Von Stille zu Stärke

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Koboko District, Uganda
Gegründet von kanthari
David Wayi
Lehrgang
2024
Projektdauer
Januar 2026 - Juli 2028
Projektbudget
USD 38'000
In Uganda wachsen viele gehörlose Kinder ohne Sprache auf. Sie verstehen ihre Familien nicht, werden in Schulen übersehen und später vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. LIDIT durchbricht diesen Kreislauf. Mit Gebärdensprach-Lernmaterialien, Schulungen für Eltern und Lehrpersonen sowie praktischer Berufsausbildung erhalten gehörlose Kinder und Jugendliche erstmals echte Chancen. Das Projekt stärkt nicht nur einzelne Menschen, sondern verändert auch das Denken ganzer Gemeinschaften über Behinderung und Inklusion.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
Das eigentliche Problem ist nicht die Gehörlosigkeit, sondern die Isolation, die daraus entsteht, wenn niemand kommunizieren kann. In Koboko wachsen viele gehörlose Kinder ohne Zugang zu Sprache auf. Zuhause fehlt oft jede Möglichkeit zur Verständigung. Eltern wissen nicht, wie sie mit ihren Kindern sprechen können. Nähe geht verloren, Missverständnisse prägen den Alltag, und viele Kinder wachsen emotional abgeschnitten auf. In den Dörfern hält sich hartnäckig der Glaube, Gehörlosigkeit sei ein Fluch. Viele Kinder werden versteckt oder ausgeschlossen. Besonders Mütter tragen die Last, werden oft verantwortlich gemacht und manchmal verlassen. So verschärft sich Armut. Auch in Schulen fehlt es an Gebärdensprache und angepasstem Unterricht. Kinder sitzen im Klassenzimmer, ohne wirklich teilnehmen zu können. Später fehlen Ausbildung und berufliche Perspektiven. Viele junge gehörlose Menschen landen in prekären Jobs oder bleiben vollständig abhängig von ihren Familien. Nicht, weil ihnen Fähigkeiten fehlen, sondern weil ihnen der Zugang verwehrt wurde.
Direkt profitieren rund 2’000 gehörlose Kinder und Jugendliche, die Zugang zu Gebärdensprache und Lernmaterialien erhalten. Hinzu kommen 20 gehörlose Jugendliche pro Ausbildungszyklus, die praktische Fähigkeiten und Einkommensmöglichkeiten aufbauen. Rund 200 Eltern und Betreuungspersonen lernen Gebärdensprache und verbessern die Kommunikation im Alltag. Lehrpersonen werden gezielt geschult. Indirekt profitieren Familien, Geschwister, Schulen, lokale Arbeitgeber und ganze Dorfgemeinschaften, weil Vorurteile abgebaut und Inklusion sichtbar gelebt wird.
LIDIT setzt genau dort an, wo Ausgrenzung beginnt: beim fehlenden Zugang zu Sprache. Ohne Sprache gibt es kein Lernen, keine Beziehung und keine echte Teilhabe. Mit dem Projekt REDEEM baut LIDIT in Koboko ein Gebärdensprach-Multimedia-Studio auf, in dem über 50 altersgerechte Lerninhalte in Gebärdensprache entwickelt werden. Diese Inhalte machen Bildung für gehörlose Kinder erstmals verständlich und zugänglich. Sie lernen nicht länger über Umwege oder durch ständiges Raten, sondern in ihrer eigenen Sprache. Das verändert ihren Zugang zu Wissen grundlegend. Gleichzeitig werden Eltern und Betreuungspersonen aktiv eingebunden. Sie lernen Gebärdensprache und erhalten praktische Unterstützung für den Alltag. Dadurch entsteht etwas, das für viele Familien neu ist: echte Kommunikation. Kinder werden gehört, obwohl sie nicht hören. Auch Lehrpersonen werden geschult, damit Gebärdensprache und inklusive Methoden in den Schulalltag einfliessen. So wird aus einem isolierten Kind ein aktiver Teil der Klasse. Mit ENRICH geht LIDIT den nächsten entscheidenden Schritt: Jugendliche erhalten praktische Berufsausbildungen und lernen Unternehmertum, Finanzwissen und Selbstständigkeit. Sie produzieren, verkaufen und verdienen eigenes Geld. So entsteht nicht nur Bildung, sondern wirtschaftliche Unabhängigkeit, Selbstvertrauen und eine reale Zukunftsperspektive.
Die Veränderung beginnt oft mit etwas Kleinem: Ein Kind versteht zum ersten Mal, was im Unterricht passiert. Es erkennt Zeichen, antwortet, beteiligt sich. Was vorher stille Überforderung war, wird zu aktivem Lernen. Kinder, die als „schwierig“ oder „langsam“ galten, zeigen plötzlich, was in ihnen steckt. Nicht, weil sie sich verändert haben, sondern weil der Zugang endlich stimmt. Zu Hause ist die Wirkung oft noch tiefer. Wenn Eltern Gebärdensprache lernen, verändert sich die Beziehung zu ihrem Kind grundlegend. Aus jahrelanger Sprachlosigkeit werden Gespräche. Aus Distanz wird Nähe. Viele Eltern berichten, dass sie ihr Kind zum ersten Mal wirklich kennenlernen. Das stärkt Familien und verhindert, dass Kinder versteckt, ausgeschlossen oder aufgegeben werden. Für Jugendliche ist die Veränderung unmittelbar spürbar. Mit praktischen Fähigkeiten und eigenem Einkommen gewinnen sie etwas, das ihnen oft ihr ganzes Leben abgesprochen wurde: Selbstbestimmung. Sie können für sich sorgen, Entscheidungen treffen und werden in ihren Familien und Gemeinden anders wahrgenommen. Wenn eine Gemeinschaft erlebt, dass gehörlose Menschen lernen, arbeiten und beitragen, verändert sich der Blick auf Behinderung. Vorurteile verlieren an Kraft. Aus Mitleid wird Respekt. Aus Unsichtbarkeit wird Zugehörigkeit. Dieses Investment verändert nicht nur einzelne Leben. Es verändert das soziale Gefüge einer ganzen Region.

kanthari Alumni

David Wayi

David Wayi weiss, was es bedeutet, jemanden zurücklassen zu müssen. Als Kind lebte er in einem Flüchtlingslager in Uganda. Dort war Simon sein engster Freund, ein Junge mit mehrfachen Behinderungen. Als das Lager angegriffen wurde, musste David fliehen. Simon konnte nicht mitrennen. Seine Worte „David, verlass mich nicht“ haben sich tief eingebrannt. Simon wurde später tot gefunden. Diese Erfahrung prägt Davids Leben bis heute. Sie wurde zum Grundstein für LIDIT. Für ihn geht es nicht um Wohltätigkeit. Es geht um Verantwortung. Um Menschen, die zu oft übersehen werden. Seit 2021 baut David sichere Räume für gehörlose Menschen auf. Räume, in denen sie lernen, sich entwickeln und sichtbar werden können. Bereits über 1’000 gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen sind heute mit seinem Community Integration Center verbunden. David arbeitet nicht für gehörlose Menschen. Er arbeitet mit ihnen. Sein Antrieb ist klar: Niemand soll zurückgelassen werden.