Von der Strasse zur Resilienz

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Soku, Oyo, Nigeria
Gegründet von kanthari
Israel Balogun
Lehrgang
2022
Projektdauer
November 2025 - Dezember 2026
Projektbudget
USD 67'500
In Nigeria leben Millionen Kinder und Jugendliche auf der Strasse, gefangen in Gewalt, Hunger, Ausbeutung und einem Leben ohne Perspektive. AKHIN gibt 50 dieser jungen Menschen ein sicheres Zuhause, tägliche Mahlzeiten, Therapie, Bildung und Berufsbildung. Durch die Kombination aus Stabilität, Anleitung und Gemeinschaft können sie heilen, ihren eigenen Wert erkennen und eine nachhaltige Zukunft aufbauen. Das AKHIN Village schafft einen Ort, an dem ehemalige Strassenjugendliche ihre eigenen Talente entdecken und Schritt fuer Schritt in ein selbstbestimmtes Leben hineinwachsen.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
Nigeria zählt zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Anteil an obdachlosen Menschen; rund 24 Millionen sind betroffen, darunter zahllose Kinder und Jugendliche. Viele werden von Armut, zerfallenen Familien, frühen Ehen, Missbrauch oder Vertreibung in die Strasse gedrängt. Dort beginnt ein Kampf ums Überleben, der von Hunger, Gewalt, Ausbeutung und starker Stigmatisierung geprägt ist. Mädchen rutschen in die Prostitution ab, Jungen werden in Kleinkriminalitaet oder Gangs hineingezogen. Zugang zu Schutz, Bildung oder Gesundheitsversorgung existiert kaum, und die Gesellschaft sieht sie eher als Gefahr denn als junge Menschen in Not. Diese Jugendlichen tragen viel Energie und Potenzial in sich, doch ohne ein stabiles Umfeld bleibt kein Raum für Entwicklung. Geschichten wie jene von Samson, der mit zehn Jahren in die Strasse floh und beinahe starb, oder Esther, die als Teenager prostituiert wurde, stehen stellvertretend für tausende Schicksale. Trotz tiefem Trauma zeigen viele den ungebrochenen Willen zu lernen und ihr Leben zu ändern. Was fehlt, ist ein sicherer Ort, der sie auffängt, ihnen Halt gibt und Wege in Bildung und Beruf öffnet. Ohne solche strukturierten Chancen setzt sich der Kreislauf von Armut, Ausgrenzung und Hoffnungslosigkeit fort.
Direkt: 50 Jugendliche im Alter von 12–22 Jahren, die in AKHIN Village leben, rehabilitiert und ausgebildet werden. Indirekt: ihre Familien, lokale Arbeitgeber, die Nachbarschaft und die weitere Gemeinschaft, die von qualifizierten, stabilen und integrierten jungen Erwachsenen profitiert.
AKHIN durchbricht den Kreislauf von Strassenleben und Armut mit einem klar strukturierten Ansatz aus Reha, Bildung und Integration. Im AKHIN Village finden die Jugendlichen zuerst Sicherheit, verlässliche Betreuung, tägliche Mahlzeiten und einen Rhythmus, der Stabilität schafft. Durch Sport, Trauma-Verarbeitung und Storytelling lernen sie, wieder Vertrauen zu fassen und ihre eigenen Talente wahrzunehmen. Danach folgen Alphabetisierung, schulische Angebote oder eine praxisorientierte Berufsbildung, die in Werkstätten stattfindet, die gleichzeitig kleine Trainingsunternehmen sind. Die Jugendlichen erstellen echte Produkte, lernen Teamarbeit, Qualitaetsstandards und grundlegende Finanzkompetenzen. Die Ausbildung deckt nachgefragte Bereiche wie Schreinerei, Fashion, Bauhandwerk, Elektrotechnik, Landwirtschaft, Kosmetik und Medienproduktion ab. Berufe, die ihnen reale Einkommenschancen bieten. Mentorinnen und Mentoren, viele selbst ehemalige Strassenkinder, begleiten sie durch konfliktgeladene Anfangsphasen bis hin zu Praktika, Lehrstellen oder dem Start kleiner eigener Geschaefte. Durch Begegnungen mit der lokalen Gemeinschaft, sportliche Events und gemeinsame Projekte wachsen Selbstwert, Sichtbarkeit und Vertrauen. So wird das AKHIN Village zu einem Ort, der nicht nur schützt, sondern in ein echtes, selbstständiges Leben führt.
Die Wirkung des Projekts zeigt sich in den jungen Menschen, die im AKHIN Village zum ersten Mal seit Jahren zur Ruhe kommen. Jugendliche, die zuvor in einem Umfeld aus Gewalt, Hunger und Ablehnung lebten, finden hier Sicherheit, Struktur und Menschen, die an sie glauben. Viele kommen mit tiefen Verletzungen an, misstrauisch und überfordert, doch bereits nach wenigen Wochen beginnt ein Prozess, der sichtbar macht, wie viel mehr in ihnen steckt. Durch tägliche Routinen, Therapie, Sport und eine Gemeinschaft, die sie trägt, kehrt Selbstwert zurück. Sie entwickeln Stolz, weil sie in Werkstätten echte Produkte herstellen, weil sie Herausforderungen bestehen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Bildung und Berufsbildung öffnen ihnen die Tür in eine Zukunft, die sie vorher nicht sehen konnten. Mit der Zeit verändert sich nicht nur ihr Verhalten, sondern auch ihr Blick auf sich selbst und auf die Welt. Aus Kindern, die sich selbst aufgegeben hatten, werden junge Erwachsene, die Pläne schmieden, zur Schule zurückkehren, einen Beruf lernen oder ein eigenes kleines Geschäft starten. Ihre Entwicklung zeigt, dass ein sicherer Ort und stabile Beziehungen mehr bewirken können als jede kurzfristige Hilfe: Sie schaffen die Grundlage für ein Leben in Würde, Perspektive und sozialer Teilhabe.

kanthari Alumni

Israel Balogun

Israel Balogun weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, als Kind in der Strasse zu ueberleben. Er wuchs in extremer Armut auf, in einer Familie mit 26 Kindern. Als seine Eltern sich trennten, blieb ihm kein Zuhause mehr, und mit zehn Jahren floh er in die Strasse. Um zu überleben, stahl er, kämpfte und geriet in Gewalt, bis er mit 22 Jahren nach einer Gangschlägerei schwer verletzt liegen blieb. Ein unbekannter Mann nahm ihn fürsorglich bei sich auf und gab ihm sechs Monate lang ein sicheres Dach über dem Kopf. Diese unerwartete Menschlichkeit veränderte alles. Israel lernte lesen und schreiben, holte Schulbildung nach und hielt sich mit kleinen Jobs über Wasser. Sein eigener Weg aus der Strasse machte ihm klar, wie stark ein geschütztes Umfeld wirken kann. Er gründete AKHIN, weil er wusste, dass niemand seine Kindheit erleben sollte. Heute arbeitet er mit ehemaligen Strassenkindern, die wie er ihr Leben transformiert haben, und baut mit ihnen einen Ort, der jungen Menschen gibt, was er selbst einst brauchte: Sicherheit, Halt, Ausbildung und eine echte Chance.