Tag 234 – Der Stand der Dinge – und – warum Zivilcourage entscheidend ist

von Karl Amadé – giraffe-Heroes.eu

Giraffe Heroes Foundation Europe und kanthari

Die momentane Situation, das rapide Wachstum der globalen Bevölkerung und der damit wachsende Konsumhunger stellt uns alle vor grosse Herausforderungen. In der Zwischenzeit wird der Graben zwischen den Reichen und Mächtigen und den Armen täglich tiefer. Personen mit Macht herrschen über Personen ohne Macht. Vielmals stehen dann persönliche Interessen im Wege, um Entscheidungen für die Massen zu fällen.
Unterdessen wird die Umwelt unaufhörlich ausgebeutet und Kriege werden aufgrund von privaten Profiten angezettelt. Von Land zu Land ist das Ausmass der Katastrophe unterschiedlich – die Tendenz geht aber global in die gleiche Richtung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es eine solidarische Gemeinschaft, die es den Mutigen erlaubt aufzustehen und sich den Prozessen entgegenzustellen. Mutigen Menschen, die sich mit vollem Einsatz für eine neue Bewegung einsetzen.

Das Gute ist, diese Menschen gibt es.
Solange sie standhalten, gibt es für alle anderen Hoffnung auf Veränderung. Es ist aber wichtig, dass diese Stimmen eine Plattform haben, um gehört zu werden. Aktivisten brauchen ihre Unterstützung, denn es muss eine Bewegung geschaffen werden, die die Macht hat, den Trend zu ändern.
Daher freut es uns so sehr, dass wir vor Kurzem kanthari gefunden und Sabriye und Paul zu Giraffen Heroes ernennen konnten. Beide sind tolle Beispiele für visionäre, mutige Persönlichkeiten, die es geschafft haben, eine Organisation jenseits der bereits begangenen Pfade zu etablieren.

Rund um die Uhr widmen sie sich voll und ganz ihrer Mission – „Change Maker“ fördern, um sie auf ihre wichtige Arbeit zu Gunsten des Gemeinwohls vorzubereiten. Zu diesen „Change Maker“ gehören junge, in ihrer Gemeinschaft oft benachteiligte Menschen, die den Mut haben, den Status-Quo herauszufordern und ungerechte Zustände in ihrem lokalen Umfeld nachhaltig zu verändern.
Damit sie die Möglichkeiten entscheidende Veränderungen zu erkennen, werden sie von kanthari durch intensives Coaching mit den richtigen Werkzeugen ausgestattet. Vage Gefühle und Wünsche werden im kanthari Institut in konkrete Ideen umgesetzt. kanthari ist ein passender Partner für das Giraffe Heroes Projekt, denn die kantharis sind die perfekten Beispiele für Giraffe Heroes.

Wir freuen uns auf eine fruchtbare Zusammenarbeit, um gemeinsame Ziele zu verfolgen.
Das Giraffe Heroes Project (GHP) wurde vor rund 40 Jahren von Ann Medlock und John Graham in New York ins Leben gerufen. Sie betreiben das Projekt von Whidbey Island, WA aus. (giraffe.org)
Ann Medlock ist leidenschaftliche Journalistin und Schriftstellerin. Sie ist sich sicher, dass man Menschen besonders davon überzeugen kann, selber das Richtige zu tun, indem man ihnen Geschichten von Personen erzählt, die positive Veränderung bereits angestossen haben.
Auf diese Weise hat GHF inzwischen knapp 1’500 Giraffen-Heroes ernannt und deren Geschichten erzählt.
Höhepunkt in der Entstehungsgeschichte der GHF war, als Michail Gorbatschow die Initiative ergriff und Ann und John, nach dem Fall des eisernen Vorhangs, nach Moskau einzuladen.
Die Mehrheit der Menschen in der ehemaligen Sowjetunion hatten das Gespür für die Bedeutung von Zivilcourage und dem “Standing Tall for the Commong Good“ in einer schützenswerten Demokratie verloren und so hielt der Vater der Perestroika die Arbeit der GHP für ein wertvolles Instrument zur Veränderung dieses Status Quo.
Also nahmen Ann und John die Nominierung der russischen Bürger entgegen und strahlten ihre Geschichten direkt über Radio Moskau aus.

John Graham ist selber ein tolles Beispiel für ein “Giraffe Hero“. In seiner Autobiographie „Sit Down Young Stranger (On the Edge)“, beschreibt er sein Leben in den unruhigen fünfziger und sechziger Jahren als Abenteurer und amerikanischer Beamten.
Die Biographie beschreibt eine Persönlichkeit, die versucht die Widersprüche zwischen der Verantwortung, als führender Regierungsbeamter und Diplomat, auf der einen Seite und seinen inneren moralischen Instinkten auf der anderen Seite in Einklang zu bringen.

Nach vielen einschneidenden Erlebnissen fühlte er sich gezwungen, einer grossen Karriere den Rücken zu kehren und wieder bei null anzufangen. Kurz darauf lernte er Ann Medlock kennen.
Er verliebte sich in sie und ihr Projekt und seitdem erzählt Ann die Geschichten und John sorgt dafür, dass sie weltweit Gehör finden.

Was mich betrifft: Vor drei Jahren gründete ich einen Ableger der Giraffe Heroes Foundation in Basel. Ich war nämlich zufällig auf Johns Autobiografie gestossen. Die Geschichte berührte mich so sehr, dass ich den Autor umgehend kontaktierte. Ich übersetzte kurzer Hand John’s Autobiografie ins Deutsche und so freundeten wir uns an.

Dadurch bekam ich natürlich auch einen direkten Einblick in das Giraffenprojekt und ich überzeugte mich von dem zwar noch unsichtbaren, aber wertvollen Potential, all diese aussergewöhnlichen Persönlichkeiten mit einander zu vernetzen und so ihre so wichtigen Aktivitäten zu unterstützen.
GHP Europa wurde nicht nur zur weiteren Verbreitung der Giraffen-Geschichten gegründet, wir wollen auch mehr Giraffen finden und damit einen noch grösseren Impact erzielen.

Seitdem sind fast alle von uns in Basel ernannten Persönlichkeiten zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen worden und haben so weitere Unterstützung gefunden. Im letzten Herbst haben wir eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für Dimi Dumortier und seinen Dokumentarfilm „Not Your Bee,“ durchgeführt. Und in diesem Jahr haben wir die Kampagne „Giraffe for Climate Adaptation“ abgeschlossen. Es geht um die Bienen und um eine Bauminitiative die durch das Engagement von fünf herausragenden Menschen in Spanien, Belgien und der Schweiz ins Leben gerufen wurde.

Basel, November 2020
Karl Amadé