Vom Überleben ins eigene Leben

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Kumba, Kamerun
Gegründet von kanthari
Solange Ndip Tanyi
Lehrgang
2024
Projektdauer
November 2025 bis November 2027
Projektbudget
USD 30'000
In Kumba entsteht mit SURECHO ein Ort für Menschen, die Gewalt erlebt oder verursacht haben und ihr Leben neu beginnen wollen. Überlebende sexueller Gewalt und Ex Häftlinge erhalten psychologische Begleitung, berufliche Ausbildung und eine Stimme in der Gesellschaft. Das Projekt verbindet Heilung mit Einkommen und zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen gesehen, begleitet und ernst genommen werden.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
Sexuelle Gewalt ist in Kamerun weit verbreitet und bleibt meist unsichtbar. Viele Frauen schweigen aus Angst, Scham oder weil sie wissen, dass ihnen kaum geglaubt wird. Über 60% der Fälle werden nie gemeldet. Täter kehren nach ihrer Haft in Gemeinschaften zurück, die sie ablehnen und gleichzeitig keine Wege zur Veränderung anbieten. Ohne Therapie, ohne Arbeit, ohne Begleitung entsteht ein gefährlicher Kreislauf aus Trauma, Armut und erneuter Gewalt. Eine Frau wurde in Kumba in der ersten Nacht nach der Entlassung ihres Mannes aus dem Gefängnis getötet. Strafe allein hatte nichts geheilt. Solche Geschichten sind kein Einzelfall. Es fehlt an Strukturen, die Verantwortung einfordern und gleichzeitig Heilung ermöglichen. Überlebende bleiben allein zurück, Täter ohne Perspektive. Die Gesellschaft zahlt den Preis. Genau hier setzt SURECHO an, dort wo das System versagt und Menschen trotzdem weiterleben müssen.
Direkt profitieren 85 Menschen, darunter 51 Überlebende sexueller Gewalt und 34 reumütige Ex Häftlinge aus Kumba und Umgebung. Indirekt erreicht das Projekt über 500 Personen aus Familien, Schulen, Kirchen und der lokalen Gemeinschaft.
SURECHO ist die Weiterführung des ECHO Programms aus dem Gefängnis von Kumba und bringt diesen Ansatz bewusst in die Gemeinschaft. Das Projekt startet mit einer sorgfältigen Vorbereitungsphase, in der Teilnehmende ausgewählt und psychologisch begleitet werden. Danach folgt ein intensives Trainingsprogramm über mehrere Monate. Alle Teilnehmenden erhalten individuelle und gruppenbasierte psychologische Begleitung. Parallel dazu lernen sie konkrete handwerkliche Fähigkeiten wie Schneidern, Taschenherstellung, Seifenproduktion, Resin Art und Upcycling von Plastik. Je nach Bereich dauert die Ausbildung zwischen drei und achtzehn Monaten. Ergänzt wird dies durch Leadership Trainings, Storytelling und öffentliche Auftritte. Die Teilnehmenden lernen, ihre Geschichte zu teilen und Verantwortung zu übernehmen. In Modulen zu Unternehmertum entwickeln sie eigene Produkte und verkaufen diese auf lokalen Märkten. Der Hub in Kumba ist dabei nicht nur ein Trainingsort, sondern ein sicherer Raum für Entwicklung, Vertrauen und neue Perspektiven.
SURECHO verändert Leben spürbar. Frauen, die jahrelang geschwiegen haben, stehen plötzlich auf Märkten und verkaufen ihre eigenen Produkte. Männer, die Gewalt ausgeübt haben, sprechen öffentlich über Verantwortung und Veränderung. Einkommen entsteht, aber auch Würde. Mindestens 37 Menschen bauen sich eine eigene Existenz auf. Über 60 Peer Educators tragen Aufklärung in Schulen, Kirchen und Gemeinden. Gespräche beginnen dort, wo vorher Schweigen war. Rückfälle sinken, Stigmatisierung nimmt ab. Das Projekt zeigt, dass Heilung und wirtschaftliche Teilhabe zusammengehören. Jeder investierte Franken schafft Sicherheit, Perspektiven und Vertrauen. SURECHO macht sichtbar, dass aus Schmerz Stärke wachsen kann, wenn Menschen nicht aufgegeben werden.

kanthari Alumni

Solange Ndip Tanyi

Solange Ndip Tanyi wuchs als Tochter von Kakaobauern in einem kleinen Dorf in der Südwestregion Kameruns auf. In ihrer Jugend wurde sie mehrfach vergewaltigt. Statt Schutz zu erhalten, wurde sie gezwungen, mit dem Täter zu leben. Jahre von Schmerz, Scham und Schweigen folgten. Doch Solange entschied sich, nicht Opfer zu bleiben. Sie verliess die gewaltsame Beziehung, holte ihre Ausbildung nach und begann, über ihre Geschichte zu sprechen. Zuerst leise, dann öffentlich. Heute nutzt sie ihre eigene Erfahrung, um anderen Wege aus Gewalt und Ausgrenzung zu zeigen. Mit Solange Rising Star und dem SURECHO Empowerment Hub schafft sie Räume für Heilung, Verantwortung und wirtschaftliche Selbstständigkeit. Ihre Arbeit ist ehrlich, unbequem und tief menschlich. Solange glaubt daran, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen gesehen werden und eine echte zweite Chance bekommen.