Tag 94 – Im Schatten von Krieg und Coroan

Vielleicht erinnern sich einige Interessenten unseres Blogs an die Artikel vom 31. März und 1. April 2020. Es ging um Krieg in Zeiten der Corona Pandemie. Oder besser, es ging um das Ausbleiben des über viele Jahre schwelenden Bürgerkrieges zwischen dem französischsprachigen und dem englischsprachigen Teil Kameruns. Unsere kantharis aus dem englischen Teil schickten uns fast euphorische Botschaften: „Während die ganze Welt ihre Schulen schließt, denken wir daran, endlich, nach vielen Jahren zu öffnen, denn jetzt gibt es Frieden in Kamerun!“

Der Frieden hielt ganze drei Wochen, und dann bekamen wir einen Bericht von Joshua. Er war verzweifelt, bat uns aber nichts zu tun, es sei zu gefährlich zu agieren. Jetzt dürfen wir über den Vorfall schreiben, denn die Täter sitzen hinter Gitter.

Joshua ist ein 2019 kanthari Absolvent. Er ist Gründer von „Peace Crops“, einer Organisation, die Jugendliche, besonders Kriegswaisen, durch die Arbeit im Bio Anbau aus der Gewaltspirale befreien will. Er selbst kam ins Waisenheim, nachdem sein Vater vor seinen Augen von kriminellen Strassengangs ermordet wurde. Im Waisenheim erlebte er Hunger und da sich die Jugendlichen nicht anders zu helfen wussten, gingen sie auf die Strasse und forderten ihr täglich Brot durch gewalttätige Überfälle.

Doch Joshua erkannte bald, dass man sich auch anders helfen konnte. Er fokussierte sich auf den Anbau von Getreide und Gemüse und konnte sich und seine Freunde ernähren. Daraus entstand die Idee einer Training Farm für Jugendliche, die oft von Straßengangs oder auch von Separatisten angeheuert werden, um Gewalt und Terror zu verbreiten.

Seine Farm-Initiative lief gut. Trotz Corona Ausgangssperre konnte er in seinem Dorf viel erreichen.

Doch dann passierte es. Am 13 April 2020, mitten im Corona Lockdown. Er stand kurz vor seiner Hochzeit, die Vorbereitungen waren auf Hochtouren, als mehrere bewaffnete Männer sein Dorf und seine Familie überfielen. Die ältere Schwester seiner Verlobten wurde vor den Augen ihrer Mutter erschossen und vier weitere Dörfler, darunter die Mutter eines Neugeborenen, wurden verschleppt.

In den kommenden Tagen wurden Lösegeld Forderungen laut. 800 US$ für die betroffenen Familien. Mit Joshua’s Hilfe brachten sie etwas Geld zusammen und zahlten einen Teil, und zum Glück wurden die Entführten freigelassen. Aber damit hörte es nicht auf. Wieder ein paar Tage später bekam Joshua einen Anruf. Der Anrufer gab sich als Führer einer Separatistengruppe zu erkennen und er machte ihm klar, dass er alles über seine Peace Crops Initiative wisse. Wenn er sich nicht kooperativ zeigte und der Separatistengruppe Geld spendete, würden sie ihn finden und erschiessen. Zuerst dachte Joshua an Flucht. Doch dann wurde er wütend. Er hatte genug. „Holt mich doch! Ich schlafe vor meiner Tür, bin bewaffnet und zu allem bereit.“ Tatsächlich schlief er von da an vor seiner Haustüre, mit der Machete in der Hand und wartete auf seine Mörder.

Wir machten uns große Sorgen, Paul war täglich mit Joshua über Whatsapp in Kontakt. Doch er blieb ruhig, so als hätte er eine endgültige Entscheidung getroffen. Die Entscheidung, sich keine Angst mehr einjagen zu lassen. „Ich habe schon so viele Familienangehörige verloren. Sie sollen es doch nur noch einmal versuchen…!“ Sie kamen aber nicht, vielleicht wurden sie von Joshuas Entschluss, sich nicht davon zu machen, eingeschüchtert.

In der Zwischenzeit konnte die Nummer des Anrufers zurückverfolgt werden und die Polizei nahm vier der Täter fest.

„Es waren junge Kerle,“ meinte Joshua etwas mitleidig. „unter dem Deckmantel der Separatisten wurden sie zu gewöhnlichen Gewalttätern.“

Als wir ihn fragten, wie es jetzt weitergehe, dachte er kurz nach: „Mein Projekt aufgeben ist keine Option. Ich habe meinen Leuten in der Region versprochen, etwas gegen Kriminalität und Hunger zu tun. Und jetzt bin ich noch mehr davon überzeugt, dass wir gebraucht werden!“

Mehr Informationen über Joshuas tolle Projekt finden Sie über folgenden Link: