Adegbite Tobi Gabriel

Entojutu

Adegbite Tobi Gabriel – Nigeria 

Tobi, Biologe und Landwirt, sorgt sich um die umweltverschmutzenden, stinkenden und Methan freisetzenden organischen Abfälle. Diese verfüttert seine Organisation Entojutu an die Larven der schwarzen Soldatenfliege. Nach einer kurzen Aufzuchtsphase werden die Larven geerntet und getrocknet zu hochwertigem Tierfutter verarbeitet. Die Rückstände werden als organischer Dünger eingesetzt. Entojutu unterstützt Landwirte bei der Umstellung auf diese und andere umweltfreundliche Arbeitsmethoden.

Tobi sagt:

Als Umweltbiologe und Gesundheitswissenschaftler interessierte ich mich leidenschaftlich für die Landwirtschaft und absolvierte eine Ausbildung, um auf die “grosse und richtige Art” Landwirtschaft betreiben zu können. Auf dieser Reise wurde ich Zeuge dessen, was der gewöhnliche nigerianische Bauer in seinem Bestreben, die Nation zu ernähren, erlebt. Es war schockierend.

Ich habe gross versagt, nicht nur einmal, sondern zweimal. Die Probleme reichten von Unsicherheit über hohe Produktionskosten bis hin zum Klimawandel und vielem mehr. Auf der Suche nach Lösungen stiess ich auf ein weiteres Problem im Lebensmittelsystem. Nämlich die organischen Abfälle, die rund um meine neu errichtete Farm Umweltschäden verursachten. Deshalb gründete ich Entojutu, das sich auf die Lösung von zwei Problemen konzentriert: Nahrungsmittelknappheit und Probleme mit organischen Abfällen. 

Und wie? Entojutu nutzt die Larven der schwarzen Soldatenfliege, um städtische organische Abfälle in organischen Dünger umzuwandeln, und liefert hochwertiges Insektenprotein, das wasser- und klimaintensives Pflanzenprotein sowie übermässig geerntetes und erschöpfendes Fischprotein, das in Tierfutter verwendet wird, ersetzt.

Entojutu - Flies for Change

Sehen Sie sich Tobis inspirierende Abschlussrede bei den 2021 kanthari Talks an und lernen Sie, wie er die Larven der Schwarzen Soldatenfliege einsetzt, um städtische organische Abfälle in organischen Dünger umzuwandeln. 

Mehr zu Tobi

Fliegen für den Wandel

Adegbite Tobi Gabriel ist Biologe und Landwirt aus Nigeria. Landwirte in Nigeria stehen vor vielen Herausforderungen, die meisten Bauern sind hoch verschuldet. Zudem sorgt sich

Total Together!

Tyrone Havnar stammt aus Nyanga, Simbabwe. Simbabwe ist ein Land, das traurige Bekanntheit für seine Homophobie genießt. Der Hass gegen die LGBTQI+ Gemeinschaft wird auch noch nach Mugabe durch die politische Führung geschürt. Als Homosexueller hat Tyrone erfahren müssen, wie schwierig es ist, Zugang zu einer LGBTQI+ freundlichen Gesundheitsversorgung zu erhalten. Nun ist Tyrone jung und gesund. Was ist aber mit homosexuellen Senioren, die oft keine familiäre Unterstützung genießen, nicht selten alleine leben und arbeitslos sind und sehr viel mehr als Tyrone auf medizinische Versorgung angewiesen sind? Durch seine Organisation “Total Together”, plant Tyrone die Gründung eines Altersheims mit Sterbebegleitung für LGBTQI+ Senioren.

“Er ist nicht mein Sohn!”, rief mein Vater. “Denkst Du etwa, ich bin Dir untreu?!” schoss meine Mutter zurück.

Das war wie so oft der Beginn eines heftigen Streits, der dann immer tagelang andauerte. Ich wusste, dass es keinen Frieden geben würde.

Was sie damals noch nicht wussten: ich war schwul, aber mir war das schon in jungen Jahren klar. Später hieß es: “Er ist ein Fluch. Wir werden für unsere Sünden bestraft.” Das ist der traurige Glaube vieler simbabwianischer Familien.

Oh, wie ich mich selbst hasste und wie ich mich danach sehnte, einfach unsichtbar zu sein. Ich hatte solche Angst davor, dass jemand das Wort “schwul” in den Mund nimmt, dass ich jedes Mal erstarrte, wenn es zur Sprache kam. Ich tat so, als wäre ich heterosexuell, und gab vor, eine Freundin zu haben, damit niemand um mich herum sehen konnte, dass ich nicht der Norm entsprach.

Doch egal, wie oft und wie sehr ich versuchte, es zu verbergen, mein wahres Ich fand immer einen Spalt, durch den es entweichen und mich entlarven konnte. Die Religion war das Wichtigste im Leben meiner Familienangehörigen.

Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde in der Kirche über Schwule und Engel gepredigt, die beide zu den Verdammten gehörten. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und ich schaute mich um, um zu sehen, ob jemand wusste, dass ich dazu gehörte. Ich hatte das Gefühl, dass der Pastor mit seiner Predigt mich ansprach, und ich fragte mich, ob er mich in seinem Gotteshaus beschämen wollte. Jeden Sonntag ging ich mit der Angst in die Kirche, im Namen der Religion vor allen bloßgestellt und angegriffen zu werden.

Als die Pubertät eintrat, ließen sich alle Jungen um mich herum Bärte wachsen, und ihre Stimmen wurden brüchig.
Das war bei mir erst einmal nicht der Fall. Ich fragte daher eine Lehrerin, warum ich anders sei, und sie sagte: “Wenn du meinst, dass du etwas Besonderes bist, denk noch einmal darüber nach, Kind. Du bist im Bürgerkrieg entstanden, wo die Weißen die Schwarzen vergewaltigt haben, also bedenke einfach, dass es nichts an deiner Art gibt, worauf Du stolz sein kannst!” Auch sie bezog sich nicht auf meine damals geheim gehaltene Homosexualität, sondern darauf, dass ich sowohl indische wie auch schottische Vorfahren hatte.

All das rief ein Gefühl des Selbsthasses hervor. Ich war verwirrt. Wer war ich? Warum war ich so anders? War ich weniger Mensch?

Besonders aber, dass ich mich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlte und das in einem Land, in dem offen darüber gesprochen wurde, wie wertlos das Leben Schwuler sei, machte mir große Angst. Ich fürchtete, angegriffen oder, schlimmer noch, verhaftet zu werden, weil ich ich war.

Da ich nicht die Freiheit habe, legal einen Mann zu heiraten, geschweige denn, mich mit meinem Freund irgendwo niederzulassen, machte ich mir zunehmend Sorgen darüber, was aus mir werden würde, wenn ich älter würde.

Ich hatte Mitleid mit allen, die mit mir leben mussten, und dachte, dass ich mich bei ihnen dafür entschuldigen müsste, dass ich so war, wie ich war.

Als ich 27 Jahre alt war, erkrankte ich einmal schwer und musste ärztlich behandelt werden. Auf dem Weg zur Behandlung wurde ich von einer älteren Krankenschwester betreut, die anfangs sehr freundlich war.

Sie fragte mich nach meiner Familiengeschichte und ob ich einen Partner hätte. Ohne groß nachzudenken, sagte ich: “Ja, ich habe einen; er ist zu Hause”. Sie machte eine Schreibpause, weil sie annahm, ich hätte einen Fehler gemacht. “Sie meinen doch sicherlich SIE?!” kicherte sie und meinte, dass Englisch keine freundliche Sprache sei. Ich sagte ihr, dass ich IHN meinte. Ihr fröhliches Gesicht erstarrte. Ich konnte Abscheu und Wut sehen. Sie stand auf und verkündete meine Sexualität vor allen Anwesenden in der Klinik. Sie beschämte mich mühelos und mit so viel Vergnügen, dass ich hinauslief, ohne Hilfe zu erhalten, während sie alle riefen: “Wir behandeln hier keine Abscheulichkeiten. Respektieren Sie unsere Einrichtung und gehen Sie dorthin, wo Ihre Art hingehört – in die dichte Wildnis”. Ich verließ die Einrichtung voller Scham, und weil ich Schmerzen hatte, musste ich über einen Freund nach alternativen Diensten Ausschau halten.

Altersdiskriminierung ist eine große Herausforderung, und die meisten Menschen auf der Welt haben Angst davor, allein alt zu werden. In Simbabwe werden gleichgeschlechtliche Beziehungen sowohl von der Gesellschaft als auch von jungen Angehörigen der LGBTQI+ Gemeinschaft diskriminiert. Die jüngeren LGBTQI+-Generationen in Simbabwe bezeichnen die Älteren in der Gemeinschaft häufig als “chigogodera”, was eine abfällige Bezeichnung für das Altern ist.

Obwohl im Rahmen des Globalen Fonds Schritte zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für Angehörige der LGBTQI+ Gemeinschaft unternommen wurden, sind diese immer noch diskriminierend, da sie sich hauptsächlich auf die jüngere Generation konzentrieren und die Dienste meist nur in den Großstädten zur Verfügung stehen. Diese Kliniken sind für die älteren Menschen, die meist allein und ohne Betreuer leben, nicht leicht zugänglich.

Wer nie geheiratet und Kinder in die Welt gesetzt hat, wird von der gesamten Familie mit Scham behandelt und vernachlässigt oder gar verleugnet.

Es besteht also ein dringender Bedarf an kompetenter medizinischer Betreuung. Und wir benötigen menschenfreundliche Altersheime und Hospize. Und genau daran arbeiten wir.

Durch unsere Total Together Klinik werden wir auch psychologische Unterstützung anbieten, die bei akutem
Bedarf schnell und zuverlässig ist und eine langfristige Betreuung der älteren Menschen ermöglicht.

Darüber hinaus werden wir auch LGBTQI+ Angehörige in anderen Einrichtungen aufsuchen, um ihnen zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind. In dieser Weise werden wir Stück für Stück die Akzeptanz für uns im Gesundheitswesen und in Altenheimen erschaffen.

Wo alles besser wird

Aisha Abdullahi Bubah spricht ein wichtiges Thema an: den Zustand der psychischen Gesundheit in der heutigen Gesellschaft. In ihrem Heimatland Nigeria, mit einer Bevölkerung von über 212 Millionen Menschen, gibt es nur 250 Psychiater und eine noch geringere Anzahl von Psychologen. Grob geschätzt hat nur einer von einer Million Nigerianern Zugang zu psychosozialer Unterstützung. Aishas Organisation Idimma wünscht sich starke Systeme, die mentale Krisen in der Bevölkerung auffangen können.

Es gab eine starke Vibration, wie ich sie noch nie gespürt hatte und von der ich nicht wusste, dass sie möglich war. Eine Schwingung, die Gegenstände in Bewegung setzte und mein Innerstes erschütterte.

Ich komme aus einer Region in Nigeria, in der ethnisch-religiöse Unruhen an der Tagesordnung sind und in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt. Ich dachte, das würde nur für eine kurze Zeit so sein, aber es dauerte länger als ein Jahrzehnt. Ich verlor einen lieben Verwandten an dem Tag, als in meinem Wohnort zum ersten Mal Bomben explodierten. Ich war mir nicht sicher, wie ich mit seinem plötzlichen Tod umgehen sollte, und viele Jahre lang versuchte ich, so zu tun, als wäre es nicht passiert. Es fühlte sich ungerecht an und ich hatte weder die Plattform noch die Möglichkeit, meine Gefühle oder Gedanken zu diesem Ereignis zu äußern. Der Aufstand geriet immer mehr außer Kontrolle. Immer mehr Verwandte wurden vertrieben und mussten die Häuser, in denen sie aufgewachsen waren, verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ich höre sie über ihre Erfahrungen sprechen, wie sie im Gebüsch schliefen, um nicht von Terroristen abgeschlachtet zu werden. Ich höre sie über einige unserer vermissten Verwandten sprechen. Und ich frage mich immer, wo all diese Traumata bleiben.

Ich kann mich lebhaft an die große Angst erinnern, nicht zu wissen, ob wir jeden Moment tot sein würden oder ob eine Zeit kommen würde, in der der Aufstand endet und das Leben wieder normal wird. Ein Teil von mir wusste jedoch, dass “normal” nie wieder normal sein würde. Mir fehlten die Worte, um das überwältigende Gefühl der Trauer, der Unruhe und der Angst vor der Zukunft auszudrücken, dass ich empfand. Die Ungewissheit und die Angst davor, dass der Konflikt eskalieren könnte, beeinflussten meine Einstellung zum Leben, als ob es sich nicht lohnen würde, sich anzustrengen, um zu leben.

Ich erinnere mich, wie ich als Kind mit meiner Mutter fernsah. Wir sahen eine Hochzeit in einem vom Krieg zerrütteten Land und ich fragte: “Wie können sie sich amüsieren, wenn sie wissen, dass sie jeden Moment durch eine Bombenexplosion getötet werden können?” Sie sagte: “Das Leben muss weitergehen und der Tod ist nicht so beängstigend, wenn man das Gefühl hat, dass man nichts mehr zu verlieren hat.”

Erst später wurde es mir klar. Ich verstand, dass das Trauma nicht einfach verschwindet. Es bleibt, oder es manifestiert sich auf viele andere Arten, gut oder schlecht. Ich konnte nicht aufhören, über den mentalen Zustand der Opfer nachzudenken, die durch diese Gewalttaten körperlich, sozial und wirtschaftlich entmündigt und enteignet wurden. Aber ich wollte aus diesem Zustand der ständigen Angst, der Furcht und des Stresses herauskommen und auch anderen helfen, trotz ihrer Kämpfe ums tägliche Überleben, ihr Glück zu finden.

Im Alter von 16 Jahren beschloss ich, Psychologie zu studieren. Ich ging an die Universität mit der Neugier, menschliches Verhalten zu verstehen und einen Sinn in all den Ereignissen zu finden, die meine Kindheit geprägt hatten, zu verstehen, warum Menschen sich für Gewalt entscheiden, zu verstehen, warum Menschen Drogen missbrauchen, wie mein Freund aus Kindertagen und warum die Gesellschaft ihn daher als unwürdigen und schlechten Menschen ansah.

Ich hatte so ein größeres Ziel gefunden, auf das ich nun zuarbeiten konnte. Das half mir, über mein Trauma hinweg- zukommen. In meinem Heimatort herrscht der allgemeine Irrglaube, dass mentale Gesundheit etwas ist, das außerhalb unseres Körpers liegt, das ausschließlich durch äußere Faktoren beeinflusst wird und das manchmal sogar mit übersinnlichen Begebenheiten zusammenhängt.

Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, werden angehalten, mehr zu beten, aber sie erhalten keine Unterstützung und Betreuung. Ich halte das für falsch, denn wir können Krebs nicht ohne medizinische Betreuung wegbeten, warum dann nicht auch professionelle Abhilfe für Menschen mit mentalen Schwierigkeiten schaffen?
Mentale Gesundheit ist in uns. Der Geist befindet sich nicht außerhalb des Körpers. Mir wurde klar, dass es einen Weg gibt, dass wir nicht mit unseren Traumata leben oder ständig von ihnen heimgesucht werden müssen. Es gibt Möglichkeiten, positive Fähigkeiten zu entwickeln, die es einem ermöglichen, sich auf ein bereicherndes, nicht von Gewalt gezeichnetes Leben zu freuen und es aufzubauen.

Heute leite ich eine Organisation für mentale Gesundheit, die sich für den Abbau von Barrieren beim Zugang zu psychischer Unterstützung einsetzt. Wir haben auch die erste Beratungsstelle für mentale Gesundheit über die nationale Notrufnummer Nigerias eingerichtet.

Das ist es, was wir uns vorstellen: Durch die Bereitstellung von Programmen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens in den Gemeinden, die Laienberater und psychologische Ersthelfer ausbilden, werden wir die Lücke im Bewusstsein und im Zugang zu grundlegender psychosozialer Unterstützung schließen.

Stellen Sie sich eine Gemeinschaft vor, in der jede zehnte Person Beratungs-fähigkeiten erworben hat. Indem wir eine Gesellschaft mit besseren Zuhörern und besseren Kommunikatoren schaffen, eine Gesellschaft, die im Großen und Ganzen einfühlsamer ist und sich um die Bedürfnisse der anderen kümmert, werden wir eine mental gesündere Gesellschaft schaffen, die schließlich in der Lage ist, sich selbst zu heilen. In Krisensituationen wie COVID-19 oder in Krisen, in denen die Menschen nicht so mobil sind, wird dies einen großen Unterschied machen. Es handelt sich um ein Modell zur Selbsthilfe in Bezug auf das psychische Wohlbefinden, das wir in den letzten zwei Jahren durch die Ausbildung von über 100 Laienberatern erprobt haben, die derzeit psychosoziale Interventionen in der Region anbieten.

Aisha wird ihre Geschichte und Projektidee während den kanthari TALKS präsentieren!

Wann? 17 und 18 Dezember 2021!

Wo?  Livestream auf http://www.kantharitalks.org/

Meine Regenbogen-Existenz

Früher hatte ich Angst davor, zu mir selbst zu stehen, meine wahre Natur zu offenbaren.

Ich war ein ungeschütztes Individuum, das sich weder für seine Existenz entschuldigen muss, noch davor zurückschrecken darf, energisch aufzutreten und dem Leben und der Schönheit der Natur entgegenzutreten.

Ich wurde oft von den Gemeindemitgliedern so wie auch von meiner Familie unterdrückt, aber ich war immer in der Lage, wieder aufzustehen.

Das Bild von Afrika ist geprägt durch Geschichten über Krieg, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und HIV. Daher ist es gerade jetzt wichtig, davon zu erzählen, wie schwule Menschen in Afrika leben. Wir müssen Geschichten von Liebe, Entwicklung, und einem schönen, lebendigen Dasein erzählen. Nur so können wir das Gefühl dafür schaffen, dass ein schwules Leben Glück bedeuten kann.

Es ist klar, dass mein Leben mehr ist als meine Sexualität. Daher geht es mir um die Erfassung der ganzen Bandbreite unserer menschlichen Erfahrungen. Ich nenne es die “Regenbogen-Existenz”.

Als ich 15 Jahre alt war, wurde ich von meinen eigenen Eltern abgelehnt und aufgefordert, auszuziehen. Seitdem lebe ich unabhängig. Ich kann sagen, ich hatte keine schöne Kindheit. Ich habe schon als Kind sehr viele Herausforderungen meistern müssen, da ich nie jemanden hatte, der mich schützte und sicher durchs Leben führen konnte.

Das ließ in mir den Wunsch entstehen, etwas für schwule ausgegrenzte Kinder und Jugendliche zu tun. Ich möchte, dass sich die freie Liebe zwischen schwulen Männern und Frauen in Afrika normalisiert. Zur Zeit leben sie noch ein Leben im Geheimen. In vielen Ländern Afrikas sind gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten. Das hält uns jedoch nicht davon ab, weiterzuleben und zu lieben.

In Simbabwe engagieren sich Schwule seit Jahren in der Mode, in der Musikbranche, in kreativen Medien, in der Bildung, alles mit dem Ziel, die Geschlechternormative herauszufordern. Warum aber nicht auch ein professionelles Leben in der Politik oder in Menschenrechtsorganisationen? Unsere Möglichkeiten müssen in jedem Fall jenseits unserer Sexualität beurteilt werden.

Es geht mir darum, höher zu zielen, um Tag für Tag mehr für die LGBTIQ Gemeinschaft zu erreichen. Ich möchte meinen Lesern sagen, dass, was ich fordere, ist nicht bloße Akzeptanz, sondern ein Umdenken, ein Verständnis dafür, wer wir sind.

Während ich das schreibe, bin ich auf dem kanthari-Campus in Kerala, im Süden Indiens. Ich bin hier, um Fähigkeiten zu erwerben, wie man eine erfolgreiche Organisation leitet oder ein soziales Unternehmen führt. Ich möchte lernen, wie ich auf die effektivste Weise ein Umdenken in der Gesellschaft erzielen kann. Ich hoffe auch, mehr über Netzwerke und Partnerschaften zu erfahren und ich möchte wissen, was es braucht, um als erfolgreicher sozialer Changemaker zu agieren.

Ich werde mein Traum-Projekt durch Engagement und Enthusiasmus vorwärts bringen und dabei trete ich in einen Dialog mit anderen Changemakern aus der ganzen Welt ein.

Tyrones Organisation “Iromh-Africa” {I reach out my hand – Africa} richtet sich sowohl an Jugendliche, als auch an ältere Menschen, die aufgrund von Stigmatisierung keinen Zugang zur Gesundheitsvorsorge haben.