Zweite Chance für Kenias Jugend

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Kisumu, Kenia
Gegründet von kanthari
Gloria Achieng
Lehrgang
2024
Projektdauer
November 2025 - November 2027
Projektbudget
USD 45'000
In Kenia geraten jedes Jahr tausende Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt, oft wegen Armut, Gewalt oder fehlender Unterstützung. Gefängnisse bieten kaum Hilfe, sondern verstärken Trauma und Ausgrenzung. Okiri schafft einen sicheren Ort in Kisumu, wo junge Menschen psychologische Begleitung, Lebenskompetenzen und eine berufliche Ausbildung erhalten. Durch Therapie, Familienarbeit und praktisches Training lernen sie, sich selbst zu vertrauen und eine Zukunft aufzubauen. So wird aus einem vermeintlich verlorenen Leben eine neue Chance.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
In Kenia geraten jedes Jahr tausende Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt. Viele wachsen in extremer Armut auf, erleben Gewalt in der Familie oder leben auf der Strasse. Laut Regierungszahlen befanden sich allein im Jahr 2021 mehrere tausend Minderjährige im Justizsystem. Ein grosser Teil leidet unter Angst, Depression oder schweren Traumata, doch psychologische Hilfe gibt es kaum. Jugendgefängnisse sind überfüllt. Kinder schlafen auf dem Boden, teilen sich Betten und Toiletten und erleben Demütigung statt Unterstützung. Anstatt Heilung zu erfahren, werden ihre Wunden tiefer. Nach der Entlassung tragen sie ein Stigma, das sie kaum loswerden. Sie gelten als kriminell, finden keine Arbeit, keine Ausbildung und oft auch keinen Platz mehr in ihrer Familie. Ohne Begleitung fallen viele zurück in alte Muster. Die Rückfallquote ist hoch, weil niemand ihnen zeigt, dass ein anderes Leben möglich ist. Es fehlt ein Ort, an dem junge Menschen Vertrauen lernen, ihre Geschichte verarbeiten und neue Fähigkeiten entwickeln können. Genau diese Lücke versucht Okiri zu schliessen.
Direkt profitieren 240 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren aus der Region Kisumu, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Indirekt profitieren ihre Familien, Lehrpersonen, Arbeitgeber und Gemeindemitglieder, die in Workshops und Reintegration einbezogen werden. Rund 400 Menschen werden so mitverändert.
Okiri schafft in Kisumu einen geschützten Raum, in dem Jugendliche zuerst als Menschen gesehen werden und nicht als Täter. Im Mental Health Space erhalten sie regelmässige psychologische Begleitung, Einzelgespräche und Gruppensitzungen. Kunst, Musik, Theater und Bewegung helfen ihnen, Gefühle auszudrücken, für die sie lange keine Worte hatten. Schritt für Schritt lernen sie, mit Wut, Scham und Angst umzugehen und sich selbst wieder zu vertrauen. Parallel arbeitet Okiri mit den Familien. In moderierten Treffen wird Vertrauen aufgebaut, Konflikte werden angesprochen und neue Formen des Zusammenlebens eingeübt. Ohne diese Arbeit wäre eine echte Reintegration kaum möglich. Nach der emotionalen Stabilisierung folgt die berufliche Ausbildung. In einem praxisnahen Back und Verkaufsprogramm lernen die Jugendlichen Hygiene, Rezeptentwicklung, Kalkulation, Kundenkontakt und Unternehmertum. Ergänzt wird das Training durch digitale und finanzielle Grundkenntnisse. Innerhalb eines Jahres durchlaufen die Teilnehmenden ein strukturiertes Programm aus Therapie, Lebenskompetenzen und Ausbildung. Ziel ist, dass sie danach ein eigenes Einkommen erzielen, eine Arbeit finden oder selbst ein kleines Geschäft aufbauen können. So entsteht echte Unabhängigkeit statt kurzfristiger Hilfe.
Die Veränderung beginnt leise. Ein Jugendlicher, der kaum spricht, erzählt plötzlich seine Geschichte. Ein Mädchen, das sich selbst aufgegeben hat, steht wieder jeden Morgen auf und kommt zum Training. Schritt für Schritt wächst Vertrauen, zuerst in sich selbst, dann in andere. Durch die Verbindung von Heilung und Ausbildung entstehen echte Chancen. Jugendliche, die als hoffnungslose Fälle galten, entdecken Fähigkeiten, von denen sie nichts wussten. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, Geld zu verdienen und Entscheidungen zu treffen. Auch die Umgebung verändert sich. Eltern beginnen wieder an ihre Kinder zu glauben. Arbeitgeber sehen nicht mehr nur die Vergangenheit, sondern junge Menschen mit Disziplin und Mut. Gemeinden erleben, dass Strafe allein nichts löst, aber Vertrauen sehr viel verändern kann. Okiri durchbricht einen Kreislauf, der sonst ein Leben lang dauert. Aus Scham wird Würde, aus Angst wird Selbstvertrauen, aus Ausgrenzung entsteht Zugehörigkeit. Wenn ein junger Mensch wieder an sich glaubt, verändert sich nicht nur sein Leben, sondern oft eine ganze Familie. Und manchmal sogar eine ganze Gemeinschaft.

kanthari Alumni

Gloria Achieng

Gloria Achieng wuchs in einem Slum in Kisumu auf, direkt neben einem Kindergefängnis. Armut, Gewalt und das Gefühl nicht dazuzugehören prägten ihre Kindheit. Als Jugendliche fand sie Halt bei Gleichaltrigen, die mit kleinen Diebstählen überlebten. Viele ihrer Freunde landeten im Gefängnis. Sie selbst hätte denselben Weg gehen können, wenn nicht ein Lehrer an sie geglaubt hätte. Dieses Vertrauen veränderte ihr Leben. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass jemand mehr in ihr sieht als ihre Herkunft. Diese Erfahrung wurde zum Kern ihrer Arbeit. Heute leitet Gloria die Organisation Soulevement und das Programm Okiri. Sie kennt die Jugendlichen, mit denen sie arbeitet, weil sie selbst einmal zu ihnen gehörte. Sie weiss, wie schnell ein Kind abgestempelt wird und wie schwer es ist, dieses Stigma wieder loszuwerden. Ihr Ziel ist nicht nur Hilfe zu geben, sondern Würde zurückzugeben. Gloria glaubt, dass jeder junge Mensch eine zweite Chance verdient. Und dass manchmal ein einziger Mensch reicht, der sagt Ich glaube an dich. Dann kann ein ganzes Leben eine andere Richtung nehmen.