Tag 66 – Durian, für eine gerechtere Welt

(von Tony Joy, 2017 kanthari Absolventin)

Krisen können dazu genutzt werden, Menschen, die sich nicht wehren können, nach Strich und Faden auszunutzen.
Ich frage mich im Moment, warum haben sich die Preise für lokal verarbeitete Lebensmittel plötzlich verdreifacht?

Da beschweren wir uns über das Versagen der Regierung, aber wie steht es mit uns und unserem Gerechtigkeitsgefühl untereinander?

In einem nigerianischen Haushalt gehört Garri, Maniok Flocken, die mit Wasser zu einem Brei angerührt werden, zu den unbedingten Grundnahrungsmitteln. Und da der größte Teil der Bevölkerung, etwa 100 Millionen Menschen, in extremer Armut lebt, also weniger als 1,90 USD am Tag verdient, wird Gari auch als das Essen der Armen gesehen.

Was bedeutet das? Vor der Krise betrug der Preis für Gari 150 Naira pro KG. Das kann eine fünfköpfige Familie für zwei Tage über Wasser halten. Heute, während der Corona Krise sind die Preise auf 350 bis 450 Naira pro KG angestiegen.

Ich machte mich schlau und man versicherte mir, dass der Anstieg der Preise auf die Preiserhöhung von Maniok zurückzuführen ist! Es seien also die Bauern, die die Preise erhöhen. Da stellt sich doch die Frage, wie hat sich die Krise auf den Preis für Maniok ausgewirkt. Es gibt keine Beschränkung für Bauern auf den Feldern zu arbeiten und es gibt keinen Ernteausfall. Geht es nicht hierbei eher um die versteckte Gier der Zwischenhändler? Vielleicht werde ich eines Tages meine Antwort bekommen.

Gehen wir noch einmal auf die Zahlen zurück: Wenn ich für 350 bis 450 Naira pro KG zahlen muss, aber nur 300 Naira pro Tag verdiene, wie soll ich da überleben? Reis ist zu teuer und von Gemüse allein werden wir nicht satt. Aber Gari werde ich mir auf keinen Fall leisten können. Es zeigt, dass in Zeiten der Krise die Menschen das größte Problem darstellen.

Die Veränderung der Lebensmittelpreise ist eine menschliche Grausamkeit. Man sorgt sich nicht darum, was die Leute essen. Dazu kommt, dass zurzeit viele ihren Job verloren haben.

Wo steuern wir hin? Statt Lebensmittelpreise zu reduzieren, um Menschen durch die harten Zeiten zu bringen, statt Solidarität und Gemeinsinn zu fördern, gibt es mehr und mehr Leute, die aus der Krise ein Schnäppchen schlagen wollen. Werden wir durch Corona zu einer Gemeinschaft von Dieben und Ausbeutern? Vergessen wir gerade, dass wir auch noch nach der Krise zusammenleben müssen? Was sähen wir da für eine gefährliche Saat?

Während wenige in unserem Land am Virus sterben, sterben viel zu viele an Unterernährung. und aufgrund dieser Überlegungen hat das Durian Team die Mitglieder der lokalen Dorfbewohner dazu ermuntert, ihr eigener Maniok auf dem Land hinter ihren Hütten anzupflanzen. Wir sorgen dafür, dass die Preise sich wieder auf das ursprüngliche, erschwingliche Niveau senken. Ja, man kann sagen, wir drücken die Preise und diesmal nicht um mehr zu verdienen oder anderen zu schaden, sondern für eine gerechtere Welt.

(Tony Joy ist Gründerin der Organisation Durian, die besonders in abgelegenen Gebieten Nigerias um die Würde der Armen kämpft. Sie selbst lebt sehr bescheiden, bis vor Kurzem gehörte auch sie zu den Menschen, die sich nicht mehr als eine Mahlzeit am Tag leisten können. Sie weiß, wovon sie spricht.)