Umwelt und Frieden – Verbindungen knüpfen

Nduku’s Organisation heisst Xhuma Africa. Eine Friedensakademie, die in Kamerun afrikanische Jugendliche befähigt, ihre lokalen Gemeinschaften in friedliche und umweltfreundliche Umgebungen zu verwandeln.

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Nutzpflanzen als Mittel für den Frieden

Das Projekt von Joshua zielt darauf ab, Waisen und Frauen auszubilden, um Arbeitslosigkeit und Hunger zu bekämpfen und den anhaltenden Konflikt zu beenden.

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Einkommensquelle durch vergessene Waldnahrungsmittel

Wild trainiert in Indien Menschen mit Behinderungen, vergessene Waldnahrungsmittel zu identifizieren und vermarkten, um so ein Einkommen generieren zu können.

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Hausgärten auf kleinstem Raum

Bon möchte die Menschen in Indien überzeugen, eigene Gemüsegärten mit lokalen und vergessenen Pflanzen, Gemüse und Früchten anzubauen und so die Lebensmittelsicherheit erhöhen.

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Wenn große Ideen über kleine Hindernisse stolpern

Heute möchte ich einen Botschafter für eine etwas verrufene Spezies vorstellen. Tobi setzt sich voller Leidenschaft für Fliegen ein.

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Achterbahn

Achterbahn

Vor einigen Jahren überhörte ich ein Gespräch zwischen meinem Bruder und meiner Mutter. Meine Mutter hatte sich Stifte, Pinsel und Farben besorgt, eine Leinwand aufgespannt und wollte nun mit dem Malen beginnen. Doch da war die Angst vor dem Start, die Angst davor, die makellose, weiße Leinwand zu verschandeln. Mein Bruder ist Künstler und unterrichtet Zeichnen, Malen und Kunst-Installationen. Er kannte diese Anfangsangst von seinen Studenten und vielleicht auch aus eigener Erfahrung. “Nicht lange nachdenken”, meinte er. Kurzerhand gab er meiner Mutter einen Stift in die Hand und brachte sie dazu einfach loszukritzeln. Die Leinwand war nun nicht mehr sauber und unberührt und die Hemmschwelle, loszulegen war damit überwunden.

Ich habe diesen kleinen, aber sehr wirksamen Trick auf den Beginn eines Projektes übertragen. Nicht lange nachdenken, was alles schieflaufen könnte, einfach anfangen und daraus mehr werden lassen. Und tatsächlich, es funktioniert! Diejenigen, die den Mut haben, einfach loszulegen, erleben oft, dass sich die so überwundene Angst vom Anfang in eine Art Euphorie umwandeln läßt und viele erfahren, dass jeder Start, wenn man ihm nur eine Chance gibt, unter einer magischen Spannung steht.

Die Magie des Anfangs

Aus aktuellem Anlass, denn 16 unserer kantharis haben ihre betreute dreimonatige Startphase in der letzten Woche abgeschlossen, möchte ich in diesem Blog die Magie des Anfangs untersuchen. Dafür nutze ich auch Reflexionen eines unserer Teilnehmer. Es handelt sich um Biman Roy, einen kanthari aus dem letzten Jahrgang, der mit seiner Organisation BON in seinem Heimatdorf im indischen Westbengal, die traditionellen Bauern zu einer umweltschonenden und gesünderen Landwirtschaft bewegen möchte.

Biman hat einen interessanten Lebensweg hinter sich. Er stammt aus einem abgelegenen Dorf. Als Kind bestand sein Spielplatz aus Dschungel, Feldern, Bächen und schlammigen Teichen, in denen sich Kinder und Büffel gleicher Maßen suhlten. Dann kam er in die Schule und seine mathematische Begabung ebnete ihm den Weg durch Universitäten in Indien und Schweden, wo er schließlich seinen Doktor in Computer Wissenschaften machte. Doch während der gesamten Studienzeit, zwischen Computern und mathematischen Konzepten, vergass er nie die Leidenschaft für die “Wildness” seiner Heimat, die Mannigfaltigkeit der Früchte, Kräuter und Gemüsesorten und die schattigen uralten Bäume. 2021 war er so weit. Er ließ Europa und die Träume seiner Eltern, er würde irgendwann ein Professor für Mathematik werden, hinter sich und kehrte, mit einem siebenmonatigen Zwischenstopp im kanthari Institut, in seine Heimat zurück.

Jeder Beginn ist eine Achterbahn

Biman ist ein Zauderer. Er denkt zu viel und seine detaillierten Analysen stehen seinen Aktionen oft im Weg. Daher gab ich ihm den Rat: “Egal was du tust, fang einfach an.” Er folgte diesem Rat und stürzte sich gleich nach den Abschlussreden in Aktivitäten. Gemeinsam mit Akhina, ebenfalls einer Teilnehmerin der letzten Generation, reiste er von Kerala nach Odissa und besuchte unterwegs verschiedene Projekte. In Odissa traf er sich mit kanthari Absolventen, die ihm von ihren Startphasen erzählten. Einer von ihnen war Karthik, Gründer von Sristi Village, einem heute sehr erfolgreichen Projekt. Karthik kehrte unmittelbar nach kanthari erst einmal in seinen alten Job als Leiter eines Waisenheims zurück. Das sei aber keine gute Idee gewesen. Erklärte er den frisch gebackenen kantharis. Denn das große Selbstbewusstsein, dass er während der Monate im kanthari Institut aufgebaut hatte, sei durch seinen wieder hergestellten Alltagstrott völlig in sich zusammengefallen. Dazu gesellte sich die Skepsis von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen. Karthik erlebte eine Depression, aus der er sich erst durch die Umsetzung seiner Projekt-Ideen befreien konnte. “Fangt so schnell wie möglich an und seht zu, dass ihr eure Hochstimmung in die Startphase hinüberrettet. Ihr werdet sie brauchen. Denn jeder Beginn ist eine Achterbahn!”

Nach drei Monaten, in denen die kantharis durch Ehemalige in ihren Anfängen begleitet werden, verfassen sie einen Abschlussbericht. Diese Berichte sind sehr spannend zu lesen, sie geben uns einen tiefen Einblick in die Lebensumstände jedes Einzelnen und sie geben Aufschluss über die emotionale Stärke, mit der sie die vielen Hindernisse überwinden und die mannigfaltigen Probleme lösen. 

Bimans Einschätzung

Besonders Biman’s Bericht spiegelt die Achterbahn des Anfangs, die wir, Projekt Initiatoren alle kennen, in sehr eindrücklicher Weise wider. Hier ein kleiner Auszug:

“Wenn ich auf mein dreimonatigen Projekt Beginn zurückblicke, dann sehe ich in mir drei unterschiedliche Persönlichkeiten:

Der Enthusiast (Januar, erster Monat): Am Anfang war ich unheimlich aufgeregt und dem entsprechend überaktiv. Ich habe online meine Projekte vorgestellt, mich mit potenziellen Begünstigten getroffen, ich habe versucht, meine Organisation zu registrieren, bin umhergefahren, um organisches Material und diverse Gemüsesaht zu sammeln und habe den Boden für die ersten Pflanzungen vorbereitet. Ich war von morgens bis abends beschäftigt, und in meiner Vorstellung war ich davon überzeugt, dass ich alles, was ich mir erträumt hatte, auch erreichen kann. Doch dann setzte die Realität ein.

Der Pessimist (Februar bis Mitte März): Die Leute, mit denen ich zusammenarbeiten wollte, waren nicht so motiviert, die Saat ging nicht richtig auf, ich konnte viele Fragen nach meinen Erklärungen und öffentlichen Auftritten nicht wirklich beantworten, die Registrierung meiner Organisation Bon ging nicht voran, denn bürokratisch war es ein einziges Durcheinander, und und und. Ich verlor sehr schnell meine Motivation und mein Selbstvertrauen ging den Bach runter! Hier war ich wieder einmal, “Mr. Overthinker”, ich war verwirrt darüber, was ich eigentlich tun wollte!
Der “Sag niemals nie”-Typ (Mitte März bis heute): Nach vielem Hin und Her, nach Selbstzweifeln und Selbstreflexionen scheint es, dass ich einfach handeln muss, ohne zu viel nachzudenken. Es ist genau wie Sabriye mir immer geraten hat. Anstatt mich auf 100 Dinge zu konzentrieren, habe ich beschlossen, mich vorerst nur auf ein Thema zu fokussieren, nämlich auf die Einrichtung von drei Modellgärten. Und das zahlt sich bisher gut aus. Es bringt mich wieder auf den richtigen Weg.”

Der nächste Schritt

In diesen Tagen ist Biman in Schweden, Dänemark und Deutschland unterwegs. Er spricht zu Studentengruppen, zu Umweltaktivisten und er knüpft wertvolle Kontakte mit potenziellen Unterstützern.

Seine Pläne für das nächste Jahr sind klar:

Drei Modellgärten, um die Menschen davon zu überzeugen, dass man auf wenig Grund, mit wenig Mitteln viele unterschiedliche Gemüsesorten pflanzen kann.
Acht Kurzfilme in lokalen Sprachen, um Bauern einen Einblick in erfolgreiche ökologische Landwirtschaft zu vermitteln,
Eine Dorfküche, in der mit ganz neuen natürlichen Nahrungsmitteln experimentiert werden soll, um den Appetit der Menschen auf abwechslungsreiche Nahrung zu fördern.

Und wie stehen Deine Eltern zu all dem?

Biman lacht. “Nun im Prinzip verstehen sie mich und meine Beweggründe. Aber natürlich sind sie auch typisch indische Eltern, die sich Sorgen machen und es nicht gutheißen, dass ein Doktor der Mathematik mit einer Fahrradkarre durchs Dorf fährt, um trockenes Laub für den Kompost zu sammeln.”

Nun, Die Achterbahn hat ihre erste große Runde beendet, die Leinwand ist für Biman bereits bekritzelt, jetzt ist es an ihm, mehr daraus zu machen.

Virtuelle Exposure-Reise nach Afrika

Wie wir von unseren Vorgängern erfahren konnten, gibt es jedes Jahr während des kanthari Programms eine spannende Reise, die “Exposure-Tour”. Es handelt sich dabei um eine Lernerfahrung für alle kanthari-Teilnehmer, die gemeinsam in Süd-Indischen Raum soziale Projekte besuchen. Dabei kommt man besonders mit den Gründern einer Organisation ins Gespräch und man kann viel über den Aufbau einer Organisation, über mögliche interne und externe Probleme erfahren.

Nach einer solchen Tour kann das eigene Projekt Vorhaben noch einmal durchdacht werden. Viele kehren mit ganz neuen Ideen und Erkenntnissen auf den kanthari Campus zurück.

In diesem Jahr läuft vieles anders.

Seit Beginn des Kurses haben wir alle Zeit fast ausschließlich auf dem Campus verbracht und wir wären sehr gerne gereist. Durch Covid-19, hier in Kerala haben wir immer noch viele tägliche Fälle, konnten wir diesen leider Plan nicht umsetzen. Also hat sich das kanthari-Team eine andere Lösung einfallen lassen. Virtuelle Besuche bei Projekten von kanthari-Absolventen in Afrika. Die Tatsache, dass wir die Projekte nicht physisch besuchen konnten, war zunächst ein Tiefschlag. Die Stimmung steigt aber immer, sobald wir sehen, wie das kanthari Team Hindernisse in Lösungen wandelt.In nur wenigen Stunden haben wir enorm viel von unseren Vorgängern gelernt. Wir konnten erfahren, welche Probleme sie überwinden mussten, was bewährte Praktiken sind, und vor allem wir haben eine Menge Mut bekommen, unsere Projekte wirklich anzugehen.

Hier einige dieser Erfahrungen: Insgesamt waren es sechs Projekte von kantharis aus drei verschiedenen Ländern und 5 Generationen. Sie haben uns durch ihre Räumlichkeiten geführt und anschließend unsere vorbereiteten Fragen beantwortet. Alle waren so zuvorkommend, strahlend und doch bescheiden. So wie es sich für kantharis gehört.

Nehmen wir zum Beispiel Lawrence aus Nigeria. Er leitet Springboard eine Organisation, die Studienabgängern, Arbeitslosen und Interessierten jungen Menschen eine kostenlose Ausbildung als ökologischer Landwirt bietet.

Das Training beinhaltet neben der Ausbildung auch die Möglichkeit einer Genossenschaft beizutreten, durch die die Produkte verkauft werden können. (Zurzeit hat die Genossenschaft 908 Mitglieder.) Aber Lawrence hat insgesamt schon über 3000 junge Leute ausgebildet. Die Farm, die er uns per Videorundgang zeigte, war beeindruckend. Um aber so weit zu kommen, musste Lawrence viele Hindernisse überwinden. Das fing schon gleich am Anfang seines Traums an. Seine Eltern hatten sich eine ganz andere Karriere führ ihn vorgestellt. Der Traum, Landwirt zu werden, passte so gar nicht in ihr Konzept. In Nigeria wird Landwirt als Beruf für arme Leute angesehen. Außerdem gab es viele organisatorische und bürokratische Hürden. Sogar Herausforderungen mit den Begünstigten selbst. Lawrence sagte, dass er oft mit Bitten und Forderungen seiner Begünstigten konfrontiert wird, die ihn, wenn er nicht aufpasst, leicht von seinem Hauptziel ablenken können. Aber er blieb standhaft, und das zeigt sich an der großen Anzahl von Landwirten, die von seiner Organisation profitiert haben.

Toni, die Gründerin von Durian sah sich ebenfalls mit einigen Herausforderungen, die von ihren Begünstigten verursacht wurden, konfrontiert. Das Hauptziel der nigerianischen Organisation ist es, Abfall in Wertsachen zu verwandeln. Toni sagte, dass kostenlose Dienstleistungen oft ein Hindernis für einen sozialen Wandel darstellen, da die Menschen das, was sie erhalten, nicht wirklich wertschätzen. Eine finanzielle oder andere Form der Verpflichtung hilft dabei, eine stärkere aktive Beteiligung der Beneficiaries zu erreichen. Sie hat ihr Konzept vollkommen verändert, und hat so mehr Eigenbeteiligung. Das hilft wiederum bei der Auswahl von Begünstigten, diejenigen, die wirklich motiviert sind.
Zudem stellt sie nun ihr Team aus den früheren Teilnehmern zusammen. Sie nämlich wissen, worum es wirklich geht. Ihre Begründung: Erstens, durch die früheren Interaktionen hat sie eine gute Vorstellung von ihnen und zweitens, hat die Person gezeigt, dass sie Durians Vision und Mission versteht und daran glaubt.

Toni hat sich als gute Fundraiserin erwiesen. Ihr Rat in dieser Hinsicht war einfach, aber bemerkenswert. Sie sagte, es sei wichtig, eine Beziehung zu dem Spender aufzubauen. Diese Beziehung kann sogar eine persönliche Ebene erreichen, ohne dass dabei die berufliche Integrität verloren geht. Der Aufbau einer Beziehung bedeutet nicht, dass man sich stundenlang mit ihnen unterhält. Sondern, dass man ihnen an ihrem Geburtstag eine Nachricht schickt und gelegentlich eine kleine Führung durch die eigene Arbeit gibt.

Ähnliche Gedanken zur Mittelbeschaffung äußerte auch Limbi aus Kamerun, die Gründerin von Ecological Balance  Ihre Organisation setzt sich für den Erhalt der Wälder ein und schafft gleichzeitig nachhaltige Lebensgrundlagen. In den ersten Jahren kann die Mittelbeschaffung eine kleine Herausforderung sein. Der Aufbau eines starken Netzwerks kann diese Herausforderung immens erleichtern. Oftmals können gute Referenzen Mittel einbringen. Sie erwähnte jedoch auch, dass vieles auch ohne Geld getan werden kann. Während der Corona-Krise wurde ihr das bewusst. Selbst mit extrem begrenzten Mitteln haben sie und ihr Team neue Wälder geschaffen. Sie wies auch darauf hin, dass ein nachhaltiger Wandel nur möglich ist, wenn der Prozess von den Begünstigten selbst getragen wird. Limbi arbeitet in einem Land, in dem Bürgerkrieg herrscht, und alle waren sehr beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit.

Einige von uns, die Anfänger auf diesem Gebiet sind, fragen sich, wie man sich konzentrieren kann, während man seinen Arbeitsbereich erweitert. Manzi aus Ruanda, der Gründer von Dream Village  gab etwas sehr Wertvolles weiter. Er sagte: “Bevor du eine neue Tätigkeit aufnimmst, frage dich, ob sie mit deiner Vision übereinstimmt. Nur wenn die Antwort ja lautet, fang damit an.” Manzi setzt sich für die Stärkung der Handlungskompetenz von HIV-positiven Jugendlichen ein. Er schloss mit einem inspirierenden Zitat von Bob Marley: “Lebe für dich selbst und du lebst umsonst, lebe für andere und du wirst wieder leben.”

Diese Leidenschaft, sich für andere einzusetzen, war auch in Odunayos Gesicht deutlich zu erkennen. Sie ist die Gründerin von Bramble  einer Organisation in Nigeria, die mit Kindern in der alternativen Bildung arbeitet. Es war sehr interessant zu sehen, wie praktisch sie die Umwelterziehung in ihren Lehrplan integriert hat. Ein Thema, das in unserer heutigen Zeit sehr wichtig ist. In nur zwei Jahren hat sie eine Menge erreicht. Sie erzählte, dass ihr Erfolgsrezept darin besteht, die Gemeinschaft und die Eltern in den Prozess einzubeziehen. Sie sagte, dass sicherlich viele Herausforderungen auf uns zukommen werden, was wichtig ist, ist der Hunger nach Veränderung, wenn man den hat, dann folgt Erfolg fast von selbst.

kantharis sind darauf trainiert, Herausforderungen anzunehmen und zu überwinden. Njeke Joshua, der Gründer von Peace Crops aus Kamerun, ist ein weiteres inspirierendes Beispiel dafür. Kamerun litt und leidet unter einem andauernden Bürgerkrieg. Um sich für eine bessere Zukunft einzusetzen, nutzt Peace Crops den ökologischen Landbau als Mittel, um Frieden in die Kriegsgebiete zu bringen. Er erklärte, dass die zur Verfügung gestellten kanthari-Werkzeuge sehr wichtig sind, da sie für die Bewältigung der Hürden beim Start und bei der Führung eines sozialen Unternehmens benötigt werden.

Die Geschichten, in denen Kämpfe, Herausforderungen, Lösungen und Erfolge geteilt wurden, gab uns, den 2021 kanthari Teilnehmern, ein Bild des Wegs, der vor uns liegt. Die kantharis die wir kennen gelernt haben, waren alle unglaublich zielstrebig. Damit sie ihr Ziel erreichen konnten, hatten alle von Anfang an einen gut durchdachten Plan.

Das erinnerte uns an das, was uns Sabriye und Paul erzählen. Sie praktizieren kein Risikomanagement, sondern Abenteuermanagement. Wenn ein Plan gut durchdacht ist und man offen für ein bisschen Abenteuer ist, ist alles möglich!

Akhina kommt aus Kerala und ist eine junge, sozial engagierte Frau, die mit ihrer Organisation Alarmo junge Menschen dazu anregen will, Umweltschützer zu werden.

Biman kommt aus Westbengalen. Er wuchs in einer ländlichen Gegend auf. Später studierte er im Ausland. Doch nach seiner Rückkehr erfuhr er von desaströsen Veränderungen in der Landwirtschaft. Mit seiner Organisation Bon will er seiner Heimatgemeinde neue Impulse geben, die sie zu traditionellen und umweltfreundlicheren Anbaumethoden zurückbringen könnten.

Tag 101 – Agroforest (Obstwald)

Ein Blick in den eigenen Traum eines zukünftigen kanthari Teilnehmers
(Von Biman Roy)

“Ich wurde für den kanthari-Kurs 2020 ausgewählt. Obwohl unser Programm, COVID-19 bedingt, noch nicht begonnen hat, bekommen wir mit Hilfe unserer Katalysatoren – so werden im kanthari Institut die Trainer genannt – bereits einen Einblick in die Aufgaben, die wir während des kanthari Lehrganges zu bewältigen lernen. Da geht es besonders ums Fundraising und damit auch schon um eine klare Vorstellung über das eigene Vorhaben.

Während ich an diesen Aufgaben arbeite, nehme ich Kontakt mit einigen kantharis früherer Generationen auf, um einen tieferen Einblick zu bekommen. Karthik, der Gründer von Sristi Village, war einer von ihnen. In diesem Blog Post werde ich Karthiks Projekt vorstellen und ich werde beschreiben, was ich aus einem einzigen Gespräch von ihm gelernt habe.

Bei meiner Vision, die ich in kanthari weiter entwickeln werde, geht es um eine gestärkte Dorf-Gemeinschaft im südlichen Westbengalen, im Nord-Osten Indiens. Es geht mir um eine Gemeinschaft, die auf die Natur und ihre biologische Vielfalt achtet, engagiert biologischen Landbau betreibt und mit der Landwirtschaft als Basis sich nachhaltig selbst versorgen kann.

Bei dieser Vision spielt die Agroforstwirtschaft eine zentrale Rolle. Da das Sristi Village ein Agroforstmodell betreibt, habe ich Karthik angerufen, um mehr darüber zu erfahren. Sristi Village ist eine Art Kommune, in der seit sieben Jahren Menschen mit geistigen Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen gemeinsam leben und arbeiten. Das Projekt steht offen für jeden der teilhaben möchte.

Karthiks eigene Geschichte begann damit, dass er in einem integrativen Waisenhaus aufwuchs, in dem sowohl behinderte als auch nicht behinderte Kinder untergebracht waren. Aus Kindern wurden Erwachsene, doch für diejenigen mit geistiger Behinderung gab es keine weitere Entwicklungsmöglichkeit. Nachdem er für einige Monate als kanthari-Katalysator gearbeitet hatte, war seine Idee ausgereift, und es wurde Zeit, loszulegen. (Das Wort “Sristi” bedeutet “Schöpfung”).

Karthik wusste, mit welchen Vorurteilen man Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Arbeitsmarkt begegnet. Daher beschloss er die biologische Landwirtschaft für seine Zielgruppe zu erschliessen. Das lag auf der Hand, denn beim Gartenbau und im natürlichen Umgang mit der Landwirtschaft, muss man seinen Arbeitsprozess automatisch verlangsamen, um sich mit der Natur zu verbinden.

Die Aufbereitung eines kargen Stück Landes zu einem Agroforst, gab den verzweifelten Bewohnern des Sristi Village einen Sinn. Die Arbeit in mitten der Natur, schien den Zorn und die Hyperaktivität der ehemals sozial ausgegrenzten zu mildern.

Im Laufe der Jahre hat sich auch die Einstellung der Menschen ohne Behinderung geändert. Früher wurden Schlangen getötet, um die Behinderten im Sristi Village zu schützen. Aber dann entschieden sie sich, friedlich mit allen Lebewesen zusammenzuleben, und das schloss auch die Schlangen ein, denn im ökologischen Gleichgewicht ist Eines mit dem Anderen verbunden.

Während Karthiks Interesse an der biologischen Vielfalt erst mit dem Aufbau des Projektes wuchs, ist dieses Thema, der Biodiversität genau der Impuls, der meinen Traum antreibt. Dabei träume ich jedoch auch davon, durch die Nähe zur Natur auch die Menschen wieder näher zueinander zu bringen. Ich hoffe, dass meine Dörfler den gleichen Lebenssinn haben, wie die Einwohner des Sristi Village.

Aus Studien-Gründen bin ich gerade weit weg von meinem Dorf. Die Erstellung eines konkreten Plans mit Agroforst steht also noch aus. Allerdings, konte ich mir während meines Gesprächs mit Karthik über einiges hinsichtlich der Erschaffung eines Agroforsts bewusst werden.

Um meine Idee zu verwirklichen und in die Realität umzusetzen, ist es sehr wichtig, sehr klare Ziele zu haben. Es ist wichtig, andere Projekte zu besuchen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Ich muss jedoch sicherstellen, dass andere Ideen meinen ursprünglichen Plan nicht einfach verdrängen. Auch muss ich mir im Klaren sein, dass mein Projekt und meine Umstände einzigartig sind. Ich kann also nicht einfach etwas kopieren, denn die Umsetzung der Idee eines anderen wird niemals funktionieren. (Nicht, dass ich das geplant hätte, aber es war gut, dass Karthik mich daran erinnert hat.)

Von Karthik erfuhr ich auch, dass das Fundraising kein größeres Problem darstellen sollte, wenn jemand eine sehr genaue Vision hat. Aber er machte auch die folgende Bemerkung: Nur eine Vision zu haben, reicht nicht aus. Man muss hart arbeiten, um seine Ziele zu erreichen. Er hat viele Menschen mit klaren Visionen gesehen, die aufgrund mangelnden Engagements versagt haben. Im Gegensatz dazu, kann eine Person mit einer nicht so klaren Vision, aber grossem Engagement und mit harter Arbeit sehr viel erreichen.

Wir sprachen fast eine ganze Stunde und das Gespräch gab mir Anlass über viele neue Aspekte und Ideen nachzudenken.”