Hassreden bekämpfen, um Frieden zu schaffen

Nduku Louis Tebi
2022 kanthari Teilnehmer aus Kamerun (1996)

Nduku hat die Folgen der anglo-französischen Konflikte in Kamerun aus erster Hand miterlebt. Eines Tages wurde er auf dem Rückweg von der Schule von Rebellen entführt, angekettet und gefoltert. Die Kultur der Spaltung und diese schreckliche Erfahrung inspirierten ihn dazu, sich für die Eindämmung von Hasskultur und Verbrechen gegen Jugendliche einzusetzen. Er setzte sich für den Frieden ein und will durch positive Interventionen Hassreden und andere schädliche Praktiken abschaffen. In diesem Blog beschreibt er die Begünstigten seines Projekts:

 

Kamerun - vom richtigen Weg abgekommen

Als die Vereinigten Nationen im Jahr 2000 ihren Mitgliederstaaten die Millenniums-Entwicklungsziele vorschlugen, gehörte Kamerun zu den Unterzeichnern der Konvention. Das in Zentralafrika gelegene Entwicklungsland setzte sich auf nationaler Ebene für ein harmonisches Zusammenleben und einen gleichberechtigten Zugang zu kostenloser öffentlicher Bildung ein. Die staatlichen Subventionen deckten die Schulgebühren in allen öffentlichen Schulen von der Grundschule bis zur Universität ab. Die kamerunische Jugend war glücklich und arbeitete mit der Regierung zusammen, um Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen zu fördern. Wie aus den Jahresberichten des Global Peace Index hervorgeht, wurde Kamerun zwischen 2003 und 2006 viermal zum drittfriedlichsten Land in Afrika erklärt. Der Alphabetisierungsgrad von jungen Menschen stieg von 40% auf 60%.

Dann kam Bokoharam

Die Sicherheit von Personen und deren Eigentum wurde durch den guten Willen aller Mitglieder der Gesellschaft gewährleistet. Die jungen Menschen gingen ihrem Alltag nach und hofften auf eine bessere Zukunft. Doch dann, im Jahr 2011 fing “Bokoharam” an Gemeinden in den Nordregionen anzugreifen. Später, im Oktober 2016, schlug ein Streik von Lehrern und Anwälten in Gewalt um. Die Lehrer wehrten sich gegen die vermeintliche Assimilierung und Marginalisierung des englischsprachigen Bildungssystems. Als Vergeltung verprügelten uniformierte Beamte einige Demonstranten, warfen Tränengas auf die Demonstranten und verhafteten die Anführer der Lehrer. Das anglophone zivilgesellschaftliche Konsortium, das die Interessen der Anglophonen im Dialog mit den Regierungsvertretern vertrat, wurde verboten. Die geächteten Mitglieder des Konsortiums setzten eine Schulboykottstrategie und eine wöchentliche Geisterstadt als Mittel des zivilen Ungehorsams ein.

Ambazonia - der neue abtrünnige Staat

Soziale Medienplattformen wie Facebook, WhatsApp und Twitter wurden von verschiedenen Parteien zur Verbreitung von Hassgerüchten und Propaganda genutzt. Die anglophone Diaspora mobilisierte rasch Geldmittel und unterstützte Jugendliche in ihrer Heimat mit Waffen zur Selbstverteidigung gegen die militärischen Razzien. Die Verbreitung von Hassreden nahm online und offline so stark zu, dass Tausende von Anglophonen auf die Straße gingen und einen von Kamerun abtrünnigen Staat namens “Ambazonia” ausriefen.

Die Befürworter der separatistischen Ideologie erleichterten die Gründung bewaffneter Gruppen zur Umsetzung ihrer Beschlüsse. Jede Person oder Gruppe, die ihre Ideologie nicht unterstützte, wurde als Feind betrachtet. Mangelnde Toleranz verschlimmerte den ohnehin schon blutigen Konflikt noch weiter.

Entführt, angekettet, verprügelt

Claudia ist 23 Jahre alt und studiert Kommunikation und Entwicklung an der Universität von Bamenda. Während des akademischen Jahres 2019/2020 war sie auf dem Weg zum Campus, als bewaffnete Männer sie als Geisel nahmen und an einen unbekannten Ort brachten. Sie wurde beschuldigt, ein Schulboykott-Embargo missachtet zu haben, das in den sozialen Medien angekündigt und von pro-amazonischen Kämpfern durchgesetzt wurde. Während sie ihren monatlichen Zyklus erlebte, wurde sie mit verbundenen Augen angekettet und mehrfach verprügelt. Claudia wurde zum Feind erklärt, weil sie unbedingt zur Schule gehen wollte. Das widersetzte sich jedoch der Ideologie ihrer Entführer. Sie hatte aber Glück. Gegen eine Zahlung eines Lösegeldes wurde sie freigelassen. Sie erfuhr von einem Kämpfer, dass ihre Entführung von einem Familienmitglied angeordnet wurde, der ein Problem mit ihrer Mutter hatte. Da wurde ihr alles klar. Sie begriff, dass ein Familienmitglied die ambazonische Revolution nutzte, um vom Ausland aus Hass gegen sie zu verbreiten. Sie kehrte traumatisiert und besorgt nach Hause zurück und war entschlossener denn je. Sie wollte die verantwortliche Person finden und sich rächen.

Verständnis schaffen für einen gemeinsamen Weg nach vorne

Claudia gingen viele Dinge durch den Kopf. Sie hatte Angst vor dem Unbekannten. Sie wusste nicht, ob sie zur Schule zurückkehren soll oder nicht. Sie entwickelte Strategien, um die verantwortliche Person zu identifizieren. Ausserdem wollte sie sich behandeln lassen, um sich von dieser schrecklichen Erfahrung erholen zu können.

Es sind Menschen wie Claudia, die von der Arbeit meiner Organisation profitieren werden. Ich möchte sicherstellen, dass vom Konflikt betroffene Jugendliche Wege zur Unterstützung finden. Was die Prävention betrifft, so möchte ich mich auf Methoden zur Verringerung von Hassreden konzentrieren, die sowohl online als auch offline verbreitet werden. Wir müssen daran arbeiten, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, dass der einzige Weg nach vorne nicht gegen-, sondern mit-einander führt.

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