Mitten im Netz von Gleichgesinnten – Mirranda Tiri – Zimbabwe

Vielen kanthari Absolventen, die die ersten großen Wellenbrecher hinter sich gelassen haben, geht es genau wie uns damals vor vielen Jahren. Obwohl es scheint, als seien die größten Hindernisse überwunden. Obwohl man weiß, in welche Richtung es nun gehen soll. Wir alle fallen früher oder später in ein Loch, aus dem wir uns nur mit Mühen wieder hinausmanövrieren können. Man fühlt sich allein, unverstanden und vielleicht etwas fehl am Platz. Denn kanthari zu sein bedeutet oft, ganz anders als andere an Probleme heranzugehen.

Wenn man keinem Netzwerk von ähnlich funktionierenden, ähnlich denkenden Menschen angehört, wenn man nicht von anderen Projekt-Initiatoren motiviert und zum Weitermachen angefeuert wird, dann ist man schnell am Ende und das, noch bevor das Projekt erst richtig angefangen hat.

Damals in Tibet hatten wir enge freundschaftliche Kontakte zur recht überschaubaren Expatriot-Community. Zu Franzosen, Belgiern, Italienern und Engländern, die für die dort Ansässigen Hilfsorganisationen arbeiteten. In Krisenzeiten, wenn Spendengelder ausblieben und wir unsere blinden Kinder für den Winter nicht einkleiden konnten, dann half man uns schnell und unbürokratisch aus. Im Gegenzug revanchierte sich Paul mit technischem Knowhow, sorgte für erste Internetanschlüsse oder zeichnete Baupläne für Dorfkliniken und Büroräume. Zusammen feierte man Geburtstage oder Halloween. Diejenigen, die den langen kalten Wintern trotzten, kamen zusammen, um sich an einem Elektro-Ofen, der aufgrund mangelnder Elektrizität eigentlich nicht legal betrieben werden durfte, zu wärmen, und gemeinsam fabrizierten wir aus uns unbekannten lokalen Lebensmitteln so etwas wie eine Pizza oder ein Pasta Gericht.

Was uns jedoch trotz der vielen Freundschaften in der Fremde fehlte, waren Gleichgesinnte. Bei den Expats handelte es sich zum Großteil um Delegierte von Medicines sans Frontieres oder Save the Children, selten um die Gründer der Organisationen selbst. Wir sehnten uns nach Kontakten zu Leuten, die wie wir so verrückt waren, sich zu zutrauen, ein Hilfsprojekt, eine Schule, oder eine Klinik aus dem Boden zu stampfen. Es war doch etwas ganz anderes, ob man “nur” die im fernen Europa ausgeklügelten Hilfsmaßnahmen umsetzte, von anderen gesammelten Spendengeldern ausgab und vorher entschiedene Operationen ausführte oder ob man gleichermaßen Verantwortung für alle projektrelevanten Teilbereiche hatte. Daher wünschen wir uns heute, dass es den kantharis mit ihren Netzwerken besser ergeht. Wir freuen uns über jegliche Anzeichen der generationenübergreifenden Solidarität.

Besonders diejenigen, die aus Ländern stammen, in denen schon viele kantharis erfolgreich wirken, haben großes Glück. Denn während Freunde oder Familienangehörige den neuen, oft sehr unkonventionellen Projekt-Ideen eher skeptisch gegenüberstehen, haben die erfahrenen kantharis immer ein offenes Ohr. Und, da sie die Bürokratie, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen ihres eigenen Landes aus erster Hand genau kennen, können sie den “Startern” mit praktischen Problem-Lösungen zur Seite stehen.

Ein gutes Beispiel für ein Solidaritätsnetzwerk unter kantharis ist die Gruppe aus dem Süd-Afrikanischen Zimbabwe. Besonders die Berichte Mirrandas machen deutlich, wie wichtig solch eine generationsübergreifende Hilfestellung in der Anfangsphase sein kann.

Nachdem Mirranda vor knapp einem Vierteljahr nach Zimbabwe zurückgekehrt ist, mache ich einen ersten Anruf:

“Hallo?”

“Hi!”

“Kannst Du mich hören?”

Immer das Gleiche, denn entweder hier oder auf der anderen Seite der Welt, irgendwo gibt es immer Internet Probleme. Das schreckt uns aber nicht davon zurück, uns regelmäßig mit den frisch zertifizierten kantharis auszutauschen. Und in dieser Woche ist Mirranda an der Reihe. Sie gehörte, mit ihren 20 Jahren, zu den jüngsten kanthari Teilnehmern. Offiziell heißt es auf unserer Webseite, dass wir erst ab 22 Jahren Anmeldungen akzeptieren. Sonst sehen wir uns offen für alle Altersgruppen. Nun, ein gutes Maß an Lebenserfahrung muss schon sein. Als wir aber die Bewerbung von Mirranda durchsahen und uns ein kleiner Einblick in ihren Lebenslauf gewährt wurde, verlor das Mindestalter seine Bedeutung.

Während des siebenmonatigen Kurses hier in Kerala saß ich mit Mirranda für viele Stunden auf unserer Dachterrasse und hörte mir ihre Lebensgeschichte an. Ich war erschüttert, erstaunt, sprachlos und dann wieder voller Bewunderung. Beim Zuhören musste ich mir wieder und wieder vor Augen halten, dass sie all das, was mindestens drei Leben hätte füllen können, in nur 20 Lebensjahren erfahren hatte.

Mirranda war gerade einmal sechs Jahre alt, als die Mutter, die von Gewalt und Alkohol überschattete Beziehung mit ihrem Mann nicht mehr aushielt. Sie liess die Kinder beim Vater zurück, um selbst ein neues Leben in Südafrika zu starten.

 

Von da an wurden Mirranda und ihre zwei Jahre ältere Schwester zu unfreiwilligen Nomaden. Sie zogen von einer Familie zur nächsten und überall fühlten sie sich nicht zugehörig, ausgenutzt und immer ‘zu viel’. Mirranda erzählt von täglicher verbaler Gewalt, von offensichtlicher Ablehnung und von einer Vergewaltigung durch einen ihrer entfernteren Cousins. Der Cousin bedrohte sie mit den Worten: “Ukangotaura chete ndinokuuraya nemhuri yako” (Falls Du jemanden etwas erzählst, werde ich Dich und Deine Familie umbringen.)

In der Vorstellungsrunde, gleich zu Beginn des Kurses erzählte sie zum ersten Mal davon. Damals verschämt und mit zitternder Stimme. Auf der Dachterrasse, knapp drei Monate später, beschrieb sie erneut diese traumatische Erfahrung. Diesmal ganz ohne Scham, dafür aber mit Wut. Sie machte mir klar, dass sie es fortan nicht mehr verheimlichen wollte. Das verursachte eine mittlere Familienkrise, denn ohne den Namen des Cousins zu nennen, machte sie durch Social Media ihr Erlebnis öffentlich.

“Er kann mich nicht mehr töten, denn das kleine hilflose Kind von damals ist schon tot. Stattdessen lebe ich! Ich bin stark und ich weiß, mich zu wehren.”

Genau das nimmt man ihr ab, wenn man sie, wie bei den kanthari Talks auf der Bühne sprechen sieht. Sie ist für alle Zuhörer deutlich eine Überlebende. Stark, aber nicht verbittert, erzählt sie von dunklen, untröstlichen, aber auch von wunderschönen Zeiten. Als sie etwa neun Jahre alt war, kam ihre Mutter zurück, um sie und ihre Schwester mitzunehmen. Die Mutter hatte sich in einen Deutschen Expatriat verliebt und zum ersten Mal, allerdings nur für wenige Jahre, erlebten die beiden Kinder, was es bedeutet, einer geborgenen liebevollen Familie anzugehören. Der neue Stiefvater hatte einen Traum. Er wollte in Namibia ein Ökotourismus Camp aufbauen. Die Wildnis, der See, die Nilpferde und die nächtlichen Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel war für ganze fünf Jahre ihr Zuhause. Dann aber wurde die Mutter schwer krank. Man brachte sie zurück nach Zimbabwe, wo sie schliesslich verstarb. Mirranda war gerade einmal 14 Jahre alt.

“Von da an wurden wir wieder von einem zum anderen verschoben. Hin und wieder lebte ich auch im Internat. Überall fühlte ich mich einsam.”

Irgendwann heckten die Geschwister ein Plan aus. Sie wollten zurück nach Namibia, zurück zu ihrem Stiefvater. Doch als sie ihn kontaktierten, fanden sie heraus, dass er sich nach dem Tod der Mutter das Leben genommen hatte.

“Am Ende wohnten wir bei unserem Großvater. Doch auch der hatte schon bald die Nase voll und warf uns hinaus. Das war unser Glück, denn jetzt konnten wir offiziell für uns selbst sorgen. Meine Schwester und ich mieteten ein Zimmer und zum ersten Mal hatten wir ein Zuhause.”

Und was entstand aus all ihren guten und schlechten Erfahrungen? In ihrer Rede während den kanthari Talks beschreibt sie ihr Traum-Projekt mit Namen “Khanya Africa”.

Sie richtet sie sich an Teenager, die sich wie sie selbst mit den Veränderungen mit ihrem eigenen Körper und von der Welt da draußen verlassen fühlen. Sie möchte besonders jugendlichen Mädchen dazu gewinnen, sich im Falle gefühlter Einsamkeit Hilfe zu suchen. Entweder professioneller Art oder sie können sich an Khanya Africa wenden.

 

Zur Erneuerung der Motivation und des Selbstbewusstseins, wird sie Workshops und Wildness-Camps organisieren. Sie möchte, dass viele Teenager ähnlich gute Erfahrungen mit der Wildnis haben, wie sie selbst und ihre Schwester damals in Namibia.

Ein deutscher Bekanter, Vater von zwei pubertierenden Jugendlichen, sah sie gemeinsam mit seinem älteren Sohn im kanthari talks Live-Stream. Der Sohn, der gerade durch eine Motivationskrise ging, war von ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Willensstärke und ihrer Offenheit so angetan, dass er sich überlegte, freiwillig ein Referat über Mirranda und ihr Leben in der Schule zu halten.

Und was ist aus ihren Ideen geworden?

Bereits Anfang dieses Jahres organisierte sie ihren ersten Khanya Workshop mit 14 Mädchen zwischen 9 und 20 Jahren.

Viele der Jugendlichen berichteten von ihren Emotionen, von ihren Ängsten nicht geliebt zu sein, von ihrer Sorge vor der Zukunft, aber auch von ihren Hoffnungen, selbst Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Die 18jährige Ruvimba (Namen geändert) berichtete zum ersten Mal im Leben über erfahrenen sexuellen Missbrauch. Und genau wie Mirranda möchte sie kein Opfer sein, sondern anderen Kindern helfen, sich zu wehren.

“Sie wird sich bestimmt einmal für kanthari bewerben.” sagt Mirranda, und ich höre, wie sie sich freut, ein Glied in der kanthari Kette sein zu können.

Mirranda selbst erfuhr vom kanthari Programm durch Trevor, einem Absolventen von 2018, der sich mit seiner Organisation “Purple Hand Africa” für die unterdrückte und kriminalisierte LGBTQ-Gemeinschaft einsetzt. Gemeinsam kontaktierten sie Nancy, eine engagierte Initiatorin einer Schule und Teilnehmerin des 2022 kanthari Kurses. Nancy bot Mirranda Räumlichkeiten in ihrer Schule für ihren ersten Khanya Workshop an. So wird die Information über kanthari von einer Generation an die nächste weitergeleitet. Und langsam spinnt sich ein Netzwerk von engagierten Veränderern, Projektgründern und Initiatoren, eine Gemeinschaft, die wir damals so dringend benötigt hätten.

born to be wild

“Alles ist schwierig, jeden Tag gibt es neue Herausforderungen. Aber zum Glück sind wir zu zweit. Wenn der eine mal aufgibt, hat der andere genug Energie, um uns wieder vorwärtszutreiben.” Niwas und Shivani, 2021 kanthari Teilnehmer aus Indien

Die Start-Up Phase

Die Berichte der beiden erinnern mich an unsere eigene Start-phase vor fast 25 Jahren. Damals hatten wir, Paul und ich, die verrückte Idee, in Tibet die erste Blindenschule zu gründen

Jetzt lausche ich den aufgeregten Berichten von Niwas und Shivani und ich fühle mich sofort in unsere eigene Vergangenheit zurückversetzt.
Ich erinnere mich an unseren Versuch, leere, hallende Räume durch sperrmüllreife Betten und Tische ein wenig bewohnbar zu machen,
An die allabendlichen recht kargen Mahlzeiten, dünne Reissuppe mit ein wenig Kohl und Chili Paste gewürzt. Zubereitet auf einem maroden Campingkocher. Mahlzeiten, die uns nur noch hungriger ins Bett entließen.

An die Nächte, in denen man nur unruhig schlief und bei jedem Knistern hochschnellte, um die Ratten, die es auf unsere dürftigen Lebensmittel abgesehen hatten, mit einem “Tschusch!” zu verjagen.
Und ich erinnere mich an das Gefühl nicht wirklich willkommen zu sein, obwohl man doch nur etwas zum Positiven verändern wollte.
Zum Glück waren wir, genau wie Niwas und Shivani, zu zweit, und wenn immer einer von uns die Nase voll hatte und alles hinwerfen wollte, hatte der andere eine Idee, wie wir diese oder jene Herausforderung meistern könnten. So kletterten wir über eine Hürde nach der anderen, bis wir heute schließlich in der Lage sind, andere zu ermutigen, weiter zu klettern.

 

Keine Anfänger mehr

Shivani und Niwas haben uns, den naiven Anfängern von damals, aber etwas Entscheidendes voraus. Sie sind keine Anfänger, sie wissen, was sie tun.
Fast ein Jahr haben sie, während dem kanthari Programm an ihren Ideen gearbeitet, haben ihre Projekte in einer virtuellen Welt ersten Stresstests unterzogen, sich vielen kritischen Fragen von Teilnehmern und Katalysatoren aussetzen müssen und sie haben klare Pläne und überzeugende Strategien entwickelt, wie sie jedes einzelne Problem in den Griff kriegen können.

Es handelt sich bei ihren Projekten um zwei unterschiedliche Ideen, die, aufeinander abgestimmt, sich zu unserem Erstaunen, äußerst gut ergänzen.
Shivanis großer Wunsch ist, mit ihrer neugegründeten Organisation “Wild” etwas zur Rettung der Artenvielfalt, der Wälder beizusteuern. Dabei konzentriert sie sich im Besonderen auf das Training von Frauen der Ureinwohner, die jenseits der großen Metropolen leben und durch die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft ihre traditionelle Anbaumethoden verloren haben. Zudem ist sie aufgrund ihrer eigenen Sehschädigung, daran interessiert, besonders auch Menschen mit Behinderungen in die natürliche Landwirtschaft zu integrieren.

Niwas möchte mit seinem Projekt Anantmool, eine Schule mit einem ganz eigenen Lehrplan gründen. Es geht ihm besonders um freien, zwanglosen Unterricht, in dem es keine Rolle spielt, ob man sich wie ein Junge oder ein Mädchen fühlt und sich dadurch auf ganz bestimmte Fächer, Aktivitäten oder Spiele beschränkt. In seiner Schule soll es keine Kastenunterschiede, keine Hierarchien geben. Die Lehrer werden mit ihrem Vornamen angesprochen, die Schüler dürfen über das zu Lernende mitentscheiden.

Es handelt sich um zwei große Visionen. Und daher traten wir im Geheimen mental auf die Bremse, als sie uns im Dezember verkündeten, dass die ersten Projekte schon im Januar starten sollten, und die Schule würde dann Mitte Februar eröffnet.

Sie machten aber ihr Versprechen wahr. Mitte Januar berichtete Shivani von ihrem Getreide Kaffee Projekt, dass sie gemeinsam mit ureinwohner und behinderte Frauen ins Leben riefen.

Und Niwas fand im gleichen Dorf eine alte verlassene Schule, die bis vor sieben Jahren von einer christlichen Organisation geleitet wurde. Irgendwann gingen aber die Gelder aus und die Kinder der Dorfeinwohner, die im 3 Kilometer Umkreis keine einzige Schule vorfinden, mussten ohne Bildung aufwachsen. Eine ganze Generation ist also nicht in der Lage, zu lesen, zu schreiben oder Hindi zu sprechen.

Doch plötzlich ging alles sehr schnell.

Doch plötzlich ging alles sehr schnell. Shivani und Niwas befreiten die Schule vom Wildwuchs, säuberten die Toiletten von schleimigen Maden und toten Insekten, sie renovierten die Klassenzimmer und befreiten den Spielplatz von Ästen und wucherndem Blattwerk und siehe da, die ersten Kinder tauchten auf und füllten den über Jahre verlassenen Schulhof mit Lachen, Schreien und dem Quietschgeräuschen der alten Schaukeln.

Und noch ein paar Tage später zählte ihre Schule 26 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Es handelt sich um Kinder aus der direkten Umgebung und solche die mehr als zwei Kilometer Schulweg durch Dschungel in einer Berglandschaft hinter sich bringen müssen, um am Unterricht teilnehmen zu können.

Einige Schüler sind Kinder der Frauen, mit denen Shivani bereits gearbeitet hat. Sie haben Vertrauen zu dem fremden Paar. Andere Eltern sind skeptisch und schleichen sich während dem Unterricht in die Schule, um alles selbst unter Augenschein zu nehmen.
“Das ist mir sehr recht,” sagt Niwas, “denn nur so können wir sie überzeugen.”

Bei den Müttern geht die Überzeugungsarbeit schnell von statten. Denn was gibt es eindrücklicher, als zu sehen, dass Kinder mit Spaß lernen. Allerdings ist ihnen die Art des Unterrichts noch fremd.
“Die Woche ist in drei Arbeitsbereiche gegliedert.” erklärt mir Niwas. “Montags und Donnerstags werden Konzepte gelernt. Inhalte sind Hindi und Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Dienstags und Freitags werden die Konzepte in die Praxis umgesetzt. Hier geht es um Erfahrung, um spielerische Experimente. Der Mittwoch ist der Tag des Gemeinwohls, da kochen die Kinder für die armen Familien im umliegenden Dorf oder sie helfen in der Landwirtschaft.”

 

Schlau ausgeklügelt

Das ist schlau ausgeklügelt, denn so gewöhnen sich die Ureinwohner an die Vorteile, die das neue Schulprojekt in ihre Kommune bringt. Und trotz alledem gibt es großen Widerstand.
Shivani erzählt, wie sie nachts von Fremden am Telefon beschimpft werden. “Wir sollten so schnell wie möglich verschwinden, sagt die Stimme. Und obwohl uns der Dorfoberste  zugesichert hat, dass wir keine Sorgen haben müssten, gibt es nachts Leute die draußen herumschleichen, um uns Angst einzujagen.”

“Aber dann sind da die Kinder und wir wissen, warum wir das ganze aushalten müssen!” sagt Niwas und ich höre sein Lächeln in der Stimme als er von einem kleinen Mädchen erzählt, dass anfangs in Schuluniform auftauchte. Das Mädchen stand immer abseits, wollte bei den wilden Spielen der anderen nicht mitmachen und fühlte sich wohl etwas fehl am Platz. Doch dann kam es, wie die anderen Kinder auch in Alltagskleidung und plötzlich lebte es auf. Das Mädchen fing an auf Bäume zu klettern und sich mit den anderen im Dreck zu balgen. Beim Fußballspielen guckten die Mädchen zunächst noch zu, bis Shivani zeigte, dass jedes Kind Ballspielen kann.

Shivani und Niwas haben bereits einen dritten Mitstreiter, einen jungen Ureinwohner, der ihnen beim Übersetzen hilft und schon einige Unterrichtsfächer übernimmt. Die ersten Hürden sind genommen, und da sie bereits Kindern und Frauen Hoffnung gegeben haben, sind Shivani und
Niwas selbst motiviert, weiterzumachen.

Da schreckt es sie auch nicht zurück, wenn von einem Mangobaum, gleich über dem Pfad zur Außentoilette, eine grüne Giftschlange herunterbaumelt und sich Niwas nur mit einem Hechtsprung retten kann, wenn die Ameisen Kolonien ihre wenigen Vorräte vertilgen oder wenn sie sich nur einmal in der Woche richtig waschen können. All das wird sie für die Zukunft stärken und irgendwann wird es eine spannende Geschichte sein, die andere ermutigt, nur nicht aufzugeben.

Am Ende sind wir alle dazu geboren, in der Wildness zu überleben.

EnKindle – Kamerun

Mit dem Table Banking Projekt wird EnKindle 84 hilfsbedürftigen und gefährdeten Frauen den Ausstieg aus dem Armutskreislauf ermöglichen. Die Frauen erhalten durch Table Banking Zugang zu finanziellen Mitteln und werden bei der Gründung ihrer eigenen Unternehmen unterstützt.

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Radio espero – Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Geschlechtergleichstellung in Guinea

Josephe Christophe Kone ist gebürtig aus Liberia, West Afrika. Im Alter von sieben Jahren erlebte Joseph, wie Rebellen die Stadt Gbarnga in Liberia einnahmen. Seine Mutter floh mit ihm und seiner Schwester in ein Dorf, doch da waren sie auch nicht sicher. Er wurde Zeuge von Gräueltaten der Rebellen an Frauen und Mädchen. Die kleine Familie suchte bis zum Waffenstillstand Zuflucht in einer nahen gelegenen Höhle. Als sich das Leben langsam wieder normalisierte, entdeckte er seine Leidenschaft für das Radio. Dies war der Beginn seiner Reise als Radiomoderator, eine Reise zur Überwindung der Ungerechtigkeit gegenüber Frauen, eine Reise der Hoffnung, espero.

Ich war sieben Jahre alt, als die Stadt Gbarnga in Liberia in die Hände der Rebellen der United Liberation Movement of Liberia for Democracy (ULIMO) fiel. An diesem Morgen hörten wir Schüsse; alle rannten in alle Richtungen. Meine Mutter schaffte es, meine Schwester und mich in unser Heimatdorf zu bringen. Eine Nacht lang konnten wir ruhig schlafen.

Am Nachmittag des nächsten Tages hörten wir erneut Schüsse, diesmal waren sie näher als zu vor und die Zahl der Schießenden schien sich vergrößert zu haben. Wieder brach Panik aus, und wir begannen zu rennen. Aber die Rebellen hatten das Dorf inzwischen umzingelt. Wir suchten alle Zuflucht in unseren Häusern. Einer nach dem anderen wurden wir auf den Dorfplatz geschleppt. Die Kinder, die älteren Frauen und die Männer mussten sich in einem Kreis auf den Boden setzen. Die Rebellen zwangen uns dann, dabei zuzusehen, wie sie junge Frauen brutal vergewaltigten, viele von ihnen unsere engsten Verwandten.
Als die Rebellen abzogen, ließen sie eine zutiefst traumatisierte Gemeinschaft zurück. Nicht viel später wurde das Dorf von einer anderen Rebellengruppe geschützt, aber das Vertrauen war dahin.

Wir befürchteten, dass die brutalen ULIMO-Rebellen zurückkehren würden, also brachten uns unsere Mütter zu einem Bauernhof etwas außerhalb des Dorfes, wo wir in einer Höhle Zuflucht fanden. Wir Kinder wurden zusammen mit den Älteren in der Höhle zurückgelassen, während unsere Mütter und Schwestern sich auf die Suche nach Nahrung machten. Von diesem Moment an wusste ich, dass Frauen stark und widerstandsfähig sind.

Als ein Waffenstillstand verkündet wurde und wieder Normalität einkehrte, gingen wir zurück in die Stadt und wurden eingeschult. Doch der Waffenstillstand war instabil, und von Zeit zu Zeit mussten wir aus der Stadt fliehen, die Situation in unserem Dorf abwarten und dann zurückkehren.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrte das Land langsam zur Normalität zurück. Ich erinnere mich noch gerne an ein Ereignis in den Weihnachtsferien. Die Jugendlichen meines Dorfes organisierten ein Fußballturnier. Am ersten Weihnachtstag spielte unser Club gegen den Verein des Nachbardorfes. Dabei fiel mir das Mikrofon, das für die Durchsagen verwendet wurde, ins Auge. Kurzerhand nahm ich es und begann, das Spiel zu kommentieren. Die Menge begann zu jubeln. Danach kamen viele, um mich zu ermutigen, weiterzumachen. Ich erinnerte sie tatsächlich an professionelle Radioreporter und Fußballkommentatoren. Ich bekam sogar für meine weiteren Auftritte ein wenig Geld. Da war dieser ehrwürdige Herr, Garkpon, der mich seit diesem Tag nie wieder bei meinem Namen nannte. Er bezeichnete mich fortan mit: “mein Journalist”. An diesem Tag wurde mir das erste Mal bewusst, dass ich etwas bewegen konnte. Ich fühlte mich nützlich, und ich war mir sicher, dass ich einen Platz in der Gesellschaft haben würde.

Was aber mein Leben besonders beeinflusst hat, ist ein Widerspruch in der Gesellschaft. Frauen sind die starken, die Mutigen, aber sie werden unterdrückt.

Meine größte Bewunderung gilt meiner Mutter und meiner Schwester. Sie haben mich großgezogen und immer dafür gesorgt, dass ich nicht gewalttätig werde und mich den Rebellen anschließe. Wären sie nicht gewesen, wäre ich heute entweder in einem Gefängnis oder sogar getötet worden.

Die Stärke der beiden hat mich dazu gebracht, für Frauen einzutreten.
Für mich gibt es daher keine andere Wahl als mein Leben der Armutsbekämpfung zu widmen. Alles, was ich tue, wird im Namen der Gewaltlosigkeit und für Gleichberechtigung geschehen.

Mein Beitrag dazu sollte über das Medium erfolgen, das ich am besten kannte: das Radio. Ich gründete einen Radiosender in Liberia, der durch seine Programme lokale Popularität erlangte. Wir machten hauptsächlich Beiträge, die sich mit der Frauenfrage, mit Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und mit Gleichstellung auseinandersetzten. Aber ich wurde von meinem Partner (unserem Bezirksvertreter in der nationalen Legislative) betrogen. Er übernahm den Sender als Vorsitzender des Kuratoriums. Er suspendierte mich auf unbestimmte Zeit aus irgendwelchen vagen “administrativen” Gründen. Später wurde mir klar, dass er mich wegen meiner Popularität als Hindernis für seine politische Position ansah.

Aus Frustration beschloss ich, Liberia zu verlassen und die lange und gefährliche Reise nach Europa anzutreten. Doch schon im Nachbarland Guinea blieb ich hängen. Ich lernte eine andere starke Frau kennen, die in mir das Feuer entfachte, für die Frauen in West Afrika einzutreten und meinen Traum einer gerechteren Gesellschaft nicht aufzugeben. Ob in Liberia oder Guinea, Frauen leiden überall.

Ich möchte in einer Gemeinschaft leben, in der Frauen nicht zu einer frühen Heirat gezwungen, sexuell ausgebeutet oder körperlich missbraucht werden, sondern in der ihre Fähigkeiten und Ambitionen gefördert werden; eine Gemeinschaft, in der jeder die Möglichkeit hat, seinen Weg zu gehen. Und das Radio wird mein Werkzeug sein.
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Joseph wird seine Geschichte und seine Projektideen für einen sozialen Wandel in West Afrika während der kanthari TALKS öffentlich machen. Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung, die live gestreamt wird, finden Sie auf http://www.kantharitalks.org/

Anantmool India

Niwas Kumar stammt aus Bihar im Norden Indiens und befasst sich mit einem ziemlich heiklen Thema: es geht um die Frage, “brauchen wir Geschlechter-Normen?”

Die indische Kultur ist durchsetzt von Normen, die entweder dem einen oder dem anderen Geschlecht zugeordnet sind.

Von frühester Kindheit an ist jeder Aspekt täglicher Aktivitäten klar auf Mädchen oder Jungen, Männer oder Frauen zugeschnitten.

Es hängt vom Geschlecht ab, mit wem man spielen darf, wo man im Bus oder in der Kantine zu sitzen hat und welche Berufe man ausüben soll. Kinder werden in der Schule diskriminiert, wenn sie nicht den Normen entsprechen. Niwas fragt sich, warum das Geschlecht schon in der Kindheit und in der Schule so wichtig ist.

Mit seiner Organisation Anantmool will er ein Lernzentrum gründen, das bewusst keine Unterschiede in den Geschlechtern zulässt. Er ist davon überzeugt, dass jeder alles lernen kann, wenn es keine sozialen und besonders keine geschlechterspezifischen Barrieren gibt.

Im Alter von vier Jahren, wenn Kinder normalerweise mit Puppen oder Autos spielen, zum Kindergarten gehen und von ihren Familien verwöhnt werden, nahm ich mit meiner Mutter an einer Schulung für Kleinstunternehmen teil. In meinem Dorf hatten wir eine Schule mit nur einer Lehrerin, die dort kaum zu sehen war. Ich war auch kaum zu sehen, denn während meiner Grundschulzeit verbrachte ich meine Zeit mit meiner Mutter auf Reisen.

Wir zogen von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt, alles, um für mich eine gute Ausbildung zu finden, aber wir hatten keinen Erfolg.

Meine Mutter ist Aktivistin, die gegen Korruption kämpft. Daher wurde meine Familie bedroht, und meine Eltern verloren ihre Arbeit. Das war dann auch das Ende für meine Schullaufbahn, denn ich musste ja arbeiten, um unseren Unterhalt zu decken. Damals war ich gerade 12 Jahre alt.

In dieser Zeit lernte ich jemanden kennen, der mir helfen wollte, ein Geschäft aufzuziehen. Aber ich wollte lieber erst einmal etwas lernen. Unter seiner Anleitung schloss ich mich einer Organisation namens i-Saksham an, wo ich 18 Stunden am Tag arbeiten musste. Allerdings konnte ich mir da alle Fähigkeiten, die ich brauchte, ein Unternehmen zu leiten, aneignen. Nebenher machte ich meinen Bachelor-Abschluss an einer Universität.

Um mehr praktische Erfahrungen zu machen, nahm ich an der Jagriti Yatra (der längsten Zugreise der Welt für junge Sinnsucher) teil und bekam später die Gelegenheit, bei der Organisation “Project Potential” Unternehmer aus ländlichen Regionen auszubilden.

Im Alter von 17 bis 21 Jahren hatte ich die Möglichkeit, 150 Trainer und 200 Schüler im Computerbereich auszubilden. 23 Unternehmern konnte ich helfen, selbstständig zu werden. Während dieser Zeit entwickelte ich großes Interesse für offene Lernformen und für alternative Schul-konzepte.

Im Jahr 2019, während meines Masterstudiums, setzte ich mich mehr und mehr mit Themen der Geschlechter Ungerechtigkeit auseinander.

Damals begegnete ich auf einer Zugfahrt einer Transfrau, die in schwarzen Jeans und einem T-Shirt ziemlich schick aussah, aber um Geld bettelte. Ich hielt sie an und fragte: “Warum bettelst du? Warum hast du keinen normalen Job?” Sie blaffte: “Wer will mir denn schon einen Job geben? Du vielleicht?”

Ich konnte dazu nichts entgegnen, aber sie blieb dran: “Was machst du denn überhaupt?”

Ich erzählte, ich sei für Forschungsarbeiten nach Uttarakhand unterwegs.

“Okay,” meinte sie flapsig. “Warum forschst du dann nicht mal über mich?” Und dann wurde sie richtig gesprächig: “Finde doch mal heraus, warum mich Gott so gemacht hat. Und wenn Gott sich dabei etwas gedacht hat, warum akzeptieren mich die Leute nicht so wie ich bin?”  Damit ließ sie mich allein zurück und mir hatte es für eine Zeit lang die Sprache verschlagen.  Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Aber etwas veränderte sich in mir und ich erinnerte mich an eine Begebenheit aus meiner Kindheit, als ich 7 Jahre alt war. Meine Mutter hatte mir im Zug die Augen geschlossen, als eine Transfrau vorbeikam. Meine Mutter sagte, dass diese Frau keine Frau sei, dass sie einen Saree trage, nur um Geld zu betteln.

Ich begann, mich mit dem Thema Transgender zu beschäftigen und fand heraus, dass die Transgender-Gemeinschaft, die am stärksten von geschlechtsspezifischer Diskriminierung betroffene Randgruppe in Indien ist. Es handelt sich um eine der am meisten vernachlässigten Gemeinschaften, die kaum Zugang zu öffentlichen Diensten hat.

Damals gründete ich eine Gruppe von fünf Studenten und begann, Ausstellungen zu organisieren, um die Menschen auf die Geschlechtervielfalt aufmerksam zu machen.

Eines Tages erhielt eines unserer Gruppenmitglieder einen Anruf von einem 17-jährigen Trans-Mädchen aus Delhi. Sie erzählte, wie ihre Familie sie wegen der Transidentität bedrohe. Es war ein Hilferuf und wir waren bereit, sie da rauszuholen. Alles war geplant. Doch an dem Tag, an dem es passieren sollte, sie war schon früh morgens ausgebrochen, ging nach wenigen Minuten die Nachricht ein, sie sei von ihrer Familie erwischt worden. Dann brach der Kontakt abrupt ab und seit Dezember 2019 war sie verschwunden.

Das war ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben. Ich beschloss, keine andere Arbeit mehr zu machen, sondern mich darauf zu konzentrieren, einen Raum zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche frei von jeglichen Geschlechternormen leben können. Nachdem ich mehr gelesen und mit vielen Trans-Personen gesprochen hatte, wurde mir klar, dass wir Bildung in einem geschlechtsfreien Raum anbieten müssen, damit diejenigen, die unter Geschlechtsdysphorie leiden, in die Lage versetzt werden, sich selbst in die Gesellschaft zu integrieren.

Niwas wird seinen kanthari TALK am Freitag, den 17. Dezember 2021 um 17:10 Indian Standard Time präsentieren. (13:40 EST)
Weitere Informationen über die kanthari TALKS finden Sie unter http://www.kantharitalks.org/

Lebe Deine Wahrheit

Während eines Campingausflugs in Namibia entdeckten meine Eltern das Paradies an einem Ort, den auch Livingstone einst als “Garten Eden” bezeichnete. Es war in einer wunderschönen atemberaubenden Landschaft mit wilden Tieren, eine fast unberührte Umgebung. Das einzige von Menschenhand geschaffene Bauwerk, war eine kleine Lehmhütte. Wir verbrachten viel Zeit mit Mokoro-Safaris (ein traditionelles Kanu), besuchten die Umgebung und unternahmen geführte Wanderungen und Rundfahrten. Wir spielten Spiele, benannten Pflanzen, Bäume und Vögel und lernten etwas über die Sterne. Wir waren verliebt in die Wildnis. Meine Eltern wussten damals, dass wir hierhergehörten. Diese Jahre, von 9 bis 14 Jahren, waren die beste Zeit meiner Kindheit.

Ich wurde in eine zerrüttete Familie hineingeboren und war ein unerwünschtes Kind. In einem Zuhause voller Terror und Gewalt litt meine Mutter darunter, dass es meine Schwester und mich gab. Vielleicht war es aus Angst oder Verbitterung, aber meine Mutter floh als ich 5 Jahre alt war nach Südafrika. Sie ließ meine Schwester und mich in der Obhut unseres Vaters zurück. Wir waren alles, was von ihrer Ehe übrigblieb.

Wir wurden oft von einem Haus eines Verwandten zum nächsten geschoben. Wir blieben aber nie lange an einem Ort. Während eines Aufenthalts bei einem Verwandten auf dem Lande wurde ich sexuell missbraucht. Ich war erst 6 Jahre alt und wusste nicht, was es bedeutet, berührt und vergewaltigt zu werden. “Ukangotaura chete ndinokuuraya nemhuri yako” (wenn du es jemandem erzählst, bringe ich dich und deine Familie um) sind die Worte, an die ich mich heute noch in aller Klarheit erinnere. Ich kann mich nicht mehr an das Mädchen erinnern, das ich vor diesem Vorfall war, weil mein Vergewaltiger sie getötet hat.

Ohne zu wissen, welche Last ich trug, kam meine Mutter als ich 9 Jahre alt war zurück und nahm uns mit. Aber diesmal war die Situation anders. Sie hatte Adolf kennengelernt, einen Mann, in den sie unsterblich verliebt war. In jedem Urlaub fuhren wir raus aus der Stadt in die Wildnis. Und so begann die schönste Zeit meiner Kindheit. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wirklich in eine gut funktionierende Familie zu gehören.

Doch das Universum setzte dem ein Ende.
Als ich 14 Jahre alt wurde, verstarb meine Mutter. Ich wurde auf ein Internat geschickt. Alles was ich fühlte, war Verlassenheit und Sinnlosigkeit im Leben. In der Schule wurde ich schikaniert, litt unter Depressionen und Angstzuständen und zog mich völlig aus der Gesellschaft zurück. Außerdem war ich gerade in die Pubertät gekommen und hatte so viele Fragen zu meinem Körper und den Veränderungen, die ich erlebte.
Nach dem Abschluss der High School wollte ich zurück in die Wildnis, die ich mit guten Erinnerungen und dem Gefühl, dorthin zu gehören, verband. Ich wollte in die dahin zurück, wo es niemanden gab, der mich verurteilte, und wo überall Frieden herrschte.

Ich weiß noch, wer ich in der Zeit in der Wildnis war. Aber ich konnte nicht mehr dorthin zurück. Adolf, eine Vaterfigur, als ich sie am meisten brauchte, war depressiv und hatte sich mittlerweile das Leben genommen. Also wurden meine Schwester und ich wieder wie Nomaden von einer Familie zur anderen geschickt. Schließlich beschloss unser Vater, dass wir dauerhaft bei unseren Großeltern bleiben sollten.
Doch innerhalb eines Jahres jagte unser Großvater sowohl meine Schwester als auch mich aus seinem Haus. Das war im Nachhinein allerdings ein Glücksfall. Wir mieteten ein Zimmer und zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir das Gefühl, endlich frei und zu Hause zu sein.

Nach einem Monat lernte ich Trevor kennen. Er ist der Gründer von Purple Hand Africa und 2018 kanthari. Er arbeitet in Simbabwe mit der LGBTIQ-Gemeinschaft. Ich schloss mich seinem Team an. Das öffnete mir die Türen zu einer ganz neuen Welt. In den Gesprächen, die wir während der Camps führten, wurde mir klar, dass die meisten Menschen ähnliche Geschichten über brutale Herausforderungen in ihrer Jugend erlebt hatten. Ich dachte an die Reise- und Campingphase meines Lebens zurück. Die Zeit, in der ich unbeschwert und in Kontakt mit meiner Familie und meinen Gefühlen war. Ich war motiviert, andere Mädchen zu unterstützen, denen es ähnlich erging wie mir. Sie sollen die gleiche Art von Heilung wie ich erfahren. In unseren Wildnis Camps können sie sich wieder mit ihren Eltern, ihrem inneren Selbst und der Natur verbinden. Weit weg von den Augen der Welt, können sie sich dort selbst entdecken. Ich möchte den Mädchen helfen, ihre Geschichten zu erzählen und ihre Wahrheiten zu leben.
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Mirranda ist eine kanthari Teilnehmerin dieses Jahres und Gründerin von Kanya Africa.
Kanya Africa möchte Mädchen die Möglichkeit geben, sich frei auszudrücken, sich weiterzuentwickeln und ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, und zwar durch Wildnis Camps und andere kreative Orte. Durch Aktivitäten, die von lustigen und abenteuerlichen Spielen bis hin zu ruhigen, nachdenklichen Sitzungen reichen, werden die Wildnis Camps den Mädchen die Möglichkeit geben, die Bindung zwischen ihnen zu stärken, ihr Selbstvertrauen zu steigern und sich einander anzuvertrauen, um ihre tiefsten Herausforderungen zu teilen.

Am 17. Dezember 2021 um 15:55 Uhr Indischer Zeit (11:25 EST) wird Ihre Abschlussrede präsentieren. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.kantharitalks.org/

Peace Crops – Kamerun

40 jugendliche Waisen und marginalisierte Frauen werden von Peace Crops geschult, damit sie ihre eigenen landwirtschaftlichen Unternehmen gründen und so ein finanziell unabhängiges Leben führen können.

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Marvelling Roots – Indien

Das Ziel von Marvelling Roots ist es, Kinder mit Behinderungen schon in jungen Jahren zu unterstützen, ihnen Hoffnung und Möglichkeiten zu geben und sie darauf vorzubereiten, selbstbewusste und unabhängige Erwachsene zu werden.

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