Wieder ins Leben zurück

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Karnataka, Indien
Gegründet von kanthari
Sijo Varghese
Lehrgang
2024
Projektdauer
Dezember 2025 - Dezember 2027
Projektbudget
USD 25'000
In Indien bedeutet eine Rückenmarksverletzung oft ein Leben in Abhängigkeit, Isolation und Armut. Nach dem Spital fehlt es an Rehabilitation, psychologischer Begleitung und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Bahaal Foundation unterstützt Betroffene mit Training, Beratung und Peer Mentoring, damit sie wieder selbstständig leben können. Gleichzeitig klärt das Projekt über Unfallprävention auf und schult Familien und Gemeinschaften. So entsteht ein Weg zurück ins Leben, der nicht bei der Behandlung endet, sondern bei Würde und Teilhabe beginnt.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
Eine Rückenmarksverletzung verändert in Indien das ganze Leben. Viele Betroffene sind jung, oft Alleinverdiener ihrer Familie. Nach einem Unfall verlieren sie nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch ihre Arbeit, ihre Rolle in der Gemeinschaft und oft ihre Hoffnung. In vielen Regionen endet die Unterstützung nach dem Spital. Rehabilitation ist teuer oder gar nicht vorhanden. Wissen über richtige Ersthilfe fehlt, wodurch Verletzungen schlimmer werden als nötig. Falsches Lagern oder Transportieren kann dauerhafte Schäden verursachen. Zu Hause beginnt ein schwerer Alltag. Druckgeschwüre, Infektionen und Schmerzen sind häufig, weil niemand weiss, wie man richtig pflegt oder trainiert. Familien sind überfordert, Beziehungen zerbrechen, Einkommen fällt weg. Viele Betroffene ziehen sich zurück, entwickeln Depressionen oder verlieren den Lebensmut. Hinzu kommt die Haltung der Gesellschaft. Behinderung wird oft als Schwäche gesehen. Öffentliche Gebäude, Verkehrsmittel und Arbeitsplätze sind kaum zugänglich. Menschen mit Rückenmarksverletzung verschwinden aus dem öffentlichen Leben, obwohl viele mit der richtigen Unterstützung ein selbstbestimmtes Leben führen könnten.
Direkt profitieren rund 500 Menschen mit Rückenmarksverletzung durch Training, Beratung und Begleitung. Indirekt erreicht das Projekt über 2000 Jugendliche, Familienangehörige und Fachpersonen durch Präventionsarbeit, Schulungen und Sensibilisierung.
Die Bahaal Foundation setzt dort an, wo die meisten Programme aufhören. Nach dem Spital beginnt für viele Betroffene die schwierigste Zeit. Genau hier startet das Projekt. In Karnataka werden Menschen mit Rückenmarksverletzung über zwei Jahre hinweg begleitet. Das Training findet in kleinen Gruppen und in Einzelbetreuung statt. Die Teilnehmenden lernen, sich sicher im Rollstuhl zu bewegen, vom Bett in den Rollstuhl zu wechseln, Hindernisse zu überwinden und ihren Körper richtig zu entlasten. Diese Fähigkeiten entscheiden darüber, ob jemand abhängig bleibt oder wieder selbstständig leben kann. Parallel dazu erhalten die Teilnehmenden psychosoziale Begleitung. Gespräche, Gruppentreffen und Peer Mentoring helfen, mit Angst, Scham und Depression umzugehen. Besonders wichtig ist der Austausch mit Menschen, die selbst eine Rückenmarksverletzung haben und zeigen, dass ein erfülltes Leben möglich ist. Auch die Familien werden einbezogen. Sie lernen, wie sie pflegen können, ohne selbst auszubrennen. Gleichzeitig arbeitet das Projekt mit Schulen, Hochschulen und Betrieben zusammen. In Workshops lernen Jugendliche und Erwachsene, wie Unfälle vermieden werden können und wie man im Notfall richtig handelt. Durch diese Kombination aus Prävention, Training und Begleitung entsteht ein durchgehender Weg zurück ins Leben, nicht nur körperlich, sondern auch sozial und emotional.
Wenn jemand nach Monaten zum ersten Mal allein vom Bett in den Rollstuhl wechseln kann, verändert sich mehr als der Körper. Es entsteht wieder Vertrauen. Viele Teilnehmende kommen ins Projekt mit Angst, Scham und dem Gefühl, für ihre Familie eine Last zu sein. Schritt für Schritt lernen sie, ihren Körper neu zu kontrollieren. Sie bewegen sich sicherer, werden stärker, brauchen weniger Hilfe. Mit der körperlichen Selbstständigkeit wächst auch der Mut. Menschen beginnen wieder zu planen. Einige nehmen eine Ausbildung auf, andere finden Arbeit oder starten ein kleines Einkommen. Familien spüren Entlastung, weil Pflege nicht mehr rund um die Uhr nötig ist. Beziehungen stabilisieren sich. Auch die Wirkung in der Gesellschaft ist sichtbar. Wenn Menschen mit Rollstuhl wieder zur Arbeit gehen, in die Schule zurückkehren oder öffentlich auftreten, verändert sich die Sicht auf Behinderung. Sie werden nicht mehr als Opfer gesehen, sondern als Menschen mit Fähigkeiten. Die Präventionsarbeit schützt zusätzlich viele junge Menschen vor vermeidbaren Verletzungen. Wissen über Erste Hilfe kann entscheiden, ob jemand laufen kann oder sein Leben im Rollstuhl verbringt.

kanthari Alumni

Sijo Varghese

Als Sijo neun Jahre alt war, fiel beim Spielen ein kleiner Ball vom Dach. Er kletterte hinterher und stürzte. Metallstangen durchbohrten seinen Körper. Auf dem Weg ins Spital verlor er das Gefühl in seinen Beinen. Ärzte sagten, er werde vielleicht überleben, aber nie wieder gehen. Die Jahre danach waren geprägt von Schmerzen, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Nach der Behandlung gab es keine Rehabilitation, keine Begleitung, keine Perspektive. Sijo musste lernen, mit seinem neuen Leben allein zurechtzukommen. Druckgeschwüre, Schulabbruch und Depression bestimmten seine Jugend. Alles änderte sich, als er einen anderen Mann traf, der ebenfalls mit einer Rückenmarksverletzung lebte. Zum ersten Mal sah Sijo, dass ein erfülltes Leben trotzdem möglich ist. Diese Begegnung gab ihm eine Richtung. Heute hat er die Bahaal Foundation gegründet, damit niemand mehr so allein kämpfen muss wie er.