Erde, Saat, Zukunft

Aktiv

Die Fakten

Region, Land
Rakhine, Myanmar
Gegründet von kanthari
Myat Tun
Lehrgang
2023
Projektdauer
Juli 2025 - Januar 2027
Projektbudget
USD 35'000
In einem ländlichen, krisengebeutelten Teil Myanmars zeigt Twinleaf Arakan, dass Wandel möglich ist. Junge Menschen lernen in einem intensiven, achtmonatigen Kurs auf einer eigens errichteten Permakulturfarm, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Sie bauen selbst an, kompostieren mit Würmern, bewahren Saatgut und tragen ihr Wissen in ihre Gemeinden zurück. Das Projekt wirkt weit über die Ausbildung hinaus: Es schafft Perspektiven, regeneriert Böden und macht regionale Ernährung wieder möglich – durch Bildung, Beteiligung und Ökologie.

Lernen Sie das Projekt kennen

Problem
In Rakhine, einem ländlichen Bundesstaat Myanmars, stehen Bauernfamilien vor dem Abgrund. Jahrzehntelanger Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden hat die Böden ausgelaugt, die Ernten schrumpfen, die Lebensgrundlagen schwinden. Gleichzeitig steigen die Preise für Saatgut und Betriebsmittel dramatisch, während Transporte aufgrund von Konflikten und Blockaden immer schwieriger werden. Viele Bauern können sich nicht einmal mehr einfachen Dünger leisten. Der Klimawandel bringt zusätzliche Unsicherheit – Dürren und Überschwemmungen zerstören, was mühsam aufgebaut wurde. Zugleich fehlt der Zugang zu nachhaltigem Wissen und praktikablen Alternativen. Es gibt kaum Ausbildungsangebote, keine Lernorte vor Ort, keine sichere Quelle für lokales Saatgut. Das traditionelle Wissen stirbt aus, die Landwirtschaft gilt als rückständig. Junge Menschen sehen keine Perspektive mehr und verlassen das Land in Richtung prekärer Arbeitsstellen im Ausland. Zurück bleibt eine verarmte, alternde Landbevölkerung – ohne Zukunft. Wenn sich nichts ändert, droht der Kollaps ländlicher Ernährungssysteme. Es geht längst nicht mehr nur um Landwirtschaft, sondern um Würde, Selbstbestimmung und Überleben.
25 junge Menschen pro Jahr erhalten eine fundierte Ausbildung in ökologischer Landwirtschaft. Zehn lokale Bauern produzieren Saatgut für ein neues Lager. Indirekt profitieren jährlich rund 300 Besucher:innen, 125 Gemeindemitglieder durch lokale Schulungen der Absolvent:innen sowie 200 Bauern, die Zugang zu lokalem Saatgut erhalten.
Twinleaf Arakan setzt genau dort an, wo die Verzweiflung am grössten ist – und baut Hoffnung auf, Schicht für Schicht. Im Zentrum steht ein intensiver, achtmonatiger Ausbildungskurs in nachhaltiger Landwirtschaft. Jedes Jahr ziehen 25 junge Menschen auf die neu geschaffene Permakultur-Demonstrationsfarm, lernen dort zu leben, zu pflanzen, zu kompostieren, Verantwortung zu übernehmen. Sie bauen ihre eigenen Versuchsparzellen an, arbeiten mit Wurmkompost, lernen agroökologische Methoden und die Aufzucht sowie Bewahrung lokaler Saatgutsorten. Gelernt wird nicht nur Theorie, sondern gelebte Praxis – in einem ökologischen Schulungszentrum mit Schlafräumen, Gemeinschaftsflächen und Gärten. Die Ausbildung fördert nicht nur Wissen, sondern auch Gemeinschaft, Selbstbewusstsein und eine neue Haltung gegenüber der Landwirtschaft. Zusätzlich entsteht ein regionales Saatgutlager, das hochwertige, lokale Sorten zugänglich macht. Nach der Ausbildung setzen die Absolvent:innen eigene Projekte in ihren Dörfern um: kleine Kompostinitiativen, Saatgutbörsen, Schulungen. So wächst aus einer Idee ein Netzwerk für Wandel – getragen von jungen Menschen, verwurzelt in der Region.
Die Teilnehmenden erfahren nicht nur, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert, sondern erleben sich selbst als wirksam, als Teil einer Bewegung, die Hoffnung sät. Viele kommen aus ärmsten Verhältnissen, aus konfliktgeprägten Regionen. Auf der Farm erfahren sie Gemeinschaft, Verantwortung, Stolz. Sie kehren als Multiplikator:innen zurück in ihre Gemeinden, teilen ihr Wissen, gründen Kompostgruppen, pflanzen Gemeinschaftsgärten, halten Workshops für andere junge Menschen. Die Wirkung vervielfacht sich, organisch, lokal und dauerhaft. Auch die Demonstrationsfarm selbst wird zum Magnet: Jährlich besuchen Hunderte Landwirt:innen, Jugendliche, Umweltinteressierte und lokale Entscheidungsträger:innen den Ort. Sie erleben funktionierende Beispiele für regenerative Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und resiliente Lebensweisen – ohne Chemie, ohne Abhängigkeit. Die Farm wird zum Beweis, dass eine andere Landwirtschaft möglich ist – und notwendig. Twinleaf Arakan schafft Perspektiven, wo zuvor nur Stillstand war. Das Projekt macht Mut, gibt Wissen weiter, stärkt Gemeinschaft – und zeigt, wie aus einem Stück Erde eine ganze Bewegung wachsen kann.

kanthari Alumni

Myat Tun

Myat Tun wuchs in einem abgelegenen Bauerndorf im Bundesstaat Rakhine auf – geprägt von Armut, harter Feldarbeit und den Folgen zerstörerischer Landwirtschaft. Doch anstatt aufzugeben, suchte er nach Lösungen. Früh engagierte er sich für nachhaltige Entwicklung, gründete bereits eine lokale Organisation und arbeitete mehrere Jahre in der Permakultur. Mit diesem Erfahrungsschatz und tiefer Verbundenheit zu seiner Heimat gründete er 2025 Twinleaf Arakan. Heute bildet junge Menschen aus und entwickelt konkrete, lokale Antworten auf Klimakrise, Armut und die Erosion bäuerlicher Lebensgrundlagen.