Der innere Konflikt

Biman Roy
2021 kanthari und Gründer von bon

Biman Roy ist ein kanthari aus dem Jahr 2021, er ist der Gründer von ‘bon’, eine Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Einzelpersonen und Gemeinschaften ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen. Bon möchte so Biodiversität fördern.

Riya und Chacko besuchten kürzlich Bimans Projekt in Belda, Westbengalen. Obwohl er nicht anwesend war, fühlten sie sich bei seinen tatkräftigen Mitarbeitern zu Hause. Sie führten Riya und Chacko in die verschiedenen Anbau-Methoden ein, zeigten ihnen das schöne Dorf und bereiteten ein köstliches Mahl. Ein Teller voller einheimischen Gemüsesorten und Wildpflanzen.

Im folgenden Blog schreibt Biman über einen inneren Konflikt, der oft diejenigen plagt, die den weniger ausgetretenen Pfad des sozialen Wandels beschreiten.

Der innere Konflikt

“Wenn du etwas willst, musst du danach greifen”. Das ist meine Einstellung zum Leben gewesen. Unabhängig davon, ob ich das bekam, was ich wollte, habe ich auch allein aus der Tatsache, dass ich mich darum bemüht habe, immer etwas gelernt. Zumindest war ich nachher weniger ignorant. Natürlich halfen mir die vielen inneren und äußeren Konflikte auch beim Lernen und meine Reise mit bon ist da keine Ausnahme.

Etwa vor einem Jahr habe ich mich nach 16 langen Jahren wieder in meinem Dorf niedergelassen. In diesem Blog möchte ich einen Blick auf die Konflikte werfen, die ich in diesem Jahr durchfechten musste.

Keine Freude bei den Eltern

Gleich nach meiner Rückkehr habe ich einen Garten angelegt. Ich sammelte getrocknete Blätter aus verschiedenen Teilen des Dorfes, um daraus Kompost zu machen, grub Erde aus, um Gemüsebeete anzulegen, und ich hackte Bambus, um ein Spalier zu bauen, usw. Das gefiel meinen Eltern gar nicht. Wie ich einst geträumt hatte, träumten sie heute immer noch davon, dass ich eines Tages Professor werden und Informatik unterrichten würde. Mein Traum änderte sich, und mein Verständnis über die Welt und den Sinn des Lebens veränderte sich ebenfalls.

Meine Eltern hängen aber noch an ihrem alten Traum.
In einem Entwicklungsland wie Indien, in dem es keine soziale Sicherheit gibt, investieren die Eltern in das Leben ihrer Kinder, und das hat Konsequenzen. In unserer Gesellschaft hat der Beruf des Professors einen viel höheren Stellenwert als der des Gärtners oder des Gründers einer gemeinnützigen Organisation. Es war nicht leicht für sie, mich mit “Dreck” arbeiten zu sehen, anstatt Menschen zu unterrichten. Das hat sie richtig verletzt.

Untere Mittelschicht

Hinzu kamen Sorgen um mein finanzielles Wohlergehen, da ich diesen wenig ausgetretenen Pfad wählte und keine stabilen Finanzen in Sicht waren.

Es gab Zeiten, in denen ich in meinem Zimmer am Computer arbeitete, und meine Mutter kam und mir Fragen stellte. Aber bevor ich sie beantworten konnte, fing sie oft an zu weinen. Das war nicht leicht zu ertragen, vor allem, da ich wusste, dass viele ihrer Sorgen berechtigt waren und ich keine guten Antworten darauf hatte.

Ich wuchs in einer Familie der unteren Mittelschicht auf. Mein Vater hat sich aus armen Verhältnissen hochgearbeitet. Ich aber habe nie wirklich gespürt, wie es sich anfühlt, etwas nicht zu haben, denn meine Eltern haben immer dafür gesorgt, dass ich alles hatte, was ich brauchte. Da sie so sind, wie sie sind, suchen sie verzweifelt nach einem Gefühl der Sicherheit, was auch immer sie tun. Das ging so weit, dass mein Vater, der einst zu einem meiner besten Freunde gehörte, aufhörte, mit mir zu reden.

Ich brauchte Klarheit

All das geschah zu einer Zeit, als ich nicht genau wusste, was ich mit bon erreichen wollte. Ich hatte ein Gefühl für die Richtung, aber es brauchte viel mehr Klarheit. Dieser Mangel an Klarheit zeigte sich, als ich mich an die Gemeinde wandte, um mit ihr ein Gartenprojekt zu starten. Diese anfänglichen Misserfolge brachten mein Selbstvertrauen und mein Selbstwertgefühl auf einen neuen Tiefpunkt. Ich zweifelte ernsthaft an meiner Entscheidung, zurückzukommen und das zu tun, was ich tat, nachdem ich ein “geregeltes Leben” im Ausland und eine liebevolle Partnerin verlassen hatte. Die ganze Situation war äußerst verwirrend und sehr, sehr unangenehm.

Und doch sitze ich hier und schreibe dies für die Öffentlichkeit. Viele meiner Hindernisse sind zu kleinen Meilensteinen geworden. Im Moment haben wir (außer mir) noch zwei Mitarbeiter, die Vollzeit in Bon beschäftigt sind. Wir arbeiten mit fünf Familien im Dorf, um Modellgärten anzulegen, wir haben einen Mentor, der uns hilft, einen Plan für bon für die nächsten zwei Jahre zu entwickeln, und meine Eltern haben sich auch ein wenig beruhigt.

Die Welt begann sich zu verändern, als ich feststellte, dass die meisten dieser äußeren Konflikte eine Widerspiegelung des Konfliktes in mir selbst waren. Offensichtlich habe ich gelernt (und lerne immer noch), mit diesen Konflikten umzugehen. Wie das geschah, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.

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