Aufwachsen ohne Angst

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Santa Cruz de la Sierra, Bolivien
Gegründet von kanthari
Gabriela Zambrana
Lehrgang
2024
Projektdauer
Dezember 2025 - Dezember 2027
Projektbudget
USD 23'000
In Santa Cruz wachsen viele Kinder mit Gewalt auf. Schläge, Drohungen und Angst gehören für viele Familien zum Alltag. Das Projekt von Enla-C arbeitet direkt mit Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. In Workshops lernen Eltern gewaltfreie Erziehung, Kinder stärken ihr Selbstvertrauen und Jugendliche werden zu Vorbildern für andere. So entsteht Schritt für Schritt ein Umfeld, in dem Respekt stärker ist als Angst und Beziehung stärker als Strafe.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
Gewalt gegen Kinder ist in Santa Cruz kein Einzelfall, sondern Teil des Alltags. Viele Kinder erleben zu Hause Schläge, Demütigung oder ständige Angst. In Bolivien wurden allein 2024 über 9800 Fälle von Gewalt gegen Minderjährige registriert. Täglich werden Fälle von sexualisierter Gewalt gemeldet, und ein grosser Teil bleibt unsichtbar, weil Kinder nicht sprechen oder niemand zuhört.Armut, Überforderung und traditionelle Vorstellungen von Erziehung führen dazu, dass körperliche Strafen oft als normal gelten. Eltern handeln nicht immer aus Bosheit, sondern aus Hilflosigkeit. Sie haben selbst Gewalt erlebt und kennen keine anderen Wege. Schulen und Behörden greifen meist erst ein, wenn die Situation eskaliert. Präventive Angebote fehlen.Viele Kinder wachsen deshalb in einem Umfeld auf, in dem Angst stärker ist als Vertrauen. Sie lernen früh zu schweigen, sich anzupassen oder selbst Gewalt anzuwenden. Diese Erfahrungen prägen ihr ganzes Leben und setzen den Kreislauf in der nächsten Generation fort.
Direkt profitieren Kinder und Jugendliche aus prekären Stadtteilen von Santa Cruz sowie ihre Eltern, Grosseltern und Betreuungspersonen.Indirekt profitieren Geschwister, Lehrpersonen, Schulen und ganze Nachbarschaften, weil sich das Verhalten in Familien sichtbar verändert und neue Vorbilder entstehen.
Das Projekt arbeitet gleichzeitig mit Kindern, Jugendlichen und Eltern, damit Veränderung nicht nur im Workshop passiert, sondern im Alltag sichtbar wird. Im ersten Schritt wird die Organisation Enla-C rechtlich und organisatorisch gestärkt. In Bolivien ist die Anerkennung als NGO ein langer Prozess. Während dieser Zeit werden Partnerschaften mit Schulen und Gemeinden aufgebaut, damit das Projekt fest in der Gemeinschaft verankert ist.Im zweiten Schritt arbeiten Trainerinnen direkt mit Eltern und Betreuungspersonen aus periurbanen Quartieren. In moderierten Workshops lernen sie, wie gewaltfreie Erziehung funktioniert. Sie üben, wie man Konflikte ohne Strafe löst, wie man Gefühle erkennt und wie man Kindern Sicherheit gibt. Besonders engagierte Teilnehmende werden zusätzlich ausgebildet, damit sie später selbst Gruppen begleiten können.Parallel dazu nehmen Kinder und Jugendliche an regelmässigen Workshops teil. Dort lernen sie, ihre Gefühle zu verstehen, Grenzen zu setzen und Hilfe zu suchen, wenn sie sich unsicher fühlen. Jugendliche werden als Multiplikatoren ausgebildet und geben ihr Wissen in Schulen und Gemeinden weiter.Alle Teile des Projekts greifen ineinander. Eltern, Kinder und Jugendliche kommen aus denselben Quartieren. Dadurch verändert sich nicht nur eine einzelne Familie, sondern das Umfeld. Schritt für Schritt entsteht eine Kultur, in der Respekt wichtiger ist als Angst
Die Veränderung beginnt oft leise. Ein Kind traut sich zum ersten Mal zu sagen, dass es Angst hat. Eine Mutter merkt, dass Zuhören mehr bewirkt als Schreien. Ein Vater entdeckt, dass Nähe stärker ist als Strafe. Wenn Familien lernen, anders miteinander umzugehen, verändert sich der Alltag. Konflikte eskalieren seltener. Kinder fühlen sich sicherer zu Hause und in der Schule. Jugendliche gewinnen Selbstvertrauen und übernehmen Verantwortung für andere. Besonders wichtig ist, dass das Wissen nicht bei den Workshops bleibt. Eltern geben es weiter, Jugendliche werden Vorbilder, und neue Gruppen entstehen. So wächst eine Bewegung, die Gewalt nicht mehr als normal akzeptiert.Schulen berichten, dass Kinder ruhiger werden und besser miteinander umgehen. Familien erzählen, dass Gespräche möglich werden, die früher in Streit geendet hätten. Kleine Veränderungen im Verhalten führen zu grossen Veränderungen im Zusammenleben.Die Wirkung dieses Projekts geht über zwei Jahre hinaus. Wer gelernt hat, ohne Gewalt zu leben, gibt diese Erfahrung weiter. Kinder, die ohne Angst aufwachsen, werden später selbst Eltern, die ihre Kinder schützen. So entsteht langsam eine neue Generation, die weiss, dass Frieden nicht in Gesetzen beginnt, sondern im Alltag zu Hause.

kanthari Alumni

Gabriela Zambrana

Gabriela ist in einem Umfeld aufgewachsen, in dem emotionale Kontrolle und Gewalt zum Alltag gehörten. Diese Erfahrungen haben sie geprägt, aber sie haben sie nicht gebrochen. Schon früh entschied sie, dass sie diesen Kreislauf nicht weitergeben will.Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie mit Kindern, Jugendlichen und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Sie hat gesehen, wie Gewalt von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird, oft ohne dass jemand merkt, dass es auch anders gehen könnte. Genau deshalb gründete sie Enla-C. In ihrer Arbeit geht es nicht darum, Eltern zu verurteilen, sondern ihnen neue Wege zu zeigen. Sie nutzt Geschichten, Musik und gemeinsames Lernen, um Vertrauen aufzubauen. Familien sollen spüren, dass sie nicht allein sind und dass ein anderes Miteinander möglich ist.