Tag 19 – Another death toll

Sabriye Tenberken
Co-Gründerin von kanthari

Von Chacko Jacob, einem Katalysator in kanthari

(Wir haben im kanthari Institut statt Lehrer oder Professoren, Katalysatoren. Sie koordinieren die vielen Workshops und sie geben den zukünftigen kantharis, den sozial Veränderten Energie, ohne dabei selbst Energie einzubüßen.)

Ist die Welt auf die vielen psychischen Krankheiten, die jetzt auf uns zukommen werden, genügend vorbereitet?
Fälle von posttraumatischem Stresssyndrom und hohen Burnout-Raten unter Ersthelfern, Ärzten und Krankenschwestern sowie eindeutige Symptome der Überforderung von Eltern mit kleinen Kindern  sind Anzeichen, dass noch vieles auf uns zukommen kann.

Es gibt aber sinnvolle Aktionen, die einiges dem Sturm, der nach der Ausgangssperre auf alle zukommen wird, entgegensetzen können.

Sherin Noordheen aus Trivandrum Kerala, 2017 Kanthari Absolventin, ist eine Aktivistin, die sich für Menschen mit Depressionen und Selbstmordgedanken einsetzt. Ihre Organisation heißt Let’s live. Sie hat selbst in jungen Jahren Depression erfahren und weiß, wie wichtig emotionale Unterstützung sein kann. Mit sechs Jahren fand sie ihren Vater, der Selbstmord begangen hatte. Von da an musste sie nicht nur den Verlust des Vaters überwinden, sondern  musste sich auch allein durch die konservative Mittelschicht Keralas manövrieren. In Kerala gehören die Themen Selbstmord oder psychische Krankheit nicht gerade zum Tagesgespräch. Im Gegenteil, diejenigen, die offen mit diesen  Gedanken umgehen, werden von Familienangehörigen, Lehrern oder Vorgesetzten stigmatisiert.
Mit “Let’s live” startete Sharin ein “Halfway Cafe”, in dem Jugendliche, die mit Selbstmordgedanken spielen, immer ein offenes Ohr finden und eventuell an Psychotherapeuten weitergeleitet werden können.

Heute, in Zeiten von Corona, liegt die Covid-19- bedingte Todesrate im Staat Kerala bei lediglich zwei Menschen. Dagegen werden Selbstmorde während der Wochen der Ausgangssperre mit zehn Personen verzeichnet. Gründe sind Alkoholentzug und Angst vor der Krankheit.
Sherin sagt dazu: “Diejenigen, die bereits psychische Probleme hatten und in Behandlung waren, scheinen die Krise besser wegzustecken. Denn sie konnten schon vorher gut von der Außenwelt abgeschnitten leben und sie wissen, wie wichtig es ist, um Hilfe zu bitten.”

Sherin hatte für diese Zeit einen videoblog (VLOG) gestartet. Den finden Sie auf ihrer Facebook-Seite von Let‘s Live 

In diesem Blog hilft sie Menschen, die sich plötzlich den vielen Veränderungen stellen müssen und damit nicht klarkommen.

Sie betont, wie wichtig es ist, zuzuhören und Familienangehörige, die Symptome von Depressionen und Angstzuständen zeigen, nicht zu verurteilen.
Alle, die bisher nicht davon überzeugt waren, dass psychische Stabilität mit körperlicher Gesundheit gleichzusetzen ist, haben jetzt in den Wochen der Ausgangssperre enorm dazu gelernt.

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