Tag 1

Sabriye Tenberken
Sabriye Tenberken
Co-Gründerin von kanthari

Heute ist der erste Tag von 21 Tagen Lockdown. Bisher waren wir unter der Kontrolle des Keralianischen Staates. Wir hatten das Gefühl, dass die hiesige Regierung alles ziemlich gut in der Hand hat. Am vergangenen Montag wurde ein einwöchiger Lockdown beschlossen und wir haben alle unsere Kollegen, die nach Hause gehen konnten, nach Hause geschickt. 

Dann kam plötzlich eine Entscheidung aus Delhi: sofort 21 Tage komplett Lockdown für ganz Indien. Das bedeutet, keiner darf mehr raus. 21 Tage im Haus. Wir hatten uns zwar gut für einen eventuellen Lockdown vorbereitet und eingedeckt, aber nicht für 21 Tage. 

Jetzt stellt Euch mal Folgendes vor: Ein ganzes Land verpflichet 1,3 Milliarden Menschen Zuhause zu bleiben. Ungefaehr 170 millionen Menschen in Indien leben von weniger als 130 Rupien, also ein 1,50 Euro am Tag. Sie leben von der Hand in den Mund und sind auf tägliche Arbeit angewiesen. All diese Menschen brauchen etwas zu essen. Es ist noch nicht klar, wie die Regierung Grundnahrungsmittel an Bedürftige verteilen will.  

Da es keine Warnung gab, gibt es eine realistische Gefahr, dass viele der Aermsten eher an Hunger als am Virus sterben. Da kann es irgendwann natürlich auch zu Konflikten kommen. 

Es könnte sein, dass Leute oder Institutionen irgendwann von hungrigen Leuten ausgeraubt werden. Man kann es niemanden verübeln. In Thailand gab es bereits einige solche Fälle. Eine kanthari Absolventin aus Thailand, schrieb uns, dass dort die Militär Regierung drastische Maßnahmen nimmt, da die Kriminalisierungsrate bereits gestiegen sei. Und das führt natürlich zu mehr Unsicherheit. 

Mit herzlichen Grüssen

paul und sabriye

Das könnte Sie auch interessieren

Die Stimme des Adlers

Oluwakemi möchte mit ihrer Organisation blinde und sehbehinderte Frauen durch Journalismus-Training zu belastbaren Führungspersönlichkeiten befähigen.

Umwelt und Frieden – Verbindungen knüpfen

Nduku’s Organisation heisst Xhuma Africa. Eine Friedensakademie, die in Kamerun afrikanische Jugendliche befähigt, ihre lokalen Gemeinschaften in friedliche und umweltfreundliche Umgebungen zu verwandeln.

Ein unzerbrechliches Band

In Nepal will Bibek ein psychisch gesundes Umfeld für LGBTIQ+ Menschen über 40 Jahren schaffen. Dafür bietet er Workshops, Beratungen und Unterstützung für den Lebensunterhalt an.

Der Wert des Abfalls

Anbalagan fokussiert sich mit “Aimabig” auf die indische Abfallwirtschaft. Er bietet den Arbeitern eine Grundausbildung, Zugang zu Sozialleistungen und Sicherheitsausrüstung.

Zurück zum Paradies der Papua

Andre will Kleinbauern in Papua Indonesien in traditionellen, fast vergessenen Anbaumethoden schulen, um so die Umwelt und die Gesundheit der Einheimischen zu verbessern.