2020 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr für kanthari.

Zu Beginn der COVID-Krise gab es eine Zeit der Verwirrung, des Stillstands. Fragen und Sorgen gingen uns durch den Kopf: Müssen wir schließen? Wie können wir das Team zusammenhalten und weiter finanzieren? Wie können wir unsere Existenz ohne den üblichen Kurs rechtfertigen?

Es gab drei Faktoren, die uns über Wasser hielten.
1. Wir haben erkannt, dass die Welt in Krisenzeiten genau auf diejenigen, die intrinsisches Interesse an einer Veränderung haben, angewiesen ist. Und während andere sich in einen unfreiwilligen, temporären Ruhestand begeben mussten, hat uns diese Erkenntnis motiviert extra hart zu arbeiten.
2. Wir haben das Glück, mit Menschen zu arbeiten, die mit Flexibilität und Kreativität auf Herausforderungen reagieren.
3. Wir haben großartige Unterstützer, die uns vertrauen und an die Vision von kanthari glauben. Dank dieser Freunde ist der Nothilfe Fonds finanziert worden und wir durften unser Team halten.
Wenn wir so auf das Jahr zurückblicken, können wir eine Reihe von Projekten ausmachen, die nur entstanden sind, weil der Lockdown uns die Zeit dafür geschenkt hat.

Die erste Aktion, die uns aus unserer Erstarrung befreite war eine kleine Studie über die Lebensumstände der kanthari Alumni, die alle, wo auch immer sie sich in der Welt befanden, von der Pandemie überrascht wurden. Viele waren an den ungewöhnlichsten Orten gestrandet, waren verunsichert und manche leideten Hunger. Und dennoch waren wir überrascht, wie schnell sich viele kantharis umorientierten, neue Aktionen planten und trotz vieler Hindernisse und trotz mangelnder Mittel durchführen konnten. Wir waren ermutigt und wollten unsere eindrücke mit anderen Teilen. So entstand ein zunächst täglicher Blog in mehreren Sprachen.

Die Leser und Leserinnen waren oft ähnlich begeistert und spendeten großzügig für den eingerichteten Nothilfe Fond, der mehr als 8000 Menschen half, besonders schwierige Herausforderungen zu überstehen. Wir möchten uns bei allen Unterstützern herzlich bedanken.

Mit unserem gesamten Team verbrachten wir täglich mehrere Stunden, unseren See von exotischen und das Ökosystem beeinträchtigten Wasserpflanzen zu reinigen. Auf der Süd-Seite des Sees engagierte sich eine lokale Initiative und brachte die dort lebende Gemeinde dazu, das Gleiche zu tun. Gemeinsam mit den Anwohnern überlegten wir, was wir mit den Wasserpflanzen tun könnten. So entwickelten wir hier mit unserem kanthari Team eine biologisch abbaubare Windel aus Wasserhyazinten, die jetzt von mehreren Säuglingen in der Nachbarschaft getestet wird.

Und schließlich haben wir ein lange geplantes Projekt in Angriff genommen. Es handelt sich um eine Enzyklopädie für Veränderer, ein Nachschlagewerk mit 100 Kapiteln, mehr als 1’000 Unterkapiteln, mit über 700 Themen, vielen speziell angefertigten Zeichnungen, Fotos, Audiobeiträgen und praktischen Beispielen.
Die Idee dazu hatte Lawrence Afere (kanthari-Absolvent von 2012) aus Nigeria, der nach der Teilnahme am kanthari Lehrgang in nur vier monaten seine Organisation “Springboard” aufgebaut hat.

Lawrence dachte oft an kanthari und an das was ihm vermittelt wurde zurück und schlug vor, alle in kanthari entwickelten Werkzeuge und Methoden zu einem Handbuch für die Alumni zusammenzustellen. Und jetzt können wir nach 9 Monaten täglicher Beschäftigung mit den Inhalten die “kanthari spice box – Encyclopedia for change” als eine Art Weihnachtsgeschenk für alle kantharis präsentieren. Wir hoffen, dass es denen, die große und kleine Projekte leiten in der einen oder anderen Hinsicht helfen wird. Und vielleicht wird dieser “Werkzeugkasten” auch diejenigen motivieren, die noch nicht angefangen haben oder wegen unterschiedlicher Herausforderungen aufgeben mussten. 

Cavin aus Kenia, ein kanthari aus dem Jahr 2018, schrieb: “Mir gefallen besonders die Zeichnungen. Der Typ, der da auf dem heißen Stuhl sitzt und unangenehme Fragen zum Thema Finanzen beantworten muss! Er sieht genau so verloren aus wie ich damals und manchmal auch heute noch.”
Deginet aus Äthiopien, ein kanthari aus dem Jahr 2010 sagt: “Ich klicke und klicke auf einen Link nach dem anderen, und ich kann nicht aufhören zu lesen.”

Trevor aus Simbabwe, ein kanthari von 2018, kommentierte: “Der Teil über Konfliktlösung ist sehr nützlich, das ist unerlässlich für unsere LGBTQI-Camps. Jetzt denke ich sogar an Übungen zum interkulturellen Dialog gleich am Anfang der Workshops, um Konflikte zu vermeiden.”

Naresh aus Telangana Indien, ein 2017 kanthari, schrieb in der kanthari Whatsapp-Gruppe, “Ich bin soweit, die Registrierung zur Encyclopedie ist geschafft! Der beste Teil der Spice Box sind die Erinnerungen! So viele! Audiospuren über die Telefon-Anfragen, das hat mich daran erinnert, wie lustig und beängstigend das damals für mich war. Ich hoffe, dass alle so lustige Erinnerungen haben.“

Anja, eine blinde kanthari aus dem Jahr 2011, die in Brasilien ein beeindruckendes Trainingszentrum für Blinde ins Leben gerufen hatte, es aber aufgrund bestimmter Umstände schließen musste, sagte: “Der Inhalt ist toll, die Themen sind sehr wertvoll, wenn es darum geht, längst vergessenes Wissen wieder aufzufrischen oder zu vertiefen. Die Navigation und das gezielte Auffinden der Themen ist allerdings am Anfang etwas schwierig.”

Und Bash, ein kanthari aus dem Jahr 2013, schrieb: “Die Materialien sind so bereichernd. Es ist wie eine Online kanthari Universität.”

Wir wissen, dass dies erst der Anfang ist. Wir werden die Spice Box mit mehr Zutaten füllen, dazu kommen dann Beispiele von Erfolg und Misserfolg auch von den kantharis selbst.
Für weitere Verbesserung freuen wir uns sehr über alle Kommentare.

Im Namen aller kanthari Alumni die diese Spice Box nutzen, moechten wir uns herzlich bei der LB Foundation, bei der Hamasil Stiftung und bei den Friends of Braille Without Borders bedanken.

Sie haben es möglich gemacht, dass wir unsere Arbeitzeit in diesem Jahr dafür  einsetzen konnten. Es wird vielen kantharis helfen ihre Ideen nachhaltig umzusetzen.

Beitrag Teilen:

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn

Weitere Beiträge:

Norman Manzi, Gründer von Dream Village in Ruanda

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an