Tag 11 – Vision 2020, THE RIGHT TO SIGHT!

Vor 21 Jahren, wir hatten gerade das Blindenzentrum in Tibet eröffnet, wurden wir von der ICEVI nach Peking zu einer Konferenz mit dem zukunftsträchtigen Namen „Vision 2020“ eingeladen. ICEVI ist ein internationales Netzwerk von Organisationen, die sich für Blindenbildung einsetzen. Gemeinsam mit der World Blind Union wurden bei dieser Konferenz Augenärzte aus der ganzen Welt mit NGOs zusammengebracht. Es ging darum, die verhinderbare Blindheit, wie zum Beispiel den Grauen Star, bis 2020 soweit wie möglich auf 0 herabzusenken. 

Damals lag das Jahr 2020 in weiter Zukunft. Alles war möglich, solange das Geld stimmte und die benötigte Technik vorhanden war. Heute, im Frühjahr 2020, wissen wir, dass nicht alles am Geld und an der Technik liegt. Es gibt noch immer weltweit geschätzte 285 Millionen Sehbehinderte, 39 Millionen sind vollkommen Blind, 90% all dieser Menschen leben in Armut, weniger als die Hälfte aller sehbehinderter Kinder besuchen eine Schule.
In den letzten 12 Jahren haben wir über 70 blinde kantharis ausgebildet. Die meisten haben in ihren Ländern und Regionen erfolgreiche Trainingsprogramme für Blinde Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgebaut. 

Hier ein paar Beispiele:
Alieu, 2011 kanthari Absolvent aus Gambia fördert blinde Schulabgänger, sodass sie sich selbst in Universitäten integrieren können. Siehe StartUp
Ojok, 2012- und Alfred, 2017 kantharis, beide aus Uganda bilden blinde Jugendliche und Erwachsene zu Imkern und Umweltaktivisten aus, Sristi KC, 2012 kanthari Absolventin aus Nepal hat eine Schule für Tanz, Schauspiel und Gestik für Blinde ins Leben gerufen. 

 

 

Chhitup Lama, 2010 kanthari aus dem Himalaya, startete seine ersten Trainingseinheiten in dem er zu Pferd durch die entlegensten Dörfer ritt. Später baute er im Nepalesischen Simikot eine Blindenschule. 
und viele mehr. Und wie geht es blinden Menschen mit der Corona Krise?

Mark Sabwami, 2019 kanthari aus Kenia, Gründer von Jipange, eine Initiative, die sich besonders an Blinde in abgelegenen Regionen wendet, erklärte: wie gefährdet blinde Menschen zur Zeit sind: „Wir brauchen unsere Hände ständig. Sobald wir etwas wissen wollen, fassen wir es an. Das Berühren von Oberflächen und Gegenständen ist für uns wie Sehen.“

Mark macht hier einen entscheidenden Punkt, der mir, obwohl ich selber blind bin, so noch nicht aufgefallen ist. Ich persönlich habe mir aber als Braille Leserin schon etwas Gedanken gemacht, wie sich nämlich das ständige Händewaschen auf den Tastsinn auswirken könnte. Ich merke schon jetzt, dass durch Seife und Desinfizierungsmittel das Tastvermögen in den Händen etwas eingeschränkt ist. Die Fingerspitzen der rechten und linken Zeigefinger sind wichtiger Ersatz für das zentrale Sehvermögen.

Kommen wir aber zurück zur Vision 2020: Vielleicht hat man es noch nicht geschafft, die vielen Blinden sehend zu machen. Aber man kann es auch so sehen: in den letzten Wochen wurden uns allen die Augen geöffnet!