Flügel des Wandels

Caren Jobita
2024 kanthari Teilnehmerin aus Kenia

Aufgewachsen in Nyalenda in Kenia erlebte Caren aus erster Hand die schädlichen Auswirkungen der Ansammlung von Bio Abfällen auf Gesundheit, Umwelt und das Wohlbefinden der Gemeinschaft. Eine Konfrontation mit Kriminellen Aktivitäten die durch Arbeitslosigkeit gefördert wurden, verstärkten ihren Entschluss, eine Organisation zu gründen. Caren startete ihr Projekt im September 2022. Lesen Sie weiter…

Flügel des Wandels: Umwandlung von Abfall mit Schwarzen Soldatenfliegen in Nyalenda Slum, Kenia

Der schreckliche Geruch haftete an Amani Miti wie Klebstoff, während sie sich durch das Slum-Viertel von Nyalenda bewegte. Egal wie sehr sie es versuchte, sie konnte ihm nicht entkommen, besonders nicht, wenn sie ihre täglichen Aufgaben im Hühnerstall hinter ihrer Hütte erledigte. Die Hühnerzucht, ihre Haupteinnahmequelle, wurde zunehmend schwierig aufgrund der steigenden Futterkosten. Währenddessen verrotteten unter der gnadenlosen Sonne Haufen von Obstschalen, weggeworfenem Gemüse, Fischabfällen und wochenaltem Ugali-Brei und bildeten Brutstätten für Fliegen. Dies war die harte Realität des Lebens in Nyalenda, wo die lebensnotwendigen Dinge oft zu einer erstickenden Bedrohung wurden.

Der Gestank der Vernachlässigung: Nyalendas wachsende Müllprobleme

Einige Kinder spielten barfuß in der Nähe der Müllhaufen, obwohl die meisten sie mieden. In Amanis Gegend waren die Müllberge so groß geworden, dass ihre Kinder keinen Platz zum Spielen hatten, selbst wenn sie den Gestank ertragen könnten. Wenn der Fluss Auji bei Regen überlief, überschwemmte er ihr Zuhause und hinterließ noch mehr Abfälle und einen widerlichen Geruch. Die Luft, dick vom Verfall, stach in Amanis Nasenlöchern. Sie erinnerte sich an die Geschichten ihrer Großmutter, die von einer Zeit erzählte, als die Luft in Nyalenda noch frisch nach regennasser Erde roch und die Abende vom Lachen spielender Kinder unter grünen Mangobäumen erfüllt waren. Aber das war, bevor der Zustrom von Menschen das Land überwältigte und keinen Platz für etwas anderes als überquellende Mülltonnen und verrottende Haufen ließ.

Überlaufende Herausforderungen: Ein Kampf einer Mutter gegen den Abfall in Nyalenda

Eines Tages kam eine Gruppe junger, energischer Freiwilliger nach Nyalenda. Sie sprachen von den Gefahren unsachgemäßer Abfallentsorgung – die verstopften Abflüsse, die bei starkem Regen Überschwemmungen verursachten, die stinkenden Brutstätten für Insekten und Schädlinge, die sowohl die Alten als auch die Jungen ständig angriffen, sowie von der stinkenden Luft, die ihre Lungen erstickte. Amani hörte mit wachsender Unruhe zu. Sie hatte immer gewusst, dass der Geruch schlecht war, aber sie hatte das volle Ausmaß der Gefahren nicht erkannt. Sie wünschte sich, dass etwas gegen die Situation unternommen werden könnte. Obwohl Initiativen zur Sammlung von Plastikmüll begonnen hatten, kümmerte sich niemand um andere Müllarten. Die Annahme war, dass organischer Abfall harmlos sei, aber auch er verursacht erhebliche Probleme.

Denkweisen ändern: Die versteckten Bedrohungen des organischen Abfalls

Amani erkannte, dass die größte Herausforderung die Veränderung der Denkweisen war. Sie sah auch, dass sie und ihre Mitbewohner die Macht hatten, ihre Situation zu beeinflussen. Sie könnten damit beginnen, ordnungsgemäße Methoden der Müllentsorgung zu erlernen. Die meisten Haushalte hatten keine separaten Mülltonnen, und selbst diejenigen, die welche hatten, mischten am Ende alles wieder zusammen.

Das ließ mich – Caren – über innovative Wege nachdenken, dieses Problem anzugehen. Ich fühlte mich tief mit Amani verbunden, weil dies auch meine Gemeinschaft war. Ich fühlte ihre Frustrationen bis ins Mark. Eine Frage schwirrte mir ständig durch den Kopf: Was wäre, wenn unser Abfall gar kein Abfall wäre, sondern ein verborgener Schatz, der nur darauf wartet, entdeckt zu werden. 

Vom Abfall zur Chance: Das Potenzial von Nyalenda entdecken

Eines Tages nahm ich an einer Schulung über die Verwendung von schwarzen Soldatenfliegen teil. Diese können organischen Abfall in zwei Produkte umwandeln: Puppen und Dünger. Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege fressen organischen Abfall, und sobald sie ausreichend Gewicht haben, werden sie zu Puppen. Die Puppen können verwendet werden, um Hühner, Schweine und andere Tiere zu füttern. Ein Nebenprodukt ist Dünger.

Schwarze Soldatenfliegen: Transformation der Abfallkrise in Nyalenda

Es ist nun meine Mission, ein nachhaltiges Abfallmanagement-System einzuführen, das schwarze Soldatenfliegenlarven nutzt, um landwirtschaftliche, Küchen- und Marktabfälle wiederzuverwerten. Diese Initiative zielt darauf ab, nicht nur die Umweltqualität, sondern auch das soziale Wohlbefinden und wirtschaftliche Chancen zu verbessern, nicht nur in meiner Gemeinschaft, sondern auch darüber hinaus.

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