Adegbite Tobi Gabriel

Entojutu

Adegbite Tobi Gabriel – Nigeria 

Tobi, Biologe und Landwirt, sorgt sich um die umweltverschmutzenden, stinkenden und Methan freisetzenden organischen Abfälle. Diese verfüttert seine Organisation Entojutu an die Larven der schwarzen Soldatenfliege. Nach einer kurzen Aufzuchtsphase werden die Larven geerntet und getrocknet zu hochwertigem Tierfutter verarbeitet. Die Rückstände werden als organischer Dünger eingesetzt. Entojutu unterstützt Landwirte bei der Umstellung auf diese und andere umweltfreundliche Arbeitsmethoden.

Tobi sagt:

Als Umweltbiologe und Gesundheitswissenschaftler interessierte ich mich leidenschaftlich für die Landwirtschaft und absolvierte eine Ausbildung, um auf die “grosse und richtige Art” Landwirtschaft betreiben zu können. Auf dieser Reise wurde ich Zeuge dessen, was der gewöhnliche nigerianische Bauer in seinem Bestreben, die Nation zu ernähren, erlebt. Es war schockierend.

Ich habe gross versagt, nicht nur einmal, sondern zweimal. Die Probleme reichten von Unsicherheit über hohe Produktionskosten bis hin zum Klimawandel und vielem mehr. Auf der Suche nach Lösungen stiess ich auf ein weiteres Problem im Lebensmittelsystem. Nämlich die organischen Abfälle, die rund um meine neu errichtete Farm Umweltschäden verursachten. Deshalb gründete ich Entojutu, das sich auf die Lösung von zwei Problemen konzentriert: Nahrungsmittelknappheit und Probleme mit organischen Abfällen. 

Und wie? Entojutu nutzt die Larven der schwarzen Soldatenfliege, um städtische organische Abfälle in organischen Dünger umzuwandeln, und liefert hochwertiges Insektenprotein, das wasser- und klimaintensives Pflanzenprotein sowie übermässig geerntetes und erschöpfendes Fischprotein, das in Tierfutter verwendet wird, ersetzt.

Entojutu - Flies for Change

Sehen Sie sich Tobis inspirierende Abschlussrede bei den 2021 kanthari Talks an und lernen Sie, wie er die Larven der Schwarzen Soldatenfliege einsetzt, um städtische organische Abfälle in organischen Dünger umzuwandeln. 

Mehr zu Tobi

Fliegen für den Wandel

Adegbite Tobi Gabriel ist Biologe und Landwirt aus Nigeria. Landwirte in Nigeria stehen vor vielen Herausforderungen, die meisten Bauern sind hoch verschuldet. Zudem sorgt sich

Achterbahn

Achterbahn

Vor einigen Jahren überhörte ich ein Gespräch zwischen meinem Bruder und meiner Mutter. Meine Mutter hatte sich Stifte, Pinsel und Farben besorgt, eine Leinwand aufgespannt und wollte nun mit dem Malen beginnen. Doch da war die Angst vor dem Start, die Angst davor, die makellose, weiße Leinwand zu verschandeln. Mein Bruder ist Künstler und unterrichtet Zeichnen, Malen und Kunst-Installationen. Er kannte diese Anfangsangst von seinen Studenten und vielleicht auch aus eigener Erfahrung. “Nicht lange nachdenken”, meinte er. Kurzerhand gab er meiner Mutter einen Stift in die Hand und brachte sie dazu einfach loszukritzeln. Die Leinwand war nun nicht mehr sauber und unberührt und die Hemmschwelle, loszulegen war damit überwunden.

Ich habe diesen kleinen, aber sehr wirksamen Trick auf den Beginn eines Projektes übertragen. Nicht lange nachdenken, was alles schieflaufen könnte, einfach anfangen und daraus mehr werden lassen. Und tatsächlich, es funktioniert! Diejenigen, die den Mut haben, einfach loszulegen, erleben oft, dass sich die so überwundene Angst vom Anfang in eine Art Euphorie umwandeln läßt und viele erfahren, dass jeder Start, wenn man ihm nur eine Chance gibt, unter einer magischen Spannung steht.

Die Magie des Anfangs

Aus aktuellem Anlass, denn 16 unserer kantharis haben ihre betreute dreimonatige Startphase in der letzten Woche abgeschlossen, möchte ich in diesem Blog die Magie des Anfangs untersuchen. Dafür nutze ich auch Reflexionen eines unserer Teilnehmer. Es handelt sich um Biman Roy, einen kanthari aus dem letzten Jahrgang, der mit seiner Organisation BON in seinem Heimatdorf im indischen Westbengal, die traditionellen Bauern zu einer umweltschonenden und gesünderen Landwirtschaft bewegen möchte.

Biman hat einen interessanten Lebensweg hinter sich. Er stammt aus einem abgelegenen Dorf. Als Kind bestand sein Spielplatz aus Dschungel, Feldern, Bächen und schlammigen Teichen, in denen sich Kinder und Büffel gleicher Maßen suhlten. Dann kam er in die Schule und seine mathematische Begabung ebnete ihm den Weg durch Universitäten in Indien und Schweden, wo er schließlich seinen Doktor in Computer Wissenschaften machte. Doch während der gesamten Studienzeit, zwischen Computern und mathematischen Konzepten, vergass er nie die Leidenschaft für die “Wildness” seiner Heimat, die Mannigfaltigkeit der Früchte, Kräuter und Gemüsesorten und die schattigen uralten Bäume. 2021 war er so weit. Er ließ Europa und die Träume seiner Eltern, er würde irgendwann ein Professor für Mathematik werden, hinter sich und kehrte, mit einem siebenmonatigen Zwischenstopp im kanthari Institut, in seine Heimat zurück.

Jeder Beginn ist eine Achterbahn

Biman ist ein Zauderer. Er denkt zu viel und seine detaillierten Analysen stehen seinen Aktionen oft im Weg. Daher gab ich ihm den Rat: “Egal was du tust, fang einfach an.” Er folgte diesem Rat und stürzte sich gleich nach den Abschlussreden in Aktivitäten. Gemeinsam mit Akhina, ebenfalls einer Teilnehmerin der letzten Generation, reiste er von Kerala nach Odissa und besuchte unterwegs verschiedene Projekte. In Odissa traf er sich mit kanthari Absolventen, die ihm von ihren Startphasen erzählten. Einer von ihnen war Karthik, Gründer von Sristi Village, einem heute sehr erfolgreichen Projekt. Karthik kehrte unmittelbar nach kanthari erst einmal in seinen alten Job als Leiter eines Waisenheims zurück. Das sei aber keine gute Idee gewesen. Erklärte er den frisch gebackenen kantharis. Denn das große Selbstbewusstsein, dass er während der Monate im kanthari Institut aufgebaut hatte, sei durch seinen wieder hergestellten Alltagstrott völlig in sich zusammengefallen. Dazu gesellte sich die Skepsis von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen. Karthik erlebte eine Depression, aus der er sich erst durch die Umsetzung seiner Projekt-Ideen befreien konnte. “Fangt so schnell wie möglich an und seht zu, dass ihr eure Hochstimmung in die Startphase hinüberrettet. Ihr werdet sie brauchen. Denn jeder Beginn ist eine Achterbahn!”

Nach drei Monaten, in denen die kantharis durch Ehemalige in ihren Anfängen begleitet werden, verfassen sie einen Abschlussbericht. Diese Berichte sind sehr spannend zu lesen, sie geben uns einen tiefen Einblick in die Lebensumstände jedes Einzelnen und sie geben Aufschluss über die emotionale Stärke, mit der sie die vielen Hindernisse überwinden und die mannigfaltigen Probleme lösen. 

Bimans Einschätzung

Besonders Biman’s Bericht spiegelt die Achterbahn des Anfangs, die wir, Projekt Initiatoren alle kennen, in sehr eindrücklicher Weise wider. Hier ein kleiner Auszug:

“Wenn ich auf mein dreimonatigen Projekt Beginn zurückblicke, dann sehe ich in mir drei unterschiedliche Persönlichkeiten:

Der Enthusiast (Januar, erster Monat): Am Anfang war ich unheimlich aufgeregt und dem entsprechend überaktiv. Ich habe online meine Projekte vorgestellt, mich mit potenziellen Begünstigten getroffen, ich habe versucht, meine Organisation zu registrieren, bin umhergefahren, um organisches Material und diverse Gemüsesaht zu sammeln und habe den Boden für die ersten Pflanzungen vorbereitet. Ich war von morgens bis abends beschäftigt, und in meiner Vorstellung war ich davon überzeugt, dass ich alles, was ich mir erträumt hatte, auch erreichen kann. Doch dann setzte die Realität ein.

Der Pessimist (Februar bis Mitte März): Die Leute, mit denen ich zusammenarbeiten wollte, waren nicht so motiviert, die Saat ging nicht richtig auf, ich konnte viele Fragen nach meinen Erklärungen und öffentlichen Auftritten nicht wirklich beantworten, die Registrierung meiner Organisation Bon ging nicht voran, denn bürokratisch war es ein einziges Durcheinander, und und und. Ich verlor sehr schnell meine Motivation und mein Selbstvertrauen ging den Bach runter! Hier war ich wieder einmal, “Mr. Overthinker”, ich war verwirrt darüber, was ich eigentlich tun wollte!
Der “Sag niemals nie”-Typ (Mitte März bis heute): Nach vielem Hin und Her, nach Selbstzweifeln und Selbstreflexionen scheint es, dass ich einfach handeln muss, ohne zu viel nachzudenken. Es ist genau wie Sabriye mir immer geraten hat. Anstatt mich auf 100 Dinge zu konzentrieren, habe ich beschlossen, mich vorerst nur auf ein Thema zu fokussieren, nämlich auf die Einrichtung von drei Modellgärten. Und das zahlt sich bisher gut aus. Es bringt mich wieder auf den richtigen Weg.”

Der nächste Schritt

In diesen Tagen ist Biman in Schweden, Dänemark und Deutschland unterwegs. Er spricht zu Studentengruppen, zu Umweltaktivisten und er knüpft wertvolle Kontakte mit potenziellen Unterstützern.

Seine Pläne für das nächste Jahr sind klar:

Drei Modellgärten, um die Menschen davon zu überzeugen, dass man auf wenig Grund, mit wenig Mitteln viele unterschiedliche Gemüsesorten pflanzen kann.
Acht Kurzfilme in lokalen Sprachen, um Bauern einen Einblick in erfolgreiche ökologische Landwirtschaft zu vermitteln,
Eine Dorfküche, in der mit ganz neuen natürlichen Nahrungsmitteln experimentiert werden soll, um den Appetit der Menschen auf abwechslungsreiche Nahrung zu fördern.

Und wie stehen Deine Eltern zu all dem?

Biman lacht. “Nun im Prinzip verstehen sie mich und meine Beweggründe. Aber natürlich sind sie auch typisch indische Eltern, die sich Sorgen machen und es nicht gutheißen, dass ein Doktor der Mathematik mit einer Fahrradkarre durchs Dorf fährt, um trockenes Laub für den Kompost zu sammeln.”

Nun, Die Achterbahn hat ihre erste große Runde beendet, die Leinwand ist für Biman bereits bekritzelt, jetzt ist es an ihm, mehr daraus zu machen.

born to be wild

“Alles ist schwierig, jeden Tag gibt es neue Herausforderungen. Aber zum Glück sind wir zu zweit. Wenn der eine mal aufgibt, hat der andere genug Energie, um uns wieder vorwärtszutreiben.” Niwas und Shivani, 2021 kanthari Teilnehmer aus Indien

Die Start-Up Phase

Die Berichte der beiden erinnern mich an unsere eigene Start-phase vor fast 25 Jahren. Damals hatten wir, Paul und ich, die verrückte Idee, in Tibet die erste Blindenschule zu gründen

Jetzt lausche ich den aufgeregten Berichten von Niwas und Shivani und ich fühle mich sofort in unsere eigene Vergangenheit zurückversetzt.
Ich erinnere mich an unseren Versuch, leere, hallende Räume durch sperrmüllreife Betten und Tische ein wenig bewohnbar zu machen,
An die allabendlichen recht kargen Mahlzeiten, dünne Reissuppe mit ein wenig Kohl und Chili Paste gewürzt. Zubereitet auf einem maroden Campingkocher. Mahlzeiten, die uns nur noch hungriger ins Bett entließen.

An die Nächte, in denen man nur unruhig schlief und bei jedem Knistern hochschnellte, um die Ratten, die es auf unsere dürftigen Lebensmittel abgesehen hatten, mit einem “Tschusch!” zu verjagen.
Und ich erinnere mich an das Gefühl nicht wirklich willkommen zu sein, obwohl man doch nur etwas zum Positiven verändern wollte.
Zum Glück waren wir, genau wie Niwas und Shivani, zu zweit, und wenn immer einer von uns die Nase voll hatte und alles hinwerfen wollte, hatte der andere eine Idee, wie wir diese oder jene Herausforderung meistern könnten. So kletterten wir über eine Hürde nach der anderen, bis wir heute schließlich in der Lage sind, andere zu ermutigen, weiter zu klettern.

 

Keine Anfänger mehr

Shivani und Niwas haben uns, den naiven Anfängern von damals, aber etwas Entscheidendes voraus. Sie sind keine Anfänger, sie wissen, was sie tun.
Fast ein Jahr haben sie, während dem kanthari Programm an ihren Ideen gearbeitet, haben ihre Projekte in einer virtuellen Welt ersten Stresstests unterzogen, sich vielen kritischen Fragen von Teilnehmern und Katalysatoren aussetzen müssen und sie haben klare Pläne und überzeugende Strategien entwickelt, wie sie jedes einzelne Problem in den Griff kriegen können.

Es handelt sich bei ihren Projekten um zwei unterschiedliche Ideen, die, aufeinander abgestimmt, sich zu unserem Erstaunen, äußerst gut ergänzen.
Shivanis großer Wunsch ist, mit ihrer neugegründeten Organisation “Wild” etwas zur Rettung der Artenvielfalt, der Wälder beizusteuern. Dabei konzentriert sie sich im Besonderen auf das Training von Frauen der Ureinwohner, die jenseits der großen Metropolen leben und durch die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft ihre traditionelle Anbaumethoden verloren haben. Zudem ist sie aufgrund ihrer eigenen Sehschädigung, daran interessiert, besonders auch Menschen mit Behinderungen in die natürliche Landwirtschaft zu integrieren.

Niwas möchte mit seinem Projekt Anantmool, eine Schule mit einem ganz eigenen Lehrplan gründen. Es geht ihm besonders um freien, zwanglosen Unterricht, in dem es keine Rolle spielt, ob man sich wie ein Junge oder ein Mädchen fühlt und sich dadurch auf ganz bestimmte Fächer, Aktivitäten oder Spiele beschränkt. In seiner Schule soll es keine Kastenunterschiede, keine Hierarchien geben. Die Lehrer werden mit ihrem Vornamen angesprochen, die Schüler dürfen über das zu Lernende mitentscheiden.

Es handelt sich um zwei große Visionen. Und daher traten wir im Geheimen mental auf die Bremse, als sie uns im Dezember verkündeten, dass die ersten Projekte schon im Januar starten sollten, und die Schule würde dann Mitte Februar eröffnet.

Sie machten aber ihr Versprechen wahr. Mitte Januar berichtete Shivani von ihrem Getreide Kaffee Projekt, dass sie gemeinsam mit ureinwohner und behinderte Frauen ins Leben riefen.

Und Niwas fand im gleichen Dorf eine alte verlassene Schule, die bis vor sieben Jahren von einer christlichen Organisation geleitet wurde. Irgendwann gingen aber die Gelder aus und die Kinder der Dorfeinwohner, die im 3 Kilometer Umkreis keine einzige Schule vorfinden, mussten ohne Bildung aufwachsen. Eine ganze Generation ist also nicht in der Lage, zu lesen, zu schreiben oder Hindi zu sprechen.

Doch plötzlich ging alles sehr schnell.

Doch plötzlich ging alles sehr schnell. Shivani und Niwas befreiten die Schule vom Wildwuchs, säuberten die Toiletten von schleimigen Maden und toten Insekten, sie renovierten die Klassenzimmer und befreiten den Spielplatz von Ästen und wucherndem Blattwerk und siehe da, die ersten Kinder tauchten auf und füllten den über Jahre verlassenen Schulhof mit Lachen, Schreien und dem Quietschgeräuschen der alten Schaukeln.

Und noch ein paar Tage später zählte ihre Schule 26 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Es handelt sich um Kinder aus der direkten Umgebung und solche die mehr als zwei Kilometer Schulweg durch Dschungel in einer Berglandschaft hinter sich bringen müssen, um am Unterricht teilnehmen zu können.

Einige Schüler sind Kinder der Frauen, mit denen Shivani bereits gearbeitet hat. Sie haben Vertrauen zu dem fremden Paar. Andere Eltern sind skeptisch und schleichen sich während dem Unterricht in die Schule, um alles selbst unter Augenschein zu nehmen.
“Das ist mir sehr recht,” sagt Niwas, “denn nur so können wir sie überzeugen.”

Bei den Müttern geht die Überzeugungsarbeit schnell von statten. Denn was gibt es eindrücklicher, als zu sehen, dass Kinder mit Spaß lernen. Allerdings ist ihnen die Art des Unterrichts noch fremd.
“Die Woche ist in drei Arbeitsbereiche gegliedert.” erklärt mir Niwas. “Montags und Donnerstags werden Konzepte gelernt. Inhalte sind Hindi und Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Dienstags und Freitags werden die Konzepte in die Praxis umgesetzt. Hier geht es um Erfahrung, um spielerische Experimente. Der Mittwoch ist der Tag des Gemeinwohls, da kochen die Kinder für die armen Familien im umliegenden Dorf oder sie helfen in der Landwirtschaft.”

 

Schlau ausgeklügelt

Das ist schlau ausgeklügelt, denn so gewöhnen sich die Ureinwohner an die Vorteile, die das neue Schulprojekt in ihre Kommune bringt. Und trotz alledem gibt es großen Widerstand.
Shivani erzählt, wie sie nachts von Fremden am Telefon beschimpft werden. “Wir sollten so schnell wie möglich verschwinden, sagt die Stimme. Und obwohl uns der Dorfoberste  zugesichert hat, dass wir keine Sorgen haben müssten, gibt es nachts Leute die draußen herumschleichen, um uns Angst einzujagen.”

“Aber dann sind da die Kinder und wir wissen, warum wir das ganze aushalten müssen!” sagt Niwas und ich höre sein Lächeln in der Stimme als er von einem kleinen Mädchen erzählt, dass anfangs in Schuluniform auftauchte. Das Mädchen stand immer abseits, wollte bei den wilden Spielen der anderen nicht mitmachen und fühlte sich wohl etwas fehl am Platz. Doch dann kam es, wie die anderen Kinder auch in Alltagskleidung und plötzlich lebte es auf. Das Mädchen fing an auf Bäume zu klettern und sich mit den anderen im Dreck zu balgen. Beim Fußballspielen guckten die Mädchen zunächst noch zu, bis Shivani zeigte, dass jedes Kind Ballspielen kann.

Shivani und Niwas haben bereits einen dritten Mitstreiter, einen jungen Ureinwohner, der ihnen beim Übersetzen hilft und schon einige Unterrichtsfächer übernimmt. Die ersten Hürden sind genommen, und da sie bereits Kindern und Frauen Hoffnung gegeben haben, sind Shivani und
Niwas selbst motiviert, weiterzumachen.

Da schreckt es sie auch nicht zurück, wenn von einem Mangobaum, gleich über dem Pfad zur Außentoilette, eine grüne Giftschlange herunterbaumelt und sich Niwas nur mit einem Hechtsprung retten kann, wenn die Ameisen Kolonien ihre wenigen Vorräte vertilgen oder wenn sie sich nur einmal in der Woche richtig waschen können. All das wird sie für die Zukunft stärken und irgendwann wird es eine spannende Geschichte sein, die andere ermutigt, nur nicht aufzugeben.

Am Ende sind wir alle dazu geboren, in der Wildness zu überleben.

Born to be WILD – Steppenwolf

Shivani Kumari stammt aus Jharkhand im Osten Indiens. Der Verlust ihres Augenlichts machte es ihr schwer, mit den Erwartungen der Gesellschaft Schritt zu halten. Aber sie fand ihre innere Stärke in der Natur. Shivani fordert ein Umdenken zur natürlichen Landwirtschaft, sie möchte ein Bewusstsein für einheimische Nutzpflanzen schaffen. Es geht ihr um Nahrung durch wildwachsende Kräuter, die sie “Waldnahrung” nennt. Mit ihrer Organisation “Wild” setzt sie sich für ein Leben in und mit der Natur ein. Dafür hat sie ein Ausbildungskonzept entwickelt. In ihren Workshops möchte sie auch Menschen mit chronischen Krankheiten, Behinderungen und Sehbehinderungen integrieren.

Im Schlamm wälzen, von einem Dach zum anderen springen, auf Bäume klettern, mit meiner Großmutter Mais pflücken, in unserem Lehmhaus entspannen, Samen in meinem kleinen Garten pflanzen und Vögel und Schmetterlinge beobachten… Das war mein Leben, bevor ich 11 Jahre alt wurde.

Als ich aber mein linkes Augenlicht zu verlieren begann und an chronischen Magenkrankheiten lit, merkte ich, wie mein Selbstvertrauen langsam schwand. Kraft gab mir nur die tägliche “Unterhaltung” mit einem Guavenbaum in meinem Garten. Die Menschen um mich her beschränkten sich darauf, mir gute Ratschläge zu geben. Sie wußten genau, was ich tun und was ich besser lassen sollte, welchen Gott ich anbeten musste, welchen Arzt aufsuchen usw.

Meine Familie versuchte, alles Mögliche und Unmögliche zu tun, aber mein Augenlicht konnte nicht wieder hergestellt werden. Nun, ich hatte ja immer noch ein funktionierendes Auge, das musste erst einmal reichen. Meine Eltern hatten, wie viele Eltern in meinem Land, ein einziges Ziel: Ich sollte gute Noten schreiben. Daher musste ich besonders hart arbeiten, was mein anderes Auge beeinträchtigte. Als ich meinen Eltern meine Beschwerden vortrug, meinten sie nur: “Oh, es gibt viele Leute mit Augenproblemen, und sie machen trotzdem einen guten Job, warum kannst du das nicht?”

Meine Eltern haben mich immer dazu gedrängt, einen spitzen Abschluss hinzulegen und einen guten Regierungsjob zu ergattern. Es sollte mindestens eine höhere Beamtenlaufbahn sein. Aber die Verbindung zwischen mir und der Natur war stärker als der Wunsch, den Traum meiner Eltern zu leben.


Es war die Wut über Umweltverschmutzung und Abholzung, die mich nur noch stärker von einem konventionellen Leben wegjagte. Die Wut über die Lage der Bauern, die aufgrund der Umweltverschmutzung keine andere Möglichkeit mehr sahen, als in die Städte abzuwandern. Und schließlich die Frustration darüber, dass meine kleine Oase der Kindheit, mein Garten und mein Guavebaum dem geschäftlichen Wachstum meines Vaters weichen musste. Statt mit dem Auto, fuhr ich weite Strecken mit dem Fahrrad, aber ich konnte meine Familie und Freunde nicht dazu inspirieren, dasselbe zu tun. Auf diesen einsamen Fahrradtouren erfuhr ich mehr über unsere verschandelte Lebenswirklichkeit.

Überall dunkle Rauchschwaden, die Himmel und Häuser verschlingen, mit Ruß bedeckte Menschen, die nicht gesund aussehen, Minen, die die Erde zerreißen, das Trinkwasser, trüb durch Gifte und Schwermetalle. Und wo immer ich auch hinblickte, wurde viel Wald abgeholzt. War das mein Heimatstaat, Jharkhand, der Staat, der für seinen fruchtbaren Boden, seine dichten Wälder und seine reiche Artenvielfalt bekannt war? Jetzt ist jeder nur noch auf das Wohlergehen der Industrie bedacht, die ohne an die Zukunft zu denken, Mineralien abbauen und Urwälder durch Beton-dschungel ersetzen.

Und auf wessen Rücken wird das alles ausgetragen? Wir, die Einwohner, sind diejenigen, die gesundheitlich und wirtschaftlich draufzahlen! Obwohl ich oft vor Wut weinen musste, hatte ich nie den Mut, meine Stimme zu erheben oder gegen diese Zerstörung aufzubegehren. Meine Familie war der Meinung, dass mich das alles nichts angehe. Ich solle mich auf mein Studium fokussieren, allein könne ich sowieso nichts ausrichten.

“Sei brav und such dir einen guten Job”.Aber das Schicksal hatte andere Pläne für mich: Während meines Studiums begann ich unter starken Augenschmerzen zu leiden. Ich war nicht mehr in der Lage längere Zeit vor dem Computerbildschirm zu sitzen. Ich verlor das Interesse an meinem Studium und so scheiterte ich daran, den Traum meiner Eltern zu erfüllen. Dadurch hatte ich aber die Möglichkeit, mich einer NGO anzuschließen. Diese NGO arbeitete in ländlichem Umfeld. Das kam mir gerade Recht, denn ich sehnte mich danach, in die Natur zurückzukehren, in einem Lehmhaus zu wohnen und mich gesund zu ernähren.

Doch diese Rückkehr aufs Land schockierte mich. Die Wälder waren verschwunden, die Lehmhäuser waren in Betonbauten umgewandelt worden, die Bauern hatten die Landwirtschaft aufgegeben, weil sie Verluste erlitten hatten, und in den Plantagen mit Monokulturen wurden Chemikalien versprüht. Ich kündigte meinen Job bei der NGO und begann, mehr über natürliche Landwirtschaft zu lernen, indem ich in einen Garten experimentierte, auf Biohöfen ehrenamtlich arbeitete und mich mit Umweltschützern in ganz Indien traf. Es war nicht leicht, meinen Job aufzugeben. Meine Eltern sagten zu mir: “Wie kannst du nur deine Familie nicht unterstützen? Wir haben zu viel Geld für dein Studium ausgegeben!”, “Eine Frau kann keine Bäuerin sein!”, “Wie willst du einen guten Ehemann finden?!

Ich vertraute auf meine innere Stimme, stellte meine Ohren auf Durchzug und setzte meine Reise fort. Während ich mit und in der Natur arbeitete, vergaß ich fast meine Augenschmerzen. Ich konnte stundenlang in Beeten buddeln. Ich genoss die Berührung und den Geruch von feuchter Erde, Blumen und Früchten, besonders das Zwitschern der Vögel und das Rascheln des Laubes.

Im kanthari Institut, wo ich momentan lerne, wie man eine Organisation leitet, musste ich wieder mit einem Laptop arbeiten. Und wieder nahmen meine Augenschmerzen Überhand über mein Leben. Allerdings hier durfte ich zugeben, dass ich eigentlich sehbehindert bin. Hier traf ich Menschen, die trotz ihrer völligen Blindheit selbstbewusst sind und der Welt bewiesen haben, dass es keine Grenzen gibt, wenn man nur die notwendige Leidenschaft mitbringt.

Wenn andere Menschen, die überhaupt nichts sehen können, die Gesellschaft positiv verändern können, dann muss auch ich mich auf meine Stärken konzentrieren und meinen eigenen Weg zu einer positiven Veränderung im Umgang mit unserer Umwelt finden. Daher plane ich, eine Organisation mit dem Namen “Wild” zu gründen.

Ich möchte natürliche Landwirtschaft mit Aufforstung verbinden, ich möchte ein Bewusstsein für einheimische und wilde Nutzpflanzen schaffen und ich möchte aufzeigen, wie wir in Harmonie mit der Natur leben können.Während wir uns um die Natur kümmern, wollen wir auch diejenigen nicht vergessen, die normalerweise nicht Teil der Lösung sind. Da ich selbst sehbehindert bin, konzentriert sich meine Organisation auf Menschen mit Sehbehinderungen sowie körperlich Behinderte und andere ausgegrenzte Menschen.WILD bietet Schulungen in vier Phasen an:

W = Wandern: Die Teilnehmer besuchen agrarökologische Bauernhöfe, um zu lernen, wie man Pflanzen identifiziert, Bäume in Einer Baumschule großzieht, wie man Bienen und Insekten umhegt und wie man Herstellung von gesunden Lebensmitteln im Einklang mit der Natur entwickelt.
I = Imagination: Während Sehende ihre Pläne anhand von Zeichnungen visualisieren, müssen Sehbehinderte mit taktilen Modellen arbeiten. Mit Ton oder Wachs bauen die Teilnehmer einen fantasievollen Miniaturbauernhof mit allen Bereichen, die in einem natürlichen landwirtschaftlichen Umfeld benötigt werden.
L = Lernen: Diese Phase ist dem praktischen Lernen durch die Durchführung von Aktivitäten vor Ort gewidmet. Die Teilnehmer lernen einheimische und nicht kultivierte Produkte mit Mehrwert kennen, z. B. Hirseklöße, Kräutersaft, Tee, Kaffee, Pickles und Marmeladen. Außerdem werden sie an einer Saatgutbank arbeiten.
D = Deliver: Sie werden unternehmerische Fähigkeiten wie Marketing und Finanzmanagement erwerben.

Wir werden den Klimawandel nicht aufhalten können, aber wenn wir gemeinsam handeln, können wir unsere Umwelt auf künftige Herausforderungen vorbereiten.
Wir sind geboren, um in der Wildnis zu leben, aber wir haben den Kontakt zu unserer natürlichen Wildnis verloren. Gemeinsam mit den Sehbehinderten und Körperbehinderten werden wir zeigen, dass wir weder Sehkraft noch einen “perfekten” Körper brauchen, um für unser Recht zu kämpfen, zu einer gesünderen Umwelt beizutragen.

Abhilash wird seine Geschichte und seine Projektidee für einen sozialen Wandel in Indien während der kanthari TALKS öffentlich machen. Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung, die live gestreamt wird, finden Sie auf http://www.kantharitalks.org/

UMOJA East Africa Fund – Kenia

Umoja möchte mit der professionellen Produktion und dem Verkauf von IMO (Indigenous Micro-Organisms) den Einsatz von natürlicher Anbaumethoden und -techniken in der Nahrungsmittelproduktion fördern. Das Ziel ist eine nachhaltige Pflanzen- und Tierproduktion in einem umweltfreundlichen System.

Continue reading

Virtuelle Exposure-Reise nach Afrika

Wie wir von unseren Vorgängern erfahren konnten, gibt es jedes Jahr während des kanthari Programms eine spannende Reise, die “Exposure-Tour”. Es handelt sich dabei um eine Lernerfahrung für alle kanthari-Teilnehmer, die gemeinsam in Süd-Indischen Raum soziale Projekte besuchen. Dabei kommt man besonders mit den Gründern einer Organisation ins Gespräch und man kann viel über den Aufbau einer Organisation, über mögliche interne und externe Probleme erfahren.

Nach einer solchen Tour kann das eigene Projekt Vorhaben noch einmal durchdacht werden. Viele kehren mit ganz neuen Ideen und Erkenntnissen auf den kanthari Campus zurück.

In diesem Jahr läuft vieles anders.

Seit Beginn des Kurses haben wir alle Zeit fast ausschließlich auf dem Campus verbracht und wir wären sehr gerne gereist. Durch Covid-19, hier in Kerala haben wir immer noch viele tägliche Fälle, konnten wir diesen leider Plan nicht umsetzen. Also hat sich das kanthari-Team eine andere Lösung einfallen lassen. Virtuelle Besuche bei Projekten von kanthari-Absolventen in Afrika. Die Tatsache, dass wir die Projekte nicht physisch besuchen konnten, war zunächst ein Tiefschlag. Die Stimmung steigt aber immer, sobald wir sehen, wie das kanthari Team Hindernisse in Lösungen wandelt.In nur wenigen Stunden haben wir enorm viel von unseren Vorgängern gelernt. Wir konnten erfahren, welche Probleme sie überwinden mussten, was bewährte Praktiken sind, und vor allem wir haben eine Menge Mut bekommen, unsere Projekte wirklich anzugehen.

Hier einige dieser Erfahrungen: Insgesamt waren es sechs Projekte von kantharis aus drei verschiedenen Ländern und 5 Generationen. Sie haben uns durch ihre Räumlichkeiten geführt und anschließend unsere vorbereiteten Fragen beantwortet. Alle waren so zuvorkommend, strahlend und doch bescheiden. So wie es sich für kantharis gehört.

Nehmen wir zum Beispiel Lawrence aus Nigeria. Er leitet Springboard eine Organisation, die Studienabgängern, Arbeitslosen und Interessierten jungen Menschen eine kostenlose Ausbildung als ökologischer Landwirt bietet.

Das Training beinhaltet neben der Ausbildung auch die Möglichkeit einer Genossenschaft beizutreten, durch die die Produkte verkauft werden können. (Zurzeit hat die Genossenschaft 908 Mitglieder.) Aber Lawrence hat insgesamt schon über 3000 junge Leute ausgebildet. Die Farm, die er uns per Videorundgang zeigte, war beeindruckend. Um aber so weit zu kommen, musste Lawrence viele Hindernisse überwinden. Das fing schon gleich am Anfang seines Traums an. Seine Eltern hatten sich eine ganz andere Karriere führ ihn vorgestellt. Der Traum, Landwirt zu werden, passte so gar nicht in ihr Konzept. In Nigeria wird Landwirt als Beruf für arme Leute angesehen. Außerdem gab es viele organisatorische und bürokratische Hürden. Sogar Herausforderungen mit den Begünstigten selbst. Lawrence sagte, dass er oft mit Bitten und Forderungen seiner Begünstigten konfrontiert wird, die ihn, wenn er nicht aufpasst, leicht von seinem Hauptziel ablenken können. Aber er blieb standhaft, und das zeigt sich an der großen Anzahl von Landwirten, die von seiner Organisation profitiert haben.

Toni, die Gründerin von Durian sah sich ebenfalls mit einigen Herausforderungen, die von ihren Begünstigten verursacht wurden, konfrontiert. Das Hauptziel der nigerianischen Organisation ist es, Abfall in Wertsachen zu verwandeln. Toni sagte, dass kostenlose Dienstleistungen oft ein Hindernis für einen sozialen Wandel darstellen, da die Menschen das, was sie erhalten, nicht wirklich wertschätzen. Eine finanzielle oder andere Form der Verpflichtung hilft dabei, eine stärkere aktive Beteiligung der Beneficiaries zu erreichen. Sie hat ihr Konzept vollkommen verändert, und hat so mehr Eigenbeteiligung. Das hilft wiederum bei der Auswahl von Begünstigten, diejenigen, die wirklich motiviert sind.
Zudem stellt sie nun ihr Team aus den früheren Teilnehmern zusammen. Sie nämlich wissen, worum es wirklich geht. Ihre Begründung: Erstens, durch die früheren Interaktionen hat sie eine gute Vorstellung von ihnen und zweitens, hat die Person gezeigt, dass sie Durians Vision und Mission versteht und daran glaubt.

Toni hat sich als gute Fundraiserin erwiesen. Ihr Rat in dieser Hinsicht war einfach, aber bemerkenswert. Sie sagte, es sei wichtig, eine Beziehung zu dem Spender aufzubauen. Diese Beziehung kann sogar eine persönliche Ebene erreichen, ohne dass dabei die berufliche Integrität verloren geht. Der Aufbau einer Beziehung bedeutet nicht, dass man sich stundenlang mit ihnen unterhält. Sondern, dass man ihnen an ihrem Geburtstag eine Nachricht schickt und gelegentlich eine kleine Führung durch die eigene Arbeit gibt.

Ähnliche Gedanken zur Mittelbeschaffung äußerte auch Limbi aus Kamerun, die Gründerin von Ecological Balance  Ihre Organisation setzt sich für den Erhalt der Wälder ein und schafft gleichzeitig nachhaltige Lebensgrundlagen. In den ersten Jahren kann die Mittelbeschaffung eine kleine Herausforderung sein. Der Aufbau eines starken Netzwerks kann diese Herausforderung immens erleichtern. Oftmals können gute Referenzen Mittel einbringen. Sie erwähnte jedoch auch, dass vieles auch ohne Geld getan werden kann. Während der Corona-Krise wurde ihr das bewusst. Selbst mit extrem begrenzten Mitteln haben sie und ihr Team neue Wälder geschaffen. Sie wies auch darauf hin, dass ein nachhaltiger Wandel nur möglich ist, wenn der Prozess von den Begünstigten selbst getragen wird. Limbi arbeitet in einem Land, in dem Bürgerkrieg herrscht, und alle waren sehr beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit.

Einige von uns, die Anfänger auf diesem Gebiet sind, fragen sich, wie man sich konzentrieren kann, während man seinen Arbeitsbereich erweitert. Manzi aus Ruanda, der Gründer von Dream Village  gab etwas sehr Wertvolles weiter. Er sagte: “Bevor du eine neue Tätigkeit aufnimmst, frage dich, ob sie mit deiner Vision übereinstimmt. Nur wenn die Antwort ja lautet, fang damit an.” Manzi setzt sich für die Stärkung der Handlungskompetenz von HIV-positiven Jugendlichen ein. Er schloss mit einem inspirierenden Zitat von Bob Marley: “Lebe für dich selbst und du lebst umsonst, lebe für andere und du wirst wieder leben.”

Diese Leidenschaft, sich für andere einzusetzen, war auch in Odunayos Gesicht deutlich zu erkennen. Sie ist die Gründerin von Bramble  einer Organisation in Nigeria, die mit Kindern in der alternativen Bildung arbeitet. Es war sehr interessant zu sehen, wie praktisch sie die Umwelterziehung in ihren Lehrplan integriert hat. Ein Thema, das in unserer heutigen Zeit sehr wichtig ist. In nur zwei Jahren hat sie eine Menge erreicht. Sie erzählte, dass ihr Erfolgsrezept darin besteht, die Gemeinschaft und die Eltern in den Prozess einzubeziehen. Sie sagte, dass sicherlich viele Herausforderungen auf uns zukommen werden, was wichtig ist, ist der Hunger nach Veränderung, wenn man den hat, dann folgt Erfolg fast von selbst.

kantharis sind darauf trainiert, Herausforderungen anzunehmen und zu überwinden. Njeke Joshua, der Gründer von Peace Crops aus Kamerun, ist ein weiteres inspirierendes Beispiel dafür. Kamerun litt und leidet unter einem andauernden Bürgerkrieg. Um sich für eine bessere Zukunft einzusetzen, nutzt Peace Crops den ökologischen Landbau als Mittel, um Frieden in die Kriegsgebiete zu bringen. Er erklärte, dass die zur Verfügung gestellten kanthari-Werkzeuge sehr wichtig sind, da sie für die Bewältigung der Hürden beim Start und bei der Führung eines sozialen Unternehmens benötigt werden.

Die Geschichten, in denen Kämpfe, Herausforderungen, Lösungen und Erfolge geteilt wurden, gab uns, den 2021 kanthari Teilnehmern, ein Bild des Wegs, der vor uns liegt. Die kantharis die wir kennen gelernt haben, waren alle unglaublich zielstrebig. Damit sie ihr Ziel erreichen konnten, hatten alle von Anfang an einen gut durchdachten Plan.

Das erinnerte uns an das, was uns Sabriye und Paul erzählen. Sie praktizieren kein Risikomanagement, sondern Abenteuermanagement. Wenn ein Plan gut durchdacht ist und man offen für ein bisschen Abenteuer ist, ist alles möglich!

Akhina kommt aus Kerala und ist eine junge, sozial engagierte Frau, die mit ihrer Organisation Alarmo junge Menschen dazu anregen will, Umweltschützer zu werden.

Biman kommt aus Westbengalen. Er wuchs in einer ländlichen Gegend auf. Später studierte er im Ausland. Doch nach seiner Rückkehr erfuhr er von desaströsen Veränderungen in der Landwirtschaft. Mit seiner Organisation Bon will er seiner Heimatgemeinde neue Impulse geben, die sie zu traditionellen und umweltfreundlicheren Anbaumethoden zurückbringen könnten.

Youth Empowerment Solutions – Sierra Leone

YES bietet Waisen eine Ausbildung in der ökologischen Landwirtschaft und ermöglicht ihnen dadurch ein selbständiges und finanziell unabhängiges Leben. Die Teilnehmer sind nach dem Kurs in der Lage, ein eigenes landwirtschaftliches Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen.

Continue reading