“Is anybody out there?!”

Sabriye Tenberken
kanthari Gründerin

Gut vernetzt, und doch abgeschnitten, 
so fühlt es sich an, das online Training.

“Hello?”, “Can you here us?”, “Is anybody out there?”

Wir alle sind mittlerweile gut vertraut mit den gegenseitigen Zusicherungen, ob man gehört oder gesehen wird. Ja, es ist fast zu einem Ritual am Beginn einer jeden Online-Trainingseinheit geworden. Und trotz der regelmäßig aufkommenden Unannehmlichkeiten, das schlecht oder gar nicht funktionierende Internet, Stromausfall, oder plötzliche Software Updates, die alles lahmlegen, sind Zoom, Teams und Google-meet seit Covid aus unseren Arbeitsvorgängen nicht mehr wegzudenken. Auch kanthari hat sechs Wochen des einjährigen Trainingsprogramms der virtuellen Ausbildung gewidmet. Das hat, besonders in unserem Fall einige Vorteile, die von Chacko und Riya, unseren beiden Katalysatoren so etwa zusammengefasst werden können:

Sie sehen das Online-Training als eine Art Pufferzone zwischen dem Intake Prozess, also der Auswahl der Teilnehmenden und dem eigentlichen Kurs-Beginn auf dem Campus. Wir lernen sie im Vorhinein schon ein wenig kennen, und so können wir erahnen, was da in den nächsten 7 Monaten, in denen wir auf engstem Raum zusammenleben, auf uns zu kommt. Außerdem machen wir uns nichts vor, es gibt kaum eine Alternative, Teilnehmende aus 12 und mehr Ländern für einige Stunden zusammenzubringen.

Stummschaltung

Und dann: Online schafft Beziehungen. Daher geben wir uns sechs Wochen lang die größte Mühe, freundlich und lebhaft rüberzukommen und ein bisschen von dem, was kanthari ausmacht, über online zu vermitteln.

Um die Interaktivität unserer Methoden zu gewährleisten, arbeiten wir mit Kleingruppen von vier bis sechs Personen. Jede Gruppe durchläuft das gleiche Programm, das aus zwei bis drei wöchentlichen Lerneinheiten besteht. Interaktivität bedeutet aber vor allem Dialog oder sogar Diskussionen in der Gruppe. Wie aber kann diskutiert werden, wenn, aus hörtechnischen Gründen nur einer zurzeit sprechen kann? Ganz einfach, die anderen sind auf Stumm geschaltet.

Nun, das wünscht man sich manchmal auch im physischen Miteinander. Es wird nicht mehr planlos dazwischen geplappert, und wer es doch versucht, dem wird das Mikro abgestellt. Aber demokratisch ist das nicht unbedingt. Denn der “Host”, also derjenige, der zum Online-Training einlädt, hat die absolute Macht darüber, wer reden darf und wer nicht. So mutiert das Online-Training wieder zum Frontal-Unterricht mit Fokus auf das Lehrpersonal.

Der Vibe fehlt...

Aber Moment mal! Meine ich wirklich Fokus? Die Frage ist doch, wie viel Fokus können wir von den Online Lernenden wirklich erwarten? Obwohl wir mit allen Mitteln versuchen, durch Fragestellungen, anregende Themenauswahl und Spielen die Teilnehmenden bei der Stange zu halten, können wir oft nicht mit Sicherheit beschwören, ob das Video wegen schlechter Netzverbindungen abgeschaltet ist, oder weil die Eine oder der Andere nicht gerne beim Nickerchen gestört wird. Es fehlt der Augenkontakt, die bestätigenden Zwischen-Kommentare wie “Aha!”, “Oh Nein!”, “Ach so!”, und es fehlt ganz einfach der “Vibe”, die Stimmung, die für richtigen Lernerfolg ausschlaggebend ist.

Gutes Feedback von Teilnehmenden

Trotz alle dem, vielleicht sind sie auch nur höflich, bekommen wir im Allgemeinen für unsere Online-Einheiten recht gute Evaluierungen.

Caren aus Kenia: Die Green-Room-Erfahrung (wir nennen den Online-Kurs “Green-Room”) war Großartig. Obwohl es virtuell war, fühlte es sich fast wie ein physischer Kurs an. Es war wirklich toll, uns mit den anderen während der Sitzungen zu vernetzen. Ich kann es kaum erwarten, endlich alle persönlich zu treffen!“

Gabriela aus Bolivien: „Der Online-Kurs hat mir ermöglicht, mich allmählich an die Lehr-Lern-Methoden anzupassen und die Gruppe der Teilnehmenden kennenzulernen. In meinem Fall habe ich immer noch Schwierigkeiten, mich fließend auf Englisch auszudrücken, aber diese Zeit hat mir geholfen, meine Hör-, Schreib- und Lesefähigkeiten zu verbessern.

Unser Fazit: der Online-Kurs ist eine wichtige Phase, um sich gegenseitig zu beschnuppern. Und obwohl 20 bis 25 Teilnehmende aus der ganzen Welt, mit den unterschiedlichsten Hintergründen, Themenschwerpunkten und Temperamenten sieben Monate lang bei der Stange und interessiert zu halten, keine einfache Aufgabe ist, sehnen wir uns danach, die fünfzehnte Generation hier physisch auf dem kanthari Campus zu begrüßen.

Wir halten Euch auf dem Laufenden und werden unsere regelmäßigen Blog-Beiträge wieder aufnehmen. Bis dann wünsche ich einen gelungenen Start in die Sommerzeit!

Sabriye, Paul und das gesamte kanthari Team

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