Zurück zur Natur

Maria Juliet
2024 kanthari Teilnehmerin aus Indien

Zurück zur Natur: Unser Weg vom Unternehmensleben zur nachhaltigen Landwirtschaft

Maria Juliet (MJ) und ihr Ehemann haben ihre gemeinsame Leidenschaft für die Natur verfolgt und sind vom Unternehmensleben zur traditionellen ökologischen Landwirtschaft und Tierrettung übergegangen. Gesundheitsprobleme brachten MJ dazu, die Bedeutung der Wiederverbindung mit der Natur zu erkennen, was sie und ihren Ehemann dazu veranlasste, ein nachhaltiges Leben anzustreben.

Der drastische Rückgang der einheimischen Flora und Fauna, die Zerstörung ihrer Lebensräume und die Verschmutzung der natürlichen Ressourcen in Teilen des Tiruchirapalli-Distrikts in Tamil Nadu sind deutliche Anzeichen für das nachlassende Bewusstsein der Menschen für ein gemeinsames Leben und die Vernachlässigung der Erhaltung der Natur für die Zukunft. Wenn dies unbeachtet bleibt, würde dies zu einem alarmierenden Verlust der Artenvielfalt führen! Lesen Sie weiter, um mehr über die bisherigen Veränderungen zu erfahren und was getan werden muss, um voranzukommen.

Leidenschaft für die Natur

Obwohl ich in einer städtischen Gegend aufgewachsen bin, war ich schon seit meiner Kindheit immer mit Pflanzen und Tieren verbunden. Ich bewunderte die zwitschernden Spatzen, die kleine Nester unter unserem Hausdach bauten. Eichhörnchen liefen an den Neem-, Mango-, Bananen- und Moringa Bäumen in unserem Garten hoch- und runter, knabberten an den Blumen und kosteten die leckeren Früchte. Einheimische Garteneidechsen kletterten an den grünen Zäunen hoch und runter und jagten Moskitos, Libellen und Heuschrecken. Aber seit einigen Jahren sehe ich selten eine Garteneidechse, keine Spatzen und weniger Eichhörnchen. Bäume werden von Menschen aus trivialen Gründen wie “trockene Blätter fallen auf den Boden” gefällt.

Es hat mich traurig gemacht zu sehen, dass Tierschützer und Umweltschützer verwaiste neugeborene Eichhörnchen Babys retten und aufziehen mussten, die aus gefällten Bäumen gefallen waren, anstatt dass ihre Mutter sich um sie kümmert.

Von urbaner Erziehung zu ländlichen Wurzeln

Mein Lebenspartner stammt aus einer ländlichen Stadt im Trichy-Distrikt, Tamil Nadu. Er hat einen landwirtschaftlichen Hintergrund und eine tiefe Leidenschaft für Ökologie. Als Biotechnologen lebten wir einige Jahre in Bangalore, das wegen seiner Grünflächen und günstigen Wetterbedingungen als Gartenstadt bekannt ist. Aber als sich die Stadt entwickelte, stellten wir fest, dass die umliegenden Vögel und Tiere aufgrund umfangreicher Bauarbeiten, überhöhter Geschwindigkeiten und nicht umweltfreundlicher moderner Lebensstile ums Überleben kämpften.

Der Kampf um die Biodiversität in Tiruchirapalli

Einige Jahre später zogen wir in das ländliche Leben in der Heimat meines Mannes. Wir waren sehr begeistert, der Natur näher zu kommen, in der Erwartung, dass Menschen mit den umliegenden einheimischen Bäumen, Tieren und Vögeln zusammenleben. Doch wir waren erstaunt zu sehen, dass die Gegend ihre Artenvielfalt verlor. Die umliegende Flora und Fauna kämpften um ihre Grundbedürfnisse und dieses Problem verschärfte sich im Laufe der Jahre. Damals schwammen und spielten die Bewohner im nahegelegenen Fluss und den Wasserläufen, wo Schildkröten, Fische, Schnecken und verschiedene aquatische Arten überlebten. Aber heute sind die Wasserquellen mit weggeworfenen Plastiktüten, Windeln und Flaschen verschmutzt. Die armen Schildkröten, die zu Wohngebieten wandern, um zu überleben, werden als Plage angesehen und getötet.

Unternehmensleben vs. Natur: Ein Wendepunkt

Eines regnerischen Morgens, als wir zu Hause waren, riefen Kinder aus der Nachbarschaft meinen Mann, um sofort zu einem Notfall zu kommen. Sie brachten uns zu einem nahegelegenen kleinen Nebenfluss, der früher sauber und klar war. Wir fanden ein sehr langes und großes Fischernetz aus Nylon, das achtlos im Fluss zurückgelassen worden war. Viele Schlangen, Schildkröten, Krabben und Frösche, die den Kanal überquerten, hatten sich im Netz verfangen, erstickt, verletzt und einige bluteten zu Tode. Und das während der Brutzeit. Alle vorbeikommenden Menschen drückten ihr Mitgefühl aus, aber niemand half. Einige örtliche Kinder halfen uns, das schwere Netz ans Land zu ziehen, wo wir die Nylonschnüre vorsichtig einschnitten, eine nach der anderen. Mit der Hilfe der Kinder konnten wir einige Leben retten. An den Ufern dieser Nebenflüsse boten früher Obst- und Blütenbäume Schutz für Kuckucke, einheimische Tauben, Papageien, Eulen, Mienen, Krähen, schlanke Lori und andere Vögel. Heute sind viele dieser Bäume gefällt worden und ich frage mich, was mit ihren Bewohnern passiert ist.

Das Nachlassen der Artenvielfalt beobachten: Eine herzzerreißende Realität

Vor fünf Jahren haben wir eine Säuberungsaktion eines Wasserkanals und Teiches initiiert. Wir haben einen ganzen Monat gebraucht, um die Aufgabe mit Unterstützung lokaler Umweltschützer abzuschließen, aber aufgrund des mangelnden Bewusstseins der Menschen, die an den Ufern dieser Nebenflüsse wohnen, war der Kanal jetzt wieder verschmutzt. Der übermäßige Gebrauch von Plastik ist eine der Hauptursachen. In dieser Initiative scheiterten wir bisher. Selbst Landwirte benötigen Schulungen über umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken. Um genügend Geld zu verdienen, wollen sie höhere Erträge erzielen und wählen daher chemiebasierte Anbaumethoden vom Samenkeimen bis zur Nachernteverarbeitung. Die verwendeten chemischen Düngemittel, Unkrautvernichtungsmittel und Pestizide stellen eine große Bedrohung für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und die Ökosysteme dar. Dies wird verheerende Konsequenzen für zukünftige Generationen haben.

Das verlorene Wissen der traditionellen Landwirtschaft

Traditionelles Wissen zeigt, dass in den südlichen Teilen Indiens mehr als 100.000 einheimische Reissorten angebaut wurden, von denen jede ihre eigenen Besonderheiten und gesundheitlichen Vorteile hatte. Heute ist die Anzahl auf nur noch wenige kommerzielle Sorten reduziert. Vor Jahren habe ich beobachtet, wie Kinder auf Bäume kletterten, Schmetterlinge jagten, kleine Lehmbauten errichteten, auf dem Spielplatz, im Regen spielten, einen Bissen von einheimischen Jamunfrüchten und Tamarinden nahmen, die von Bäumen fielen, in nahegelegenen Teichen schwammen und an Ästen von Banyan Bäumen schaukelten und Fahrräder fuhren. Sie hatten nie teure Spielzeuge, aber niemand hörte sie sagen: „Mir ist langweilig“. In den letzten Jahren habe ich beobachtet, dass Kinder eine Vielzahl von Spielzeugen haben, Spielzeugläden an jeder Ecke, eine große Auswahl an Snacks, Fernsehen, um Cartoons zu schauen, Computer und Videospiele, und doch fühlen sie sich in den Ferien gelangweilt. Was fehlt also?

Kinder und Natur: Eine verlorene Verbindung

Darüber hinaus möchten Eltern nicht, dass ihre Kinder draußen im Schlamm spielen, weil sie wissen, dass der Boden und das Wasser verschmutzt sind. Ein älterer Bewohner, der seit vielen Jahren im Lalgudi-Taluk lebt, erinnert sich an die Schönheit dieses vielfältigen Landes, den fruchtbaren Boden, die natürlichen Wasserressourcen, die chemiefreie Landwirtschaft und das Zusammenleben der Menschen mit der umliegenden Flora und Fauna. Er teilte seine Erinnerungen an das Trinken von sauberem und klarem Wasser und das Fußballspielen auf dem sauberen Boden dieser Wasserkanäle, die im Sommer austrockneten. Er fügte hinzu, dass es damals für Tiere und Vögel andere Möglichkeiten für sauberes Trinkwasser gab und alle Wasserquellen unverschmutzt waren. Er stimmt zu, dass die aktuelle Umweltlage bedrohlich ist und die Bewohner einen großen Einfluss auf diese herausfordernde Situation haben.

Die Geburt der MEAHLVANAM TRUST

Deshalb haben mein Mann und ich die MEAHLVANAM TRUST (Stimme der Natur) gegründet. Wir widmen uns der Wiederherstellung der Artenvielfalt, der Förderung des Zusammenlebens mit Flora und Fauna und der Förderung nachhaltiger Lebenspraktiken. Wir möchten den CO2-Fußabdruck reduzieren, indem wir das Bewusstsein schärfen und Schulungen für Kinder, Familien und Gemeinschaften anbieten. Wir verwenden Methoden wie Abfalltrennung, Reduzierung von Einwegplastik, Techniken zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, ökologisches Gärtnern und Gemeinschaftsküchen. All dies mit dem Ziel, ein Modell für nachhaltiges Leben zu schaffen.

Haben auch Sie, wie MJ, den Plan, eine eigene Organisation zu gründen, um ein Umwelt- und/oder Sozialproblem anzugehen? Dann könnte das kanthari-Leadership-Training-Programm der richtige Ort für Sie sein.

Erfahren Sie mehr über den Kurs und bewerben Sie sich für die Teilnahme am Programm 2025, das im April beginnt: https://www.kanthari.org/admissions/

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