Wenn Kinder vor Gericht stehen

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Kampala, Uganda
Gegründet von kanthari
Maria Opolot
Lehrgang
2024
Projektdauer
Dezember 2025 - Dezember 2027
Projektbudget
USD 38'000
In Uganda geraten jedes Jahr viele Kinder in Konflikt mit dem Gesetz und landen im Gefängnis, oft ohne Anwalt oder Unterstützung. Sie bleiben monatelang in Haft, werden falsch als Erwachsene eingestuft oder verpassen Gerichtstermine, weil niemand sie begleitet. Ikoku sorgt dafür, dass Kinder rechtlich vertreten werden, psychologische Hilfe bekommen und nach der Haft wieder in ihre Familien und in die Schule zurückfinden. So wird verhindert, dass ein Fehler in der Kindheit ein ganzes Leben zerstört.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
In Uganda kommen jedes Jahr tausende Kinder mit dem Justizsystem in Kontakt. Viele wachsen in Armut auf, haben keine Geburtsurkunde und niemanden, der ihre Rechte kennt oder verteidigt. Genau das macht sie besonders verletzlich. Kinder werden länger als erlaubt in Polizeizellen festgehalten, ohne Anwalt verhört oder vor Gericht gestellt, ohne zu verstehen, was passiert. Manche werden sogar als Erwachsene registriert, obwohl sie noch minderjährig sind. Gerichtstermine werden verschoben, weil kein Transport vorhanden ist. Aus wenigen Tagen werden Wochen oder Monate in Haft. Die Einrichtungen sind überfüllt, Betreuung fehlt, und psychologische Unterstützung gibt es kaum. Angst, Wut und Trauma bleiben unbehandelt. Wenn Kinder entlassen werden, tragen sie ein Stigma, das ihnen den Weg zurück in Schule und Gemeinschaft fast unmöglich macht. Dieses Zusammenspiel aus fehlender rechtlicher Hilfe, mangelnder Betreuung und strukturellen Problemen zerstört Zukunft in einem Alter, in dem Kinder Schutz brauchen, nicht Strafe.
Direkt profitieren rund 60 Kinder zwischen 12 und 17 Jahren durch rechtliche Begleitung sowie etwa 80 Kinder durch intensive psychosoziale Programme. Indirekt profitieren ihre Familien, Mitarbeitende in Polizei und Gerichten sowie Gemeinschaften, die lernen, Kinder zu unterstützen statt sie auszugrenzen.
Ikoku begleitet Kinder vom ersten Kontakt mit der Polizei bis zum Abschluss ihres Gerichtsverfahrens. Jedes Kind erhält eine durchgehende rechtliche Vertretung. Dadurch wird sichergestellt, dass gesetzliche Fristen eingehalten werden, Kinder nicht ohne Beistand verhört werden und Verfahren kindgerecht ablaufen. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist die Altersabklärung. Viele Kinder haben keine Geburtsurkunde. Das Projekt organisiert medizinische Untersuchungen, damit ihr Alter offiziell bestätigt wird. So wird verhindert, dass sie als Erwachsene verurteilt oder in falsche Haftanstalten gebracht werden. Damit Kinder überhaupt zu ihren Gerichtsterminen kommen, stellt das Projekt sicheren Transport bereit. Ohne diese Unterstützung bleiben viele Kinder länger in Haft, nur weil sie nicht rechtzeitig vor Gericht erscheinen können. Kinder mit längerer Haftzeit nehmen zusätzlich an zweiwöchigen Rehabilitationsprogrammen teil. Dort lernen sie, mit Angst, Wut und Stress umzugehen. Familien werden einbezogen, damit die Rückkehr nach Hause gelingt. Die Arbeit läuft über zwei Jahre und verbindet Rechtsschutz, psychologische Stabilisierung und Vorbereitung auf ein neues Leben ausserhalb des Gefängnisses.
Ein Kind sitzt im Gerichtssaal und versteht zum ersten Mal, was geschieht. Neben ihm sitzt jemand, der erklärt, zuhört und bleibt. Dieses Projekt verändert genau diesen Moment. Kinder stehen nicht mehr allein vor dem System. Mit rechtlicher Unterstützung verkürzen sich Haftzeiten, falsche Einstufungen werden verhindert und Verfahren kommen endlich voran. Ein Kind, das früher monatelang in einer Zelle geblieben wäre, kann nach kurzer Zeit wieder nach Hause zurückkehren. Die psychosoziale Begleitung hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Kinder lernen, über ihre Angst zu sprechen, Vertrauen aufzubauen und wieder an sich selbst zu glauben. Familien werden vorbereitet, damit sie ihre Kinder aufnehmen können, statt sie abzulehnen. Die Wirkung zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern in Lebenswegen. Kinder bleiben in der Schule, finden zurück in ihre Gemeinschaft und haben wieder eine Zukunft. Jeder Fall, der richtig begleitet wird, verhindert ein Leben voller Stigma, Gewalt und Hoffnungslosigkeit.

kanthari Alumni

Maria Opolot

Maria weiss, wie es sich anfühlt, als Kind dem Justizsystem ausgeliefert zu sein. Als Jugendliche wurde sie selbst inhaftiert. Sie verstand nicht, was geschah. Es gab keinen Anwalt, keine Erklärung, niemanden, der auf ihrer Seite stand. Diese Zeit hat ihr Leben verändert. Sie verlor Vertrauen, musste die Schule abbrechen und brauchte Jahre, um wieder einen Weg zu finden. Genau aus dieser Erfahrung entstand Ikoku. Maria entschied, dass kein Kind das erleben soll, was sie erlebt hat. Sie wurde Anwältin und begann, Kinder zu verteidigen, die wie sie ohne Schutz vor Gericht standen. Heute arbeitet sie mit Polizei, Gerichten und Familien zusammen, damit Kinder nicht im System verloren gehen. Für sie ist jedes Kind mehr als ein Fall. Es ist ein Leben, das noch offen ist. Ikoku ist kein theoretisches Projekt. Es ist die Antwort einer Frau, die selbst erlebt hat, wie viel ein einziger Mensch verändern kann, wenn er nicht wegschaut.