Mitten im Netz von Gleichgesinnten – Mirranda Tiri – Zimbabwe

Vielen kanthari Absolventen, die die ersten großen Wellenbrecher hinter sich gelassen haben, geht es genau wie uns damals vor vielen Jahren. Obwohl es scheint, als seien die größten Hindernisse überwunden. Obwohl man weiß, in welche Richtung es nun gehen soll. Wir alle fallen früher oder später in ein Loch, aus dem wir uns nur mit Mühen wieder hinausmanövrieren können. Man fühlt sich allein, unverstanden und vielleicht etwas fehl am Platz. Denn kanthari zu sein bedeutet oft, ganz anders als andere an Probleme heranzugehen.

Wenn man keinem Netzwerk von ähnlich funktionierenden, ähnlich denkenden Menschen angehört, wenn man nicht von anderen Projekt-Initiatoren motiviert und zum Weitermachen angefeuert wird, dann ist man schnell am Ende und das, noch bevor das Projekt erst richtig angefangen hat.

Damals in Tibet hatten wir enge freundschaftliche Kontakte zur recht überschaubaren Expatriot-Community. Zu Franzosen, Belgiern, Italienern und Engländern, die für die dort Ansässigen Hilfsorganisationen arbeiteten. In Krisenzeiten, wenn Spendengelder ausblieben und wir unsere blinden Kinder für den Winter nicht einkleiden konnten, dann half man uns schnell und unbürokratisch aus. Im Gegenzug revanchierte sich Paul mit technischem Knowhow, sorgte für erste Internetanschlüsse oder zeichnete Baupläne für Dorfkliniken und Büroräume. Zusammen feierte man Geburtstage oder Halloween. Diejenigen, die den langen kalten Wintern trotzten, kamen zusammen, um sich an einem Elektro-Ofen, der aufgrund mangelnder Elektrizität eigentlich nicht legal betrieben werden durfte, zu wärmen, und gemeinsam fabrizierten wir aus uns unbekannten lokalen Lebensmitteln so etwas wie eine Pizza oder ein Pasta Gericht.

Was uns jedoch trotz der vielen Freundschaften in der Fremde fehlte, waren Gleichgesinnte. Bei den Expats handelte es sich zum Großteil um Delegierte von Medicines sans Frontieres oder Save the Children, selten um die Gründer der Organisationen selbst. Wir sehnten uns nach Kontakten zu Leuten, die wie wir so verrückt waren, sich zu zutrauen, ein Hilfsprojekt, eine Schule, oder eine Klinik aus dem Boden zu stampfen. Es war doch etwas ganz anderes, ob man “nur” die im fernen Europa ausgeklügelten Hilfsmaßnahmen umsetzte, von anderen gesammelten Spendengeldern ausgab und vorher entschiedene Operationen ausführte oder ob man gleichermaßen Verantwortung für alle projektrelevanten Teilbereiche hatte. Daher wünschen wir uns heute, dass es den kantharis mit ihren Netzwerken besser ergeht. Wir freuen uns über jegliche Anzeichen der generationenübergreifenden Solidarität.

Besonders diejenigen, die aus Ländern stammen, in denen schon viele kantharis erfolgreich wirken, haben großes Glück. Denn während Freunde oder Familienangehörige den neuen, oft sehr unkonventionellen Projekt-Ideen eher skeptisch gegenüberstehen, haben die erfahrenen kantharis immer ein offenes Ohr. Und, da sie die Bürokratie, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen ihres eigenen Landes aus erster Hand genau kennen, können sie den “Startern” mit praktischen Problem-Lösungen zur Seite stehen.

Ein gutes Beispiel für ein Solidaritätsnetzwerk unter kantharis ist die Gruppe aus dem Süd-Afrikanischen Zimbabwe. Besonders die Berichte Mirrandas machen deutlich, wie wichtig solch eine generationsübergreifende Hilfestellung in der Anfangsphase sein kann.

Nachdem Mirranda vor knapp einem Vierteljahr nach Zimbabwe zurückgekehrt ist, mache ich einen ersten Anruf:

“Hallo?”

“Hi!”

“Kannst Du mich hören?”

Immer das Gleiche, denn entweder hier oder auf der anderen Seite der Welt, irgendwo gibt es immer Internet Probleme. Das schreckt uns aber nicht davon zurück, uns regelmäßig mit den frisch zertifizierten kantharis auszutauschen. Und in dieser Woche ist Mirranda an der Reihe. Sie gehörte, mit ihren 20 Jahren, zu den jüngsten kanthari Teilnehmern. Offiziell heißt es auf unserer Webseite, dass wir erst ab 22 Jahren Anmeldungen akzeptieren. Sonst sehen wir uns offen für alle Altersgruppen. Nun, ein gutes Maß an Lebenserfahrung muss schon sein. Als wir aber die Bewerbung von Mirranda durchsahen und uns ein kleiner Einblick in ihren Lebenslauf gewährt wurde, verlor das Mindestalter seine Bedeutung.

Während des siebenmonatigen Kurses hier in Kerala saß ich mit Mirranda für viele Stunden auf unserer Dachterrasse und hörte mir ihre Lebensgeschichte an. Ich war erschüttert, erstaunt, sprachlos und dann wieder voller Bewunderung. Beim Zuhören musste ich mir wieder und wieder vor Augen halten, dass sie all das, was mindestens drei Leben hätte füllen können, in nur 20 Lebensjahren erfahren hatte.

Mirranda war gerade einmal sechs Jahre alt, als die Mutter, die von Gewalt und Alkohol überschattete Beziehung mit ihrem Mann nicht mehr aushielt. Sie liess die Kinder beim Vater zurück, um selbst ein neues Leben in Südafrika zu starten.

 

Von da an wurden Mirranda und ihre zwei Jahre ältere Schwester zu unfreiwilligen Nomaden. Sie zogen von einer Familie zur nächsten und überall fühlten sie sich nicht zugehörig, ausgenutzt und immer ‘zu viel’. Mirranda erzählt von täglicher verbaler Gewalt, von offensichtlicher Ablehnung und von einer Vergewaltigung durch einen ihrer entfernteren Cousins. Der Cousin bedrohte sie mit den Worten: “Ukangotaura chete ndinokuuraya nemhuri yako” (Falls Du jemanden etwas erzählst, werde ich Dich und Deine Familie umbringen.)

In der Vorstellungsrunde, gleich zu Beginn des Kurses erzählte sie zum ersten Mal davon. Damals verschämt und mit zitternder Stimme. Auf der Dachterrasse, knapp drei Monate später, beschrieb sie erneut diese traumatische Erfahrung. Diesmal ganz ohne Scham, dafür aber mit Wut. Sie machte mir klar, dass sie es fortan nicht mehr verheimlichen wollte. Das verursachte eine mittlere Familienkrise, denn ohne den Namen des Cousins zu nennen, machte sie durch Social Media ihr Erlebnis öffentlich.

“Er kann mich nicht mehr töten, denn das kleine hilflose Kind von damals ist schon tot. Stattdessen lebe ich! Ich bin stark und ich weiß, mich zu wehren.”

Genau das nimmt man ihr ab, wenn man sie, wie bei den kanthari Talks auf der Bühne sprechen sieht. Sie ist für alle Zuhörer deutlich eine Überlebende. Stark, aber nicht verbittert, erzählt sie von dunklen, untröstlichen, aber auch von wunderschönen Zeiten. Als sie etwa neun Jahre alt war, kam ihre Mutter zurück, um sie und ihre Schwester mitzunehmen. Die Mutter hatte sich in einen Deutschen Expatriat verliebt und zum ersten Mal, allerdings nur für wenige Jahre, erlebten die beiden Kinder, was es bedeutet, einer geborgenen liebevollen Familie anzugehören. Der neue Stiefvater hatte einen Traum. Er wollte in Namibia ein Ökotourismus Camp aufbauen. Die Wildnis, der See, die Nilpferde und die nächtlichen Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel war für ganze fünf Jahre ihr Zuhause. Dann aber wurde die Mutter schwer krank. Man brachte sie zurück nach Zimbabwe, wo sie schliesslich verstarb. Mirranda war gerade einmal 14 Jahre alt.

“Von da an wurden wir wieder von einem zum anderen verschoben. Hin und wieder lebte ich auch im Internat. Überall fühlte ich mich einsam.”

Irgendwann heckten die Geschwister ein Plan aus. Sie wollten zurück nach Namibia, zurück zu ihrem Stiefvater. Doch als sie ihn kontaktierten, fanden sie heraus, dass er sich nach dem Tod der Mutter das Leben genommen hatte.

“Am Ende wohnten wir bei unserem Großvater. Doch auch der hatte schon bald die Nase voll und warf uns hinaus. Das war unser Glück, denn jetzt konnten wir offiziell für uns selbst sorgen. Meine Schwester und ich mieteten ein Zimmer und zum ersten Mal hatten wir ein Zuhause.”

Und was entstand aus all ihren guten und schlechten Erfahrungen? In ihrer Rede während den kanthari Talks beschreibt sie ihr Traum-Projekt mit Namen “Khanya Africa”.

Sie richtet sie sich an Teenager, die sich wie sie selbst mit den Veränderungen mit ihrem eigenen Körper und von der Welt da draußen verlassen fühlen. Sie möchte besonders jugendlichen Mädchen dazu gewinnen, sich im Falle gefühlter Einsamkeit Hilfe zu suchen. Entweder professioneller Art oder sie können sich an Khanya Africa wenden.

 

Zur Erneuerung der Motivation und des Selbstbewusstseins, wird sie Workshops und Wildness-Camps organisieren. Sie möchte, dass viele Teenager ähnlich gute Erfahrungen mit der Wildnis haben, wie sie selbst und ihre Schwester damals in Namibia.

Ein deutscher Bekanter, Vater von zwei pubertierenden Jugendlichen, sah sie gemeinsam mit seinem älteren Sohn im kanthari talks Live-Stream. Der Sohn, der gerade durch eine Motivationskrise ging, war von ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Willensstärke und ihrer Offenheit so angetan, dass er sich überlegte, freiwillig ein Referat über Mirranda und ihr Leben in der Schule zu halten.

Und was ist aus ihren Ideen geworden?

Bereits Anfang dieses Jahres organisierte sie ihren ersten Khanya Workshop mit 14 Mädchen zwischen 9 und 20 Jahren.

Viele der Jugendlichen berichteten von ihren Emotionen, von ihren Ängsten nicht geliebt zu sein, von ihrer Sorge vor der Zukunft, aber auch von ihren Hoffnungen, selbst Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Die 18jährige Ruvimba (Namen geändert) berichtete zum ersten Mal im Leben über erfahrenen sexuellen Missbrauch. Und genau wie Mirranda möchte sie kein Opfer sein, sondern anderen Kindern helfen, sich zu wehren.

“Sie wird sich bestimmt einmal für kanthari bewerben.” sagt Mirranda, und ich höre, wie sie sich freut, ein Glied in der kanthari Kette sein zu können.

Mirranda selbst erfuhr vom kanthari Programm durch Trevor, einem Absolventen von 2018, der sich mit seiner Organisation “Purple Hand Africa” für die unterdrückte und kriminalisierte LGBTQ-Gemeinschaft einsetzt. Gemeinsam kontaktierten sie Nancy, eine engagierte Initiatorin einer Schule und Teilnehmerin des 2022 kanthari Kurses. Nancy bot Mirranda Räumlichkeiten in ihrer Schule für ihren ersten Khanya Workshop an. So wird die Information über kanthari von einer Generation an die nächste weitergeleitet. Und langsam spinnt sich ein Netzwerk von engagierten Veränderern, Projektgründern und Initiatoren, eine Gemeinschaft, die wir damals so dringend benötigt hätten.

EnKindle – Kamerun

Mit dem Table Banking Projekt wird EnKindle 84 hilfsbedürftigen und gefährdeten Frauen den Ausstieg aus dem Armutskreislauf ermöglichen. Die Frauen erhalten durch Table Banking Zugang zu finanziellen Mitteln und werden bei der Gründung ihrer eigenen Unternehmen unterstützt.

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Tabubruch in Kenia

Tabus, die uns ein Leben lang verfolgen

Juliet Omondi kommt aus Homa Bay, einer ländlichen Region im Westen Kenias. Sie spricht ein Tabu an, das in Ostafrika wie auch in vielen anderen Ländern der Welt weit verbreitet ist. Wir sagen, wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert und trotzdem werden Mädchen und Frauen während ihrer Menstruation von Schulen und Gemeinschaftsveranstaltungen ausgeschlossen. Juliet möchte mit ihrer Organisation Paro Manyien (Bewusstseinsveränderung) dieses Tabu ändern, indem sie die Verantwortlichen in den Kirchen und Gemeinden für dieses Thema sensibilisiert.

Ich denke oft an Situationen wie diese: Man ist in einer Menschenmenge und plötzlich merkt man, die Periode hat unerwartet begonnen. Allerdings gibt es nichts, womit man sich säubern kann, man hat keine Binden und, viel schlimmer noch, es gibt niemanden, mit dem man darüber reden kann.

Es passiert jeder Frau im Leben bestimmt einmal oder auch mehrmals. Aber die Glücklichen können sich schnell Abhilfe schaffen. Die meisten jungen Mädchen in unseren Ländern werden aber mit diesem Problem vollkommen allein gelassen.

Ich bin geboren und aufgewachsen in einer ländlichen Gegend im Westen Kenias, wo Tabus und Mythen rund um die Menstruation noch immer lebendig sind. Und so erlebte ich das Einsetzen meiner Menstruation mit Angst und Scham. Ich weigere mich jedoch, solche rückständigen Vorstellungen zu übernehmen und weiterzutragen. Wie in der gesamten Gemeinde wurde auch in meiner Familie nicht offen über die Menstruation gesprochen. Man glaubt, dass die Menstruation eine höchst private Angelegenheit der Frau ist, weil das Menstruationsblut von bösen Geistern benutzt werden könnte, um den Menschen in der Umgebung Schaden zuzufügen. Mit jemandem vom anderen Geschlecht über die Menstruation zu sprechen, gilt als respektlos. Unter normalen Umständen würde ich mir wünschen, dass Mütter mit ihren Kindern rechtzeitig vor der Pubertät über diese Themen sprechen. Leider war es bei mir nicht so.Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Montagmorgen. Ich machte mich gerade auf den Weg zur Schule, als ich merkte, dass ich meine Periode hatte. “Mama”, rief ich mit brüchiger Stimme. Ich zitterte und hatte Angst. “Was ist los?”, fragte sie. “Ich glaube, ich habe meine Periode.” Ich hatte nämlich gehört, wie meine Mitschülerinnen und ältere Mädchen in der Schule über die Periode und Binden sprachen, wenn auch in gedämpftem Ton. Ich erhoffte mir nun eine Erklärung und Hilfe durch meine Mutter. Doch leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Sie war so von Scham behaftet, so dass sie nur meinte, ich sei vielleicht krank oder dass das Blut auch von einer Verletzung herrühren könne.

Ich war verwirrt, fühlte mich alleingelassen und war irgendwie auch enttäuscht.
Später am Abend teilte sie mir allerdings doch mit, dass ich mich nun in eine Frau verwandeln würde.  Aber das hätte Konsequenzen: Ich dürfe nicht mehr ihr Schlafzimmer betreten, auch das Gemüse dürfe ich während der Periode nicht pflücken, da es sonst verdorre und kranke Familienmitglieder sollte ich nicht mehr aufsuchen. All das machte mich wütend. Und so war es mir nicht möglich, meine Mutter jemals wieder auf so vertrauliche Themen anzusprechen.

Glücklicherweise hatte ich eine ältere Cousine in der Sekundarschule, die bereit war, ihr Wissen über die Menstruation und die Ge- und Verbote während meiner Periode mit mir zu teilen. Das war nach etwa drei Monaten, in denen ich im Stillen gelitten hatte.
In der Schule erlebte ich, wie Jungen ältere Mädchen schikanierten, die diese Veränderungen bereits durchmachten. Sie wurden gedemütigt, hatten Angst und wurden allgemein verspottet.

Irgendwann war auch ich an der Reihe. Eines Tages befleckte ich meine Schuluniform und musste mir bis zur Mittagspause einen Pullover um die Taille binden. Um aber die Schule nicht zu verpassen, schlich ich mich immer wieder in das Schlafzimmer meiner Mutter, um ein oder zwei Binden zu stehlen, die zu groß, zu dick und zu unbequem waren, um sie zu tragen. Das brachte mich dazu, mir andere Methoden auszudenken, um mit meiner Menstruation umzugehen. Ich schnitt alte Stoffstücke und Decken zurecht und nähte sie zusammen. Mit der Zeit wuchs ich über meine Ängste hinaus, öffnete mich meinem engen Freund, wurde zornig und konfrontierte mich mit meinen Tyrannen. Ohne es zu wissen, hatte ich mich zur Stimme der anderen Mädchen in der Schule entwickelt.

Heute habe ich als Gesundheits-beauftragte mit Mädchen zu tun, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: Mädchen, die wie ich niemanden haben, mit dem sie reden können, Mädchen, die von Tabus umgeben sind, die sie daran hindern, an den täglichen soziokulturellen Aktivitäten teilzunehmen, während sie ihre Periode haben.

Während eines der Schulgesundheitsprogramme, die ich in Kilifi, Kenia, durchgeführt hatte, hatte ich ein recht emotionales Gespräch mit einem Mädchen namens Kadzo, das mir von seinen Problemen als Teenager erzählte. “Ich bin eine Waise und lebe bei meinen Großeltern, die sich nicht um die Menstruation kümmern. Zu Hause kämpfen wir darum, Essen auf den Tisch zu bringen, und Damenbinden haben aufgrund unserer begrenzten Mittel keine Priorität. Ich habe niemanden, den ich fragen kann, kein Geld, um Binden zu kaufen, und niemanden, mit dem ich reden kann”.

Später vertiefte ich mich in das Thema und erfuhr, dass die Kultur der Geheimhaltung rund um die Menstruation die Mädchen noch weiter in ein Dilemma stürzt, da sie finanziell nicht unabhängig sind. Mangelnde Beratung und Angst führen dazu, dass einige Mädchen zu anderen Mitteln greifen, um Geld für den Kauf von Binden zu bekommen. Zehn Prozent der 15-jährigen Mädchen in Kenia tauschen Sex gegen Geld, um Binden zu kaufen, da sie zu Hause kaum welche bekommen können. Einige enden mit Teenager-Schwangerschaften, frühen Ehen oder sexuell übertragbaren Krankheiten. Einige brechen am Ende die Schule ab.
Genau wie Kadzo leiden viele andere Mädchen noch immer im Stillen. Und deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, um diese Geschichte zu ändern.

Möchtest Du, wie Juliet, Deine eigene Organisation starten und bist auf der Suche dafuer die Fähigkeiten zu erwerben?
Dann bewerbe dich als Teilnehmer bei www.kanthari.org

Frau des Hauses

Geeta Dangol Maharjan wuchs in einer Nevari-Familie in Kirtipur auf, eine Stadt in der direkten Nachbarschaft zu Kathmandu. In Nepal ist sie auch bekannt als “City of Glory”, da sie für ihre traditionelle Schönheit bewundert wurde. Doch plötzlich waren überall, auch in der City of Glory Bomben, und Nepal war nicht mehr sicher. Der nepalesische Bürgerkrieg (1996 bis 2006) wurde durch politische Konflikte ausgelöst und hat Nepal in eine tiefe Krise gestürzt, die in vielen Bereichen noch immer spürbar ist. Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit sind die Nachwirkungen dieser Unruhen. Mit ihrer Organisation Orange Butterflies will Geeta einen Wandel herbeiführen, indem sie alleinstehenden Frauen, die oft im Stich gelassen werden, eine Chance gibt.

Nepal ist ein streng patriarchalisches Land, in dem Töchter weniger wertgeschätzt werden als Söhne. Mein Vater wollte, dass meine Mutter einen Sohn zur Welt bringt. Obwohl sie sich immer eine kleine Familie mit nur zwei Kindern gewünscht hatte, bestand mein Vater darauf, es so lange zu versuchen, bis der erste Sohn geboren war. So wurde sie mit sieben Töchtern gesegnet, und ich bin eine von ihnen.

Wenn ich die Geschichten meiner Mutter höre und die Beziehung meiner Eltern beobachte, bin ich traurig darüber, dass sie von ihrer gesamten Familie schlecht behandelt und ausgegrenzt wurde. Als Kind war ich oft Zeuge von gewalttätigen Übergriffen, und ich fühlte mich hilflos. Einmal hat mein Vater eine ganze Schüssel mit heißem Essen nach meiner Mutter geworfen, nur weil das Gemüse nicht salzig genug war. Zwischen meinen Eltern herrschte eine Spannung, die auf die finanzielle Abhängigkeit zurückzuführen war.

Während meiner Kindheit hatte ich nie das Gefühl, dass mein Vater für uns da war. Er übernahm nie die Verantwortung für die Bezahlung der Schulgebühren oder den Besuch von Lehrern. Meine Mutter gab uns immer Geld mit, damit wir die Gebühren selbst bezahlen konnten. Wir hatten schreckliche Angst vor ihm. Ja, ich konnte sehen, dass er hart arbeitete. Aber wegen seines gewalttätigen Charakters hatten wir nie eine Vater-Tochter-Beziehung, auch nicht, als er später im Leben ruhiger wurde.

Eines schönen Tages schlug die Schwägerin meiner Mutter eine Geschäftsidee vor, und sie riet meiner Mutter, aus dem Haus ihrer Schwiegereltern auszuziehen. Schließlich, nach vier Kindern, meldete sich meine Mutter zu Wort und sorgte dafür, dass wir uns von der größeren Familie trennten. Sie hatte keine Ausbildung. Aber sie war in der Lage, ein kleines Einzelhandelsgeschäft in einem neuen Ort zu eröffnen. Langsam, aber stetig, ging das Geschäft auf. Ich spürte und sah, wie sich die Beziehung zwischen meinen Eltern veränderte.

Aber dann gab es überall Bomben; Nepal war nicht mehr sicher. Der nepalesische Bürgerkrieg (1996 bis 2006) begann aufgrund von politischen Konflikten. Ich wurde in Kirtipur (Stadt des Ruhms) geboren, einer alten Stadt im Kathmandutal im Südosten des Landes, die vor dem Bürgerkrieg der sicherste Ort war. Meine Eltern schickten mich und meine Schwestern zum weiteren Studium nach Indien. Die Menschen in ganz Nepal zogen in die Hauptstadt, um in Sicherheit zu sein.

Als ich 2017 in mein Heimatland zurückkehrte, erfuhr ich, dass sich zwar der Konflikt beruhigt, aber das Problem in keiner Weise verbessert hatte. Jedes Jahr verließen fast 500.000 Menschen, meist Männer, das Land, um im Ausland Jobs für wenig Gebildete anzunehmen. Viele Frauen blieben mit der Verantwortung für den Haushalt zurück, ohne eine sichere Einkommensquelle zu haben.

Das brachte mich zum Nachdenken: Warum können wir keine Arbeitsplätze in unserem Land schaffen? Ich habe miterlebt, wie sich das Leben meiner Mutter veränderte, nachdem sie finanziell unabhängig geworden war. Sie konnte alles für ihre Kinder und ihre Familie entscheiden. Sie wurde sogar mutig und lehrte uns, mutig zu sein. Als ich über die Geschichte meiner Mutter nachdachte, wurde mir klar, dass es immer noch viele Frauen gibt, die mit demselben Problem konfrontiert sind: der Spannung, die aus der finanziellen Abhängigkeit entsteht.

Seit 2017 arbeite ich mit marginalisierten Frauen, um ihnen zu finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen. Ich konnte die Auswirkungen an meiner eigenen Geschichte sehen, nachdem ich einen Job gefunden und für mich selbst gesorgt hatte und es mir viel besser ging als den männlichen Cousins in unserer Familie. Mein Vater kam zu dem Schluss, dass ich so fähig wie ein Junge war.  Er hörte langsam auf, gewalttätig zu sein. Heute leite ich mein eigenes Unternehmen und eine gemeinnützige Organisation für Frauen in unserer Gemeinde. Außerdem kümmere ich mich als Frau des Hauses um meine Eltern.

“Orange Butterflies” träumt von einer Zukunft, in der alle marginalisierten Frauen in Nepal die gleichen Chancen erhalten, um zu träumen und finanzielle und soziale Unabhängigkeit für ein besseres Auskommen zu erreichen.

Wir werden diskriminierten und vernachlässigten Frauen durch berufsorientierte Förderung, Lobbyarbeit, Mentoring und andere Berufsausbildungen (z. B. Website-Entwicklung, Grafikdesign, digitales Marketing, Modetechnologie, Schmuckdesign, Kunsthandwerk, öffentliches Reden usw.) gleiche Chancen bieten, so dass sie mehr Möglichkeiten in Bezug auf Arbeit in jedem Sektor haben.

Wir wollen eine integrative Genossenschaft für Frauen und Männer gründen. Nach der Ausbildung können sie entweder mit uns zusammenarbeiten oder ihr eigenes Unternehmen gründen. Wenn sie sich für Letzteres entscheiden, werden wir immer als Unterstützungs-system für sie da sein. Um sie auf ihrem unternehmerischen Weg zu unterstützen, werden wir einen Genossenschaftsladen einrichten, in dem alle unsere Produkte zum gegenseitigen Nutzen angeboten werden. Außerdem werden wir die Vermarktung der von ihnen hergestellten Produkte in ganz Nepal erleichtern, um den Lebensunterhalt der marginalisierten Frauen zu verbessern. Die Produkte werden biologisch abbaubar, umweltfreundlich und aus natürlichen Rohstoffen hergestellt sein. Wir fördern auch Naturfasern aus Hanf, Banane und Jute, die in Nepal lokal verfügbar sind. Sie sind langlebig und umweltfreundlich.

Heute ist mein Vater stolzer Vater von sieben Töchtern, die keinem der Männer in unserer Gemeinde nachstehen. Tatsächlich unterstützt er jetzt die Sache, für die ich arbeite.

Geeta wird ihre Geschichte und Projektidee während der kanthari TALKS präsentieren: 17 und 18 Dezember!
Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung, die live gestreamt wird, finden Sie auf http://www.kantharitalks.org/

Meine Reise durch die Hölle und zurück

Precious Kiwiti aus Harare, Simbabwe, war stadtbekannt. Sie hatte, aus einer kinderreichen, eher ärmlichen Familie kommend, in eine der einflussreichsten Familien eingeheiratet und betrieb erfolgreich ein angesehenes Restaurant und später einen beliebten Catering-Service. Mit ihrer Organisation “Precious Hearts Haven” leitete sie einen Kindergarten für alleinerziehende Mütter aus den Armenvierteln. Doch kaum jemand wusste von der Tragödie, die sich hinter der strahlenden Fassade verbarg. In ihren beiden Ehen wurde Precious vergewaltigt, gefoltert und wurde sogar Opfer einer Scheinhinrichtung.

Als Überlebende möchte sie Frauen, die Gewalt in der Ehe erlitten haben, Hoffnung, Widerstandskraft und Würde zurückgeben. Ihre Organisation Precious Hearts Haven will sich für eine gewaltlosere Gesellschaft einsetzen, sie wird zunächst geheime Frauenhäuser errichten, um dort die Frauen zu verstecken und zu fördern.

Es war ein Sonntagmorgen. Ich hatte meine Kinder ausgehfertig gemacht und sie in die Kirche geschickt. Und dann war ich allein, allein mit mir, meinen Sorgen und meinen blauen Flecken, allein mit der Erkenntnis, dass mein Leben an diesem Tag enden sollte, und zwar genau in diesem Zimmer, in dem ich ständigen psychischen und physischen Terror erlebt hatte.

Ich saß auf dem Boden und lehnte mich an mein Bett. In meiner Hand hielt ich ein Glas mit einer tödlichen Mischung aus Pestiziden und Rattengift. Neben mir lag mein Telefon; ich hatte gerade eine Nachricht an meinen Bruder geschickt, eine recht lange Nachricht, in der ich ihn anflehte, auf meine Kinder und meinen Besitz aufzupassen, den ich ohne das Wissen meines Mannes gekauft hatte. Ich war mir sicher, dass er die SMS erst nach der Kirche lesen würde, und bis dahin würde ich nicht mehr da sein.

Ich erinnere mich noch gut, dass ich eine Zeit lang dasaß und auf den richtigen Moment wartete, um das Glas zu heben. Und dann: “Tante P!” Die Tür flog auf und meine Schwägerin stürmte herein. Sie riss mir das Glas aus der Hand, und erst dann begann ich zu weinen. “Weine, Tantchen!”, sagte sie und tröstete mich. “Jetzt darfst du weinen! Du bist in Sicherheit.”

Fünf Jahre und zwei Ehen früher: “Mwanangu waroorwa, wandibvisa mukushorwa” (meine Tochter, du bist jetzt verheiratet; du hast mich aus der Schande geholt). Das waren die Worte meiner Mutter bei meiner ersten Hochzeit. Die ganze Gemeinde begann zu jubeln und zu tanzen. Und ich wusste, dass ich mit meiner Wahl die ganze Familie stolz gemacht hatte.

Gleich nach meiner Hochzeit war alles perfekt. Wir wohnten in einem schönen Haus. Ich hatte einen Chauffeur, nur zu meinem eigenen Komfort, und ich hatte wunderbare Schwiegereltern. Mein Mann tat alles, um mich glücklich zu machen und mir das Gefühl zu geben, zu Hause zu sein. Bald war ich schwanger, und als meine Tochter geboren wurde, waren wir beide überglücklich.

Aber als die Liebe verblasste, erfuhr ich, was es in meiner Gesellschaft bedeutet, eine verheiratete Frau zu sein. Heute blicke ich auf zwei Ehen zurück, in denen ich psychische Manipulation und körperliche Folter erlebt habe.

Warum habe ich die Muster, die Warnzeichen, nicht erkannt? Und warum habe ich die Alarmglocke nicht läuten hören? Nun, ich war vor Liebe taub und blind und sehnte mich einfach nur danach, dass mich jemand liebt.

Ja, am Anfang ist es Liebe. Aber dann verwandelt sich die Wärme und liebevolle Fürsorge Schritt für Schritt in Überbehütung. “Geh nicht allein weg. Deine Familie braucht dich, und du solltest dich nicht selbst gefährden”. “Warum musst du arbeiten? Ich kann mich doch um dich und unser Kind kümmern!”

Ich war immer auf der Suche nach Unabhängigkeit. Ich war die erste Frau in meiner Familie, die einen Führerschein besaß. Ich war die erste, die ins Ausland reiste. Und im Alter von 26 Jahren eröffnete ich zusammen mit meinem Bruder ein angesehenes Restaurant “Kiwiti Barbecue”, mit mehr als 100 Plätzen. Als mein Bruder bei einem Autounfall ums Leben kam, war ich gezwungen, es zu schließen, nicht weil ich nicht stark genug war, es allein zu führen, sondern weil mein Mann sich um meine Sicherheit sorgen würde. Moment mal, tat er das wirklich?!

Langsam aber sicher wird aus der Überbehütung, dem angeblichen Schutz die Kontrolle. “Wen hast du angerufen?”, “Wie viel hast du ausgegeben?”

Nachdem ich Hausfrau geworden war, musste ich um alles bitten und ich musste jede Ausgabe erklären. Ich fühlte mich eingesperrt und die neue Erfahrung, abhängig zu sein, beeinträchtigte mein Selbstwertgefühl. Da ich etwas tun wollte, bat ich meinen Mann, mich wenigstens an den Wochenenden arbeiten zu lassen. Er stimmte zu, allerdings unter strengen Auflagen. Als Geschäftsfrau gründete ich einen Catering-Service, der wie mein Restaurant ebenfalls sehr erfolgreich wurde. Aber dann begannen die Anrufe: “Wo bist du?”, “Warum lassen dich deine Kunden nicht nach Hause kommen?”

Es dauert nicht lange, bis diese Kontrolle in eifersüchtige Besitzergreifung umschlägt. “Du musst nach Hause kommen, wenn ich es dir sage! Du musst nur für mich und die Kinder da sein!”

Ich fühlte mich oft einsam. Ich war nicht in der Lage, meine Freundschaften oder die Beziehung zu meiner Familie zu pflegen und ich hatte keine Freiheit, zu arbeiten und mein eigenes Einkommen zu verdienen. Ich verlor an Körpergewicht, nicht weil ich es wollte, sondern weil ich meinen Lebenssinn verlor. Mein Mann sah, dass ich abgenommen hatte, doch seine Interpretation war eine ganz andere: “Na, willst du attraktiv aussehen? Sieh doch, wie dich die jungen Männer anstarren!”, “Wenn du nicht sofort zunimmst, trag wenigstens etwas lockere Kleidung, sonst lasse ich dich nicht mehr aus dem Haus!”

Die erste körperliche Gewaltanwendung und sei es nur ein Stoß, überschreitet die Grenze. Hier schlägt Besitzgier nach und nach in physische Gewalt um. Noch wird allerdings alles schnell entschuldigt und damit die Gemüter beruhigt: “Es tut mir leid! Ich wollte das nicht tun! Kannst du mir verzeihen?”

Ich hätte ihn direkt stoppen müssen. Aber ich glaubte seinen Worten, das er es bereute und gab ihm damit die Erlaubnis, weiterzumachen. Damit begann der Weg der Brutalität, von dem es kein Zurück mehr gab: Ich wurde nun tagtäglich angegriffen, oft so brutal, dass ich ins Krankenhaus hätte gebracht werden sollen. Aber da wäre ich gezwungen worden, die Wahrheit zu offenbaren.

Um den guten Ruf meiner Ehen zu schützen, blieb ich zu Hause und kühlte meine Wunden selbst. Und daher setzte sich der Schrecken fort. Regelmäßig wurde ich vergewaltigt, gewürgt, angekettet und wenn immer meine Ehemänner in der Nähe waren, fürchtete ich um mein Leben. Einmal wurde ich sogar Opfer einer Scheinhinrichtung. Mein Mann wollte sein neues Spielzeug, eine Pistole, vorführen. Ich hielt einen Sicherheitsabstand und beobachtete ihn misstrauisch. Er zielte auf einen Baum zu meiner Linken, doch in letzter Sekunde schwenkte er seine Waffe herum, zielte auf mich und feuerte dann eine Kugel knapp über meinem Kopf ab, die hinter mir einen anderen Baum traf.

Immer wieder schossen mir Fragen durch den Kopf: Wohin könnte ich gehen? Zurück zu meinen Eltern? Aber was würde die Gemeinde dazu sagen, dass ich in zwei Ehen gescheitert war?!

Und was ist mit denjenigen Frauen, die mich für meine Stärke immer bewundert hatten? Würden sie jetzt auf mich herabsehen? Wie sollte ich allein und ohne Job meine Kinder erziehen? Würden die Männer mich für eine Prostituierte halten, wenn ich alleinstehend wäre?

In Simbabwe haben wir eine “Durchhalte-Kultur”, ganz egal wie sehr man körperlich und auch psychisch verletzt ist.Ja, die Ehe wird in unserer Kultur als “legalisierte Sklaverei” angesehen und es wird akzeptiert.

So riet mir eine ältere Frau aus meiner Kirchengemeinde später, als ich mich trennen wollte, meinen Widerstand aufzugeben und so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre. “Schließlich sind Sie Christin, und Gott ist mit Ihnen!” Nun, obwohl Gott mit mir war, war mein Selbstvertrauen erschüttert, und ich fühlte mich, als trüge ich einen Aufkleber mit der Aufschrift “Missbrauch mich” auf der Stirn. Was mir half, war, über meinen Schmerz mit engen Familienangehörigen und mit meinen Freunden zu sprechen. Und natürlich überlebte ich aufgrund meiner Liebe zu meinen Kindern.

Als meine Brüder mich daran erinnerten, dass schon unsere ältere Schwester von ihrem Mann totgeprügelt wurde, wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte und durfte. Ich nahm meinen Mut zusammen und ging mit meinen Blessuren zur Polizei, um ihn anzuzeigen.

Heilung geht niemals über Nacht. Ich ging mehrmals durch die Hölle, kam aber immer wieder zurück, und heute kann ich mit Fug und Recht sagen: “Ich bin eine Überlebende”.

Doch heute ist die Zukunft wichtig, ich möchte hier erklären wie wir mit unserer Organisation “Precious Hearts Haven” der in Simbabwe verbreiteten Gewalt-Epidemie, dem tagtäglichen Missbrauch von Frauen und Mädchen den Kampf ansagen wollen: Wir haben einen Drei-Stufen-Ansatz:

Schritt 1: Precious Hearts Haven:
Es geht hier um einen vorübergehenden sicheren Ort für Frauen und Mädchen, wo sie sich vor ihren Männern verstecken können. Von dort aus können sie rechtliche Schritte gegen den Gewalttäter unternehmen. Dort bieten wir bei Bedarf Rechtshilfe und psychologische Beratung an.

Schritt 2: Übergang zum Leben: 
Nach der ersten Heilungsphase haben die Frauen die Möglichkeit, an Workshops teilzunehmen. In diesen Workshops werden sie mit anderen Betroffenen auf die gängigen Muster, die Alarmglocken eines Gewaltkreislaufs aufmerksam gemacht. Dabei geht es auch um das Erlernen der gewaltfreien Kommunikation sowie um Konfliktresolution.

Schritt 3: Kubatana (d.h. Verbindung):
Sobald die Frauen in der Lage sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, bieten wir ihnen ein intensives berufliches Training an, bei dem es besonders um die Gastronomie geht.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Betreiberin eines Restaurants weiß ich, wie Mahlzeiten in einer freundlichen Umgebung verbinden und zu einem offenen Austausch auch über schwierige Themen einlädt.

Wir planen eine Kubatana-Restaurantkette mit kleineren und größeren Lokalen, die alle von unseren betroffenen, aber nun geheilten Frauen geleitet werden sollen. Kubatana soll dafür bekannt sein, dass diese Orte für Gewaltlosigkeit, für offene Kommunikation und Essen mit Zeit und Muße stehen.

Wir hoffen, dass sowohl diese Orte, wie auch die Frauen, die trotz ihrer Geschichte nun in Leitungspositionen stehen, mit dazu beitragen, dass die Gewaltspirale in der simbabwischen Kultur Schritt für Schritt abgebremst wird.

Precious wird ihre Geschichte und Projektidee während der kanthari TALKS präsentieren. Wann? 17 und 18 Dezember 2021!

Wo? Livestream auf http://www.kantharitalks.org/