Preise mitbestimmen können. Darüber hinaus möchte er dafür sorgen, dass die Kinder der Frauen eine gute Ausbildung genießen, und er wird sich für das Wohl der Shea Bauern einsetzen. Der Beruf des Landwirts soll wieder Ansehen gewinnen.

Biman Roy - Bon-Forest - West Bengal, Indien

Auch Biman ist in der Landwirtschaft tätig. Ihm geht es aber im Besonderen um die Bio-Diversität, die durch Monokulturen während der vielen Jahren, in denen er im Ausland war, Schaden genommen hat. Aber wie bekommt man die lokalen Bauern dazu, diverse Gemüse anzubauen? Seine Strategie: Einsicht geht durch den Magen.
 
Er möchte der ländlichen Bevölkerung aufzeigen, wie viele schmackhafte Getreide- und Gemüsesorten es gab und wieder geben könnte. Daher möchte er in einem Modellprojekt würzige Reissorten, unterschiedlichste Tomatensorten, Kartoffeln und Kräuter, besonders Wildkräuter, die heute nicht mehr wildwachsen, anbauen. Sobald der Appetit geweckt ist, so Biman, wird auch die Nachfrage nach verschiedenem Getreide und Gemüsesorten hoch sein.       

Our Curriculum

Im Letzten Jahr haben wir sehr an unserem Curriculum gearbeitet. Es gab daher verschiedene Veränderungen, über die wir bereits in den letzten Berichten geschrieben haben.
 
Die größte Veränderung war der dritte Akt. Es handelt sich dabei um ein intensives Business Training, das wir gemeinsam mit der Bharat Sevak Samaj (BSS), einer von der indischen Regierung autorisierten Organisation durchgeführt haben. Da dieses Training einige Neuigkeiten geboten hat, haben wir 9 Alumni, die alle etwas mit sozialen Business Ideen im Sinn haben, dazu eingeladen. Hier drei Beispiele:

Jyotshna Das - Janamangal - Odissa, India (2013 kanthari)

Jyotshna leitet eine Organisation mit Namen Janamangal. Sie fokussiert sich auf Tribal Frauen, die Gewalt erleben. Ihre Strategie ist einfach, aber effektiv: Gib den Frauen Arbeit, damit sie sich selbst versorgen können, aber besonders auch damit sie außerhalb der Gefahrenzone mit anderen betroffenen Frauen sprechen und sich vernetzen können!
Die Arbeit, in der sie ausgebildet werden, umfasst Kräuterverarbeitung und Pilze. Pilze werden in Odissa nicht nur zur Mahlzeit verarbeitet, sondern auch zu medizinischer Verwendung getrocknet.

Naresh Lingala - tharunam - Telangana, India (2017 kanthari)

Naresh ist Sohn eines Landwirts. Er erlebte, wie sein Vater sich das Leben nehmen wollte. Er hatte Schulden, und wie so viele Landwirte in Indien, sah er für sich keine Zukunft mehr. Naresh möchte diese Perspektivlosigkeit der Vätergenerationen ändern. Er organisiert Selbsthilfegruppen mit Landwirten, die sich auf neue Nahrungsmittel spezialisieren. Zu unserem Businesstraining kam er mit der Idee eines Büffel-Retreats. Einer gemütlichen Stelle, zu der Landwirte mit ihren Büffeln kommen können, sie melken und füttern lassen und für die Milch fair bezahlt werden. Naresh möchte sich auf gesunde Milchprodukte aus Fair-gehandelter Büffelmilch konzentrieren. Bei seinem Projekt steht das Tierwohl und das Wohl des Landwirts im Mittelpunkt.

Trevor Molife - Purple Hand Africa - Zimbabwe (2018 kanthari)

Purple Hand Afrika heißt seine Organisation, mit der er durch kreatives Schreiben, Mitglieder der in Zimbabwe verfolgten LGBTQ Community ermutigt, zu sich zu stehen.
Aber Kunst und Schreiben reichen nicht aus. Da LGBTQ zu sein unter Strafe steht, gibt es für sie kaum Möglichkeiten, einen Job zu bekommen. Daher bietet er jetzt ein eigenes Label an, mit dem sie natürliche genderfreie Kosmetika herstellen können. ‚Motokimoto unto‘ ist der Name des Labels. Das bedeutet so viel wie, “sei wie Du bist”.

kanthari in den Medien

In den letzten Monaten gab es verschiedene Podcasts, die kanthari und kantharis zum Thema machten.
– Ein Artikel über Nematullah wurde von der 
Deutsche Welle veröffentlicht.
– Ehem. Botschafter TP Sreenivasan hatte Sabriye und Paul für ‚Tea with TPS‘ eingeladen.
– Smita Tharoor interviewte Sabriye im „Geschichten über unbewusste Vorurteile “-Podcast.
– Der indische Blogger Sai Sharma, hat ein Videoclip über Sabriyes Leben
gemacht.
– Yampier Aguiar Durañona interviewte einige kantharis und auch Paul für den Giraffe Heroes „Stick Your Neck Out Podcast“:
– Sarita Lamichhane –Sarita fights back (nepal)
– Akhina Mohan – Stand up and speak – alarmo (Indien)
– Abhilash John – the Great Indian Treasure Hunt (Indien)

Liebe Freunde, und liebe Unterstützer*innen,

wir wünschen Ihnen, dass Sie in dieser krisengeschüttelten Zeit nicht die Hoffnung verlieren und weiterhin ermutigt bleiben, da es viele engagierte Change Maker auf dieser Welt gibt. Dank Ihrer Unterstützung war es uns möglich, kanthari auch in schwierigen Zeiten am Laufen zu halten. Wir sind Ihnen dankbar für jede Spende, die uns die Möglichkeit gibt, auch die nächsten kanthari Teilnehmer auszubilden.

Bleiben Sie gesund und wenn Ihnen der Vierteljahresbericht gefällt, senden sie ihn doch bitte an andere Interessierte weiter. Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für ein neues Jahr 2022

Ihre sabriye tenberken
Ihr paul kronenberg

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