Tag 178 – Umkonstruierte Konstrukte oder die Freiheit albern zu sein

(Von Chacko Jacob)
Einige Wochen nachdem der elfte Kurs begonnen hatte, stieß ich als Katalysator, so werden bei kanthari die Trainer genannt, zum kanthari Team dazu. Da wir sieben Monate lang gemeinsam leben, lernen und uns auseinandersetzen, lernte ich die kantharis dieser Generation und einige Ehemaligen, die ebenfalls als Katalysatoren für kürzere Zeit kamen, sehr gut kennen.

Angeregt von den unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus aller Welt, begann ich mich nun auch für frühere kanthari Generationen zu interessieren. Ich wühlte mich durch Webseiten und Themenpapiere einiger Ehemaliger und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Besonders interessierte mich, wie sie ihre Projektideen in die Tat umsetzen. Wie sie Menschen überzeugen. Was geht in ihnen vor? Ihre Lebenseinstellung und was treibt sie an? Sind sie einfach nur wütend auf die gegebenen Zustände oder haben sie auch Humor?

Meine erste Begegnung mit Kapila Rasnayake‘s exzentrischer Welt war ein Video, das mir ein Kollege zeigte: “Guck Dir das mal an, dieser Kapila wird in den sozialen Medien zum richtigen Hype!” Meine Neugierde war geweckt.

Und da sahen wir, wie Kapila eine etwas alberne, leicht bizarre Hymne auf die Kokospalme anstimmte. Einige von uns waren amüsiert, andere wussten nicht viel damit anzufangen, waren vielleicht sogar etwas peinlich berührt, aber niemand konnte sich von dieser seltsam faszinierenden Absurdität loslösen. Wir waren alle angefixt.

Besonders auch von den How-to-Videos: Wie man schläft, wie man sich von der Loslösung loslöst, wie man Früchte mit Liebe isst …. “Okay, schon klar … Und bitte mehr von diesem Wahnsinn!”
Ich sah mir an, wie er das “Aufwachen” zelebriert: “Der Schlüssel ist, deine Augen zu öffnen …!”, er umarmt Bäume und verzehrt mit leidenschaftlicher Verzückung kleine Obststückchen.

Worum geht es hier? Braucht er den Wahnsinn, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Oder handelt es sich einfach nur um Unterhaltung? Es ist sicher unterhaltsam, aber man hat immer das Gefühl, dass es ihm um viel mehr dabei geht. In einem Glückwunsch Gruß an sich selbst vermute ich die Antwort. Da lese ich auf Instagram:

Happy birthday to me and you are fantastic person in this world, You born for a reason and you are doing it well. Serious world is too painful and you coolest sexiest tempo is really worth for others. Play more and be Abnormal Kapila.. you are my love and I’ll give you good time Kapila today and tomorrow and past. Love you Kapila ummmmma and be like Kapila .. You are my Corona baby 🍼 star ⭐ ❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️

Er ist, wie er eben ist. Er setzt sich von der Gesellschaft ab, weil er sich nicht ernst nimmt. Er stößt an, und stößt ab, und er schert sich nicht darum. Sein Leben ist eine fortwährende Demonstration dafür, wie es ist, völlig außerhalb aller sozialer Konstrukte zu operieren.

Beispiele dafür sind auch die folgenden Videos: 

kanthari Teilnehmer durchlaufen in unserem Kurrikulum einen intensiven Workshop zum Thema Barrieren überwinden. Dabei geht es darum, Wege zu finden, rassistische, sexistische und einfach auch nur intolerante Einstellungen zu verändern. Dazu bieten wir eine methodische Herangehensweise. Zunächst wird die direkte Zielgruppe, die den größten Einfluss auf eine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung hat, ins Auge gefasst. Dabei kann es sich gut und gerne um Personen handeln, die zunächst einmal vollkommen entgegengesetzter Meinung sind. Im Kapilas Fall konservative Spießer, die gleich alles verurteilen. Oft gehört diese Gruppe allerdings zu den einflussreichen Personen. Unter ihnen sind oft regierungsangestellte, CEOs, Schulleiter usw. Um jemanden dazu zu bewegen, seine Barrieren zu überwinden, muss man selbst frei denken und auf die Zielgruppe unvoreingenommen zugehen können. Empathie für den Andersdenkenden, ohne die eigenen Werte über Bord zu werfen, ist die erste Brücke zur Veränderung.

Wenn es darum geht, Barrieren zu überwinden, ist Kapila wie ein trojanisches Pferd.

Er verbirgt sich zunächst hinter dem Deckmäntelchen des Unterhalters. Stellt aber bei all seinen Verrücktheiten die jegliche sozialen Konstrukte in Frage. Besonders auch den Wert, den wir in den Gender Rollenverteilungen sehen.

Kapila, kanthari Absolvent von 2017, ist der Gründer von Voices of Humans, einer Initiative, die Workshops, Theaterstücke und Videos zum Thema Ausbruch aus den Konventionen, Befreiung von Stereotypen und zur Infragestellung des Status quo kreiert.

Zudem gründete er den “Genderless Jungle”, ein naturbelassenes Zentrum, in dem die Menschen einfach in der Wilderness leben. Sie meditieren zum Klang von plätschernden Wasserfällen und schlafen unter dem Sternenhimmel von Sri Lanka.

Was haben diese Aktivitäten mit den Geschlechtern zu tun? Genau, nämlich gar nichts. Genderless Jungle ist der Ort, an dem Menschen ein Leben führen, das auf der Identität des Menschseins basiert, und sozial konstruierte Geschlechterrollen werden einfach abgelegt.

Mehr ueber Kapilas Arbeit gibt es auf: