Ein unzerbrechliches Band

In Nepal will Bibek ein psychisch gesundes Umfeld für LGBTIQ+ Menschen über 40 Jahren schaffen. Dafür bietet er Workshops, Beratungen und Unterstützung für den Lebensunterhalt an.

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Kompetenz- und Finanztraining für Frauen

Orange Butterflies versetzt in Nepal Frauen in die Lage, eigene Kleinunternehmen zu gründen oder eine Anstellung zu finden.

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Geschlechterneutrale Schule

Anantmool gründete die erste geschlechterneutrale Schule in Indien. So erhalten Mädchen und Jungen die gleiche Chance auf Bildung.

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Die wahre Identität verstecken

Bibek will mit seinem Projekt einen qualitativ hochwertigen Zugang zu psychischen Einrichtungen für die LGBTQIA+-Gemeinschaft in Nepal schaffen.

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Total Together!

Tyrone Havnar stammt aus Nyanga, Simbabwe. Simbabwe ist ein Land, das traurige Bekanntheit für seine Homophobie genießt. Der Hass gegen die LGBTQI+ Gemeinschaft wird auch noch nach Mugabe durch die politische Führung geschürt. Als Homosexueller hat Tyrone erfahren müssen, wie schwierig es ist, Zugang zu einer LGBTQI+ freundlichen Gesundheitsversorgung zu erhalten. Nun ist Tyrone jung und gesund. Was ist aber mit homosexuellen Senioren, die oft keine familiäre Unterstützung genießen, nicht selten alleine leben und arbeitslos sind und sehr viel mehr als Tyrone auf medizinische Versorgung angewiesen sind? Durch seine Organisation “Total Together”, plant Tyrone die Gründung eines Altersheims mit Sterbebegleitung für LGBTQI+ Senioren.

“Er ist nicht mein Sohn!”, rief mein Vater. “Denkst Du etwa, ich bin Dir untreu?!” schoss meine Mutter zurück.

Das war wie so oft der Beginn eines heftigen Streits, der dann immer tagelang andauerte. Ich wusste, dass es keinen Frieden geben würde.

Was sie damals noch nicht wussten: ich war schwul, aber mir war das schon in jungen Jahren klar. Später hieß es: “Er ist ein Fluch. Wir werden für unsere Sünden bestraft.” Das ist der traurige Glaube vieler simbabwianischer Familien.

Oh, wie ich mich selbst hasste und wie ich mich danach sehnte, einfach unsichtbar zu sein. Ich hatte solche Angst davor, dass jemand das Wort “schwul” in den Mund nimmt, dass ich jedes Mal erstarrte, wenn es zur Sprache kam. Ich tat so, als wäre ich heterosexuell, und gab vor, eine Freundin zu haben, damit niemand um mich herum sehen konnte, dass ich nicht der Norm entsprach.

Doch egal, wie oft und wie sehr ich versuchte, es zu verbergen, mein wahres Ich fand immer einen Spalt, durch den es entweichen und mich entlarven konnte. Die Religion war das Wichtigste im Leben meiner Familienangehörigen.

Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde in der Kirche über Schwule und Engel gepredigt, die beide zu den Verdammten gehörten. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und ich schaute mich um, um zu sehen, ob jemand wusste, dass ich dazu gehörte. Ich hatte das Gefühl, dass der Pastor mit seiner Predigt mich ansprach, und ich fragte mich, ob er mich in seinem Gotteshaus beschämen wollte. Jeden Sonntag ging ich mit der Angst in die Kirche, im Namen der Religion vor allen bloßgestellt und angegriffen zu werden.

Als die Pubertät eintrat, ließen sich alle Jungen um mich herum Bärte wachsen, und ihre Stimmen wurden brüchig.
Das war bei mir erst einmal nicht der Fall. Ich fragte daher eine Lehrerin, warum ich anders sei, und sie sagte: “Wenn du meinst, dass du etwas Besonderes bist, denk noch einmal darüber nach, Kind. Du bist im Bürgerkrieg entstanden, wo die Weißen die Schwarzen vergewaltigt haben, also bedenke einfach, dass es nichts an deiner Art gibt, worauf Du stolz sein kannst!” Auch sie bezog sich nicht auf meine damals geheim gehaltene Homosexualität, sondern darauf, dass ich sowohl indische wie auch schottische Vorfahren hatte.

All das rief ein Gefühl des Selbsthasses hervor. Ich war verwirrt. Wer war ich? Warum war ich so anders? War ich weniger Mensch?

Besonders aber, dass ich mich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlte und das in einem Land, in dem offen darüber gesprochen wurde, wie wertlos das Leben Schwuler sei, machte mir große Angst. Ich fürchtete, angegriffen oder, schlimmer noch, verhaftet zu werden, weil ich ich war.

Da ich nicht die Freiheit habe, legal einen Mann zu heiraten, geschweige denn, mich mit meinem Freund irgendwo niederzulassen, machte ich mir zunehmend Sorgen darüber, was aus mir werden würde, wenn ich älter würde.

Ich hatte Mitleid mit allen, die mit mir leben mussten, und dachte, dass ich mich bei ihnen dafür entschuldigen müsste, dass ich so war, wie ich war.

Als ich 27 Jahre alt war, erkrankte ich einmal schwer und musste ärztlich behandelt werden. Auf dem Weg zur Behandlung wurde ich von einer älteren Krankenschwester betreut, die anfangs sehr freundlich war.

Sie fragte mich nach meiner Familiengeschichte und ob ich einen Partner hätte. Ohne groß nachzudenken, sagte ich: “Ja, ich habe einen; er ist zu Hause”. Sie machte eine Schreibpause, weil sie annahm, ich hätte einen Fehler gemacht. “Sie meinen doch sicherlich SIE?!” kicherte sie und meinte, dass Englisch keine freundliche Sprache sei. Ich sagte ihr, dass ich IHN meinte. Ihr fröhliches Gesicht erstarrte. Ich konnte Abscheu und Wut sehen. Sie stand auf und verkündete meine Sexualität vor allen Anwesenden in der Klinik. Sie beschämte mich mühelos und mit so viel Vergnügen, dass ich hinauslief, ohne Hilfe zu erhalten, während sie alle riefen: “Wir behandeln hier keine Abscheulichkeiten. Respektieren Sie unsere Einrichtung und gehen Sie dorthin, wo Ihre Art hingehört – in die dichte Wildnis”. Ich verließ die Einrichtung voller Scham, und weil ich Schmerzen hatte, musste ich über einen Freund nach alternativen Diensten Ausschau halten.

Altersdiskriminierung ist eine große Herausforderung, und die meisten Menschen auf der Welt haben Angst davor, allein alt zu werden. In Simbabwe werden gleichgeschlechtliche Beziehungen sowohl von der Gesellschaft als auch von jungen Angehörigen der LGBTQI+ Gemeinschaft diskriminiert. Die jüngeren LGBTQI+-Generationen in Simbabwe bezeichnen die Älteren in der Gemeinschaft häufig als “chigogodera”, was eine abfällige Bezeichnung für das Altern ist.

Obwohl im Rahmen des Globalen Fonds Schritte zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für Angehörige der LGBTQI+ Gemeinschaft unternommen wurden, sind diese immer noch diskriminierend, da sie sich hauptsächlich auf die jüngere Generation konzentrieren und die Dienste meist nur in den Großstädten zur Verfügung stehen. Diese Kliniken sind für die älteren Menschen, die meist allein und ohne Betreuer leben, nicht leicht zugänglich.

Wer nie geheiratet und Kinder in die Welt gesetzt hat, wird von der gesamten Familie mit Scham behandelt und vernachlässigt oder gar verleugnet.

Es besteht also ein dringender Bedarf an kompetenter medizinischer Betreuung. Und wir benötigen menschenfreundliche Altersheime und Hospize. Und genau daran arbeiten wir.

Durch unsere Total Together Klinik werden wir auch psychologische Unterstützung anbieten, die bei akutem
Bedarf schnell und zuverlässig ist und eine langfristige Betreuung der älteren Menschen ermöglicht.

Darüber hinaus werden wir auch LGBTQI+ Angehörige in anderen Einrichtungen aufsuchen, um ihnen zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind. In dieser Weise werden wir Stück für Stück die Akzeptanz für uns im Gesundheitswesen und in Altenheimen erschaffen.

Meine Regenbogen-Existenz

Früher hatte ich Angst davor, zu mir selbst zu stehen, meine wahre Natur zu offenbaren.

Ich war ein ungeschütztes Individuum, das sich weder für seine Existenz entschuldigen muss, noch davor zurückschrecken darf, energisch aufzutreten und dem Leben und der Schönheit der Natur entgegenzutreten.

Ich wurde oft von den Gemeindemitgliedern so wie auch von meiner Familie unterdrückt, aber ich war immer in der Lage, wieder aufzustehen.

Das Bild von Afrika ist geprägt durch Geschichten über Krieg, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und HIV. Daher ist es gerade jetzt wichtig, davon zu erzählen, wie schwule Menschen in Afrika leben. Wir müssen Geschichten von Liebe, Entwicklung, und einem schönen, lebendigen Dasein erzählen. Nur so können wir das Gefühl dafür schaffen, dass ein schwules Leben Glück bedeuten kann.

Es ist klar, dass mein Leben mehr ist als meine Sexualität. Daher geht es mir um die Erfassung der ganzen Bandbreite unserer menschlichen Erfahrungen. Ich nenne es die “Regenbogen-Existenz”.

Als ich 15 Jahre alt war, wurde ich von meinen eigenen Eltern abgelehnt und aufgefordert, auszuziehen. Seitdem lebe ich unabhängig. Ich kann sagen, ich hatte keine schöne Kindheit. Ich habe schon als Kind sehr viele Herausforderungen meistern müssen, da ich nie jemanden hatte, der mich schützte und sicher durchs Leben führen konnte.

Das ließ in mir den Wunsch entstehen, etwas für schwule ausgegrenzte Kinder und Jugendliche zu tun. Ich möchte, dass sich die freie Liebe zwischen schwulen Männern und Frauen in Afrika normalisiert. Zur Zeit leben sie noch ein Leben im Geheimen. In vielen Ländern Afrikas sind gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten. Das hält uns jedoch nicht davon ab, weiterzuleben und zu lieben.

In Simbabwe engagieren sich Schwule seit Jahren in der Mode, in der Musikbranche, in kreativen Medien, in der Bildung, alles mit dem Ziel, die Geschlechternormative herauszufordern. Warum aber nicht auch ein professionelles Leben in der Politik oder in Menschenrechtsorganisationen? Unsere Möglichkeiten müssen in jedem Fall jenseits unserer Sexualität beurteilt werden.

Es geht mir darum, höher zu zielen, um Tag für Tag mehr für die LGBTIQ Gemeinschaft zu erreichen. Ich möchte meinen Lesern sagen, dass, was ich fordere, ist nicht bloße Akzeptanz, sondern ein Umdenken, ein Verständnis dafür, wer wir sind.

Während ich das schreibe, bin ich auf dem kanthari-Campus in Kerala, im Süden Indiens. Ich bin hier, um Fähigkeiten zu erwerben, wie man eine erfolgreiche Organisation leitet oder ein soziales Unternehmen führt. Ich möchte lernen, wie ich auf die effektivste Weise ein Umdenken in der Gesellschaft erzielen kann. Ich hoffe auch, mehr über Netzwerke und Partnerschaften zu erfahren und ich möchte wissen, was es braucht, um als erfolgreicher sozialer Changemaker zu agieren.

Ich werde mein Traum-Projekt durch Engagement und Enthusiasmus vorwärts bringen und dabei trete ich in einen Dialog mit anderen Changemakern aus der ganzen Welt ein.

Tyrones Organisation “Iromh-Africa” {I reach out my hand – Africa} richtet sich sowohl an Jugendliche, als auch an ältere Menschen, die aufgrund von Stigmatisierung keinen Zugang zur Gesundheitsvorsorge haben.